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Skitourensaison mit Happy End

21 Mai

Der Wecker geht um 4 Uhr. Kurze Zeit später sitze ich frisch geduscht im Auto mit Kaffee und Müesli. Ich brause in Richtung Interlaken, um den ersten Zug aufs Jungfraujoch zu erwischen. Dort oben wollen wir Skitouren Saison gebührend abschliessen und den einen oder anderen 4000er abfeiern. Ich weiss, es wird ein super Tag.

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Bitzeli Aussicht

Letztes Wochenende haben Philipp und ich bereits einen verheissungsvollen Vorgeschmack auf das diesjährige Sommerprogramm erhalten: Kletterei an warmen Pilatus Felsen und ein anregendes Hochtourli auf den Mönch. Diese Unternehmung verdanken wir meinem lieben Freund Simon aus Tasmanien, der sich als solider Bergpartner entpuppt hat (eben mit noch Skipotential). Es hat sich angefühlt als wären wir schon seit ewig eine Seilschaft. Beinahe unheimlich diese Harmonie und so haben wir ihn nur ungern abreisen lassen.

Doch noch sind die Skis nicht im Keller. Am Samstag Morgen bei der Fahrt hinauf aufs Jungfraujoch, verdecken einige unfreundlich Wolkenfetzen den Himmel. Dies schlägt mir ein wenig auf die Motivation. Als wir kurz vor 09:00 Uhr die Skier anschnallen, lacht die Sonne vom Himmel. Hinter dem Mönchsjoch beglückt uns sogar noch der letzte Powder dieses Winters. Herrlich! Die Kühle der vergangenen Tag macht es ebenfalls möglich, dass wir ohne Zeitdruck den heftig steilen Anstieg zum Fiescherjoch gehen können. Es ist heiss im Aufstieg und wir werden regelrecht gegrillt. Weiter oben ist das Gelände dann zu steil für einen Ski-Anstieg. So binden wir diese auf den Rucksack und pickeln die steile Firnflanke hoch. Wirklich ziemlich anstrengend.

Bitzeli steil

Bitzeli steil

Doch ab dem Sattel winkt eine hübsche einfache Kletterei in Granit und Schnee bis hoch zum Gross Fiescherhorn (4023m). Eine Prachtstour – immer wieder schön.

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Bitzeli Klettern – Foto von gipfelgeil.ch

Beim Abstieg, zurück beim Skidepot, verdecken Wolken die Sonne. Es ist feucht-warm und Schneeflocken fliegen in der Luft umher. Die Sicht ist gerade noch gut genug um ohne Seil abzufahren. Für einmal beglücken mich die Spuren der anderen Tourengänger im Schnee ungemein. Denn ohne die, wäre die Wegfindung durch den Gletscherabbruch eine Herausforderung geworden. Es gibt kaum etwas das mich so nervös macht wie die Gewissheit, dass unter mir irgendwelche Spalten sein könnten. So bin ich erleichtert, als sich die Wolken wieder etwas verziehen. Tagesgangwetter – war angesagt so. Ein letzter Anstieg zur Finsteraarhorn Hütte, dann ist unser Tagesziel erreicht.

Erst am frühen Sonntag Morgen wird der Himmel sternenklar. Die Schneedecke ist gut gefroren. Beste Verhältnisse für die Besteigung des Finsteraarhorn (4280m), dem höchsten Berner. Zwölf Jahre ist es her, seit ich diesen Gipfel zu meinem Geburtstag bestiegen hatte. Sobald wir etwas warm gelaufen sind und die richtige Anzahl Kleiderschichten an bzw. ausgezogen haben, lässt mich Philipp vorgehen. Dies ist der ultimative Trick um mich aus dem Trödelmodus heraus zu manövrieren und der Anstieg wird noch effizienter. Erstaunt nehmen wir bereits um 06:30 Uhr Wolken zur Kenntnis, die vom Goms her, den Gletscher herauf kriechen und sich ziemlich schnell ausdehnen. Es ist kühl. Aus diesem Grund verzichten wir auf längere Pausen und überholen schon die ersten Gruppen. Zwei Splittboarder stehen (schlaftrunken? oder so) im Weg und bewegen sich nur widerwillig von der Spur weg. Weiter vorne verliert ein weiterer Splitboarder sein Harsteisen, es ist gebrochen. Als wir um 08:00 h den Hugisattel erreichen, bläst ein garstiger Wind. Die Wolken sind in der Zwischenzeit vom Gletscher herauf gekommen und mahnen uns, besonnen vorwärts zu machen. Es ist ohnehin zu kalt um Fotos zu schiessen und Pause zu machen. Wir schnallen die Steigeisen an und pickeln im Schnee zwischen Felsen rauf. Die Kletterei in diesem Gelände wärmt Körper und Seele (alles bis auf die Finger). Dank perfekten Verhältnissen stehen wir kurz nach 09:00 h auf dem Gipfel. Wir freuen uns kurz und heftig über den Gipfelerfolg, um gleich danach wieder abzusteigen.

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Am Gipfel – Foto vom Gregor

Wolken hüllen uns ein. Wir wechseln wieder auf Ski und sind dankbar, wenn der Nebel ab und zu ein paar Meter Sicht frei gibt. Der Schnee ist grauselig. Bruchharst macht jeden Schwung sehr mühsam und es macht überhaupt keinen Spass. Doch trotzdem erfreuen wir uns an der wundervollen Hochgebirgslandschaft und lassen diesen Sérac rasch hinter uns.

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Schnell vorbei fahren: diese Kollegen stehen im Verruf etwas wankelmütig zu sein.

Mit einem Bären Hunger erreichen wir die gelobte Hütte und verdrücken eine Rösti. Danach erquickt uns ein Nachmittagsschläflein. Draussen hat sich das Wetter nun soweit verschlechtert, dass wir uns ernsthafte Gedanken über den weiteren Tourenverlauf vom Pfingstmontag machen müssen. Die feuchte Luft liegt immer noch im Süden und ein Höhentief tut sein Übriges. Wir wissen nicht, wieviel Neuschnee gefallen ist.

Da früh am nächsten Morgen Wolkenbänke an den Berghängen kleben und der Himmel bedeckt ist, entschliessen wir uns den unbequemen, langweiligen, aber sicheren Weg zurück zum Jungfraujoch unter die Skis zu nehmen. Vor uns sind weitere Tourengänger unterwegs. Doch die Freude über die bestehende Spur wärt nur kurz, denn sie führt im White-Out in die falsche Richtung. So bleibt uns nichts anderes übrig, als mit GPS in der Hand und angeseilt den Aufstieg weiter fort zusetzen. Das kostet Zeit und Nerven.

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Weitere Bilder auf gipfelgeil.ch

Die Abfahrt zum Konkordiaplatz geht in Ordnung. Der Schnee ist gar nicht so übel. Wir sind froh die anderen Tourengänger gerade aufbrechen zu sehen. Auch sie haben ihren Weg gefunden. Die Sicht reicht nun so weit, dass wir den endlos scheinenden Weg bis zur Steigung hinauf zum Jungfraujoch einsehen können. Wir wackeln über eine Stunde immer gerade aus über den Gletscher. An schönen Gipfeln können wir uns nicht erfreuen, denn die sind wolkenverhangen. Ich buche es unter „mental Test“, der kurz vor dem Ziel in einem erneuten Whitout gipfelt, die Spuren natürlich vom Winde verweht. Das Mobile-GPS hat allerdings immer noch genügend Akku und leistet auch diesmal wertvolle Dienste. Wir erreichen das Jungfraujoch und sind etwas verbraucht. Eine Tafel Schoggi auf der Fahrt hinunter ins Tal stellt unsere gute Laune wieder her. Tadellos. Es würdiger und fordernder Saisonabschluss – Danke Philipp es ist einfach grossartig mit Dir in die Berge zu gehen.

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Instant Gipfelglück in der Sterling Range

5 Jan

Nach drei Nächten im Hostel in Walpole, mit Wandern zwischen imposanten Bäumen auf dem Bibbulum Track und entspanntem Sightseeing (Treetop Walk und das ANZAC Museeum in Albany), ist ein Ortswechsel angesagt. So bin ich nun in den Nationalparks Porongurup und Stirling Range unterwegs.

Albany ist fast genau so alt wie Perth und fungierte zu beginn des 20. Jh. bei der Entsendung von immerhin 14’000 Freiwilliger in den ersten Weltkrieg, als logistisches Zentrum. Deshalb steht hier ein Anzac Museum. Im Tripadvisor ist zu lesen, dass die Ausstellung zusammenhangslos, doch mit coolen Gadgets ausgestattet sei. Obwohl der erste Weltkrieg kein zentrales Thema für mich ist, zieht mich diese Ausstellung mich voll rein. Jeder Besucher bekommt nebst einem modernen Audioguide, ein Kärtchen mit der Identität eines Soldaten. Meiner hatte ein Pferd und war in seinem Zivilleben Strassenbahnfahrer in Sydney. Er hat nach seinem Einsatz in Ägypten, im Nahen Osten und in der Türkei (hä?) überlebt. Ich habe nicht den Anspruch alles zu verstehen. Es stellt sich heraus, dass nicht die Ausstellung zusammenhangslos, sondern der erste Weltkrieg eine komplizierte und verworrene Sache war. Doch das ist ja nichts neues. Meine Frage, weshalb Australien so extrem loyal gegenüber Grossbritannien war und in einen ‚fremden‘ Krieg zog, ist beantwortet worden. Loyalität einerseits, andererseits hatte die junge Nation schlichtweg noch zu wenig eigene Identität.

Kleine Randbemerkung zum Thema Identitätssuche heutzutage in Downunder: Eines der Lieblingsthemen, das die Aussies bei etwas ausführlicheren Plaudereien gerne ansprechen, ist ihr ‚Heritage‘. D.h. ihre Abstammung bzw. die ihrer Vorfahren. Zurzeit sind entsprechende Gentests der Kassenschlager.

Im Porongurup NP ist erstmal Picknick angesagt. Es gibt hier überall prima Tisch/Bank Kombinationen und sogar saubere Gasgrills. Ein orientierungsloses Paar streift umher und sucht den Skywalk. Sie finden ihn jedoch nicht und entschliessen sich den Ort unverrichteter Dinge zu verlassnen und sich einen Drink zu genehmigen. Ich laufe in Richtung Nancy Peak und Devil Slope. Da kommen mir ein weiters Paar laut jammernd entgegen. Wie das doch anstrengend sei und ob ich mir denn sicher wäre, dass ich das machen wolle. Ich muss mich zwei Mal erklären, dass ich mich gewohnt sei und ja, ich wolle das wirklich machen. Es stellt sich heraus, dass der Weg nicht allzu technisch und einfach zu finden ist. Die Aussicht wird immer besser und nach 1 h bin ich auf Peak Nr. 1 und schiesse Fotos. Auf dem zweiten Gipfel, nach der Devils Slope, mache ich eine lange Gipfelrast und schaue rüber zur Sterling Range, meinem morgigen Ziel.

Der Nachmittag ist noch nicht gar so fortgeschritten und ich fahre kurz rüber zum nächsten Hiking Parkplatz. ‚Skywalk‘ steht hier in gossen Lettern angeschrieben. Ich möchte eigentlich eher nach einem Wildcampingplatz umschauen. Doch hier ist es zu steil. So gehe ich ein Stück und lande gut 40 min später am Skywalk, dieser ominösen mini Via Ferrata in hammermässigen Granit. Die rund geschliffenen Granitfelsen im Abendlicht, plus die Aussicht bieten eine atemberaubende Kulisse. Der Ort ist keineswegs einsam, verströmt jedoch Frieden. Hier wäre ein super Biwakplatz.

Dann kommen Anna und Brad daher und wir fangen an zu quatschen. Die beiden arbeiten beim Tiefbauamt und bauen eine neue Strasse in der Nähe, da die bestehende zwei Kurven zu viel hat (kein Witz) und es zu viele Unfälle gibt. Die Idee mit dem Biwak bekommt noch eine extra Komponente: Anna meint, dass es toll wäre hier mit einer Flasche Rotwein. Diese Idee verfolgt mich von da an.

Ich entschliesse mich um 19h ziemlich spontan, rechts zum Caravanpark abzubiegen (links wäre Wildcamping auf dem Parkplatz des Nancy Peak gewesen). Die Aussicht auf eine Dusche und die vermeintliche Gewissheit keinen Ärger zu bekommen hat mich dazu bewogen. Aber Pustekuchen: die Platzwartin scheisst mich als erstes mal zusammen warum ich hierher komme! Ich entgegne, ob ich denn jetzt da ich sie raus geklingelt habe, wieder gehen solle. Sie meint ich solle machen was ich wolle. Eigentlich hätte ich nicht bezahlen, trotzdem duschen und wieder verschwinden sollen. Egal, ich schlafe super hier, obwohl der Platz grad an der Strasse liegt und Vogelgezwitscher bzw ‚Gelächter‘ der Kookaburras weckt mich auf. Es sind kleine Vögel mit grossem Schnabel, die mindestens so laut sind wie Kakadus. Surfer-Taylor und Dan haben mir die Viecher vor ein paar Tagen gezeigt.

Ich starte gemütlich und unterhalte mich am Morgen mit einem netten Herrn aus Fremantle. Als ich ihm erkläre, dass ich heute weiter fahre, da ich gestern Nachmittag schon alle Walks hier in Porongorup gegangen bin, schaut er mich erstaunt an und glaubt er ich gebe an. Er wird beinahe ein bisschen ärgerlich. Wieder erkläre ich, dass wir in der Schweiz halt viele hohe Berge haben und uns gewohnt seien zu wandern. Tja, ich denke mal Breitensport in Australien ist gleich Wassersport (oder Angeln oder 4×4 fahren oder Bierdosen stemmen).

Ich denke immer noch an die Idee mit dem Biwak am Castle Rock Skywalk. Erst einmal fahre ich jetzt zur Sterling Range und wandere auf den Bluff Knoll, mit nicht ganz 1100 m. ü. M. deren höchste Erhebung. Wiederum nette Halbtagestour. Kein Wunder sind die Wanderungen hier alle so kurz, denn die Parkplätze sind ja schon halb oben. Da das Café am Parkeingang geschlossen hat, suche ich den übernächsten Picknickplatz am Scenic Drive auf und werfe meine Campingküche an. Ein felsiger Gipfel (mit unaussprechlichem Namen, Talyuberlup) sticht mir ins Auge. Ursprünglich wollte ich noch zum zweithöchsten ‚Berg‘ dieser Region. Doch den verschiebe ich jetzt auf morgen. Ich kraxle einfach noch auf den hier. Es gibt nämlich einen Weg und es dauert nicht ganz eine Stunde.

Die Sache auf dieser Welt, die mich regelmässig zu tiefst glücklich macht, ist es auf einem Berg oben in der Sonne zu sitzen. Im Moment sitze ich wieder und ich fühle es. Ich könnte heulen und ich bin dankbar. Erstaunlicherweise erhält Zeit in so einem Moment eine andere Bedeutung. Nennt man diesen Zustand ‚Flow‘? Dieses tiefe Glück besteht einerseits aus der schönen Aussicht und der sportlichen Betätigung im Aufstieg, aber nicht nur. Da ist mehr. Ich versuche es herauszufinden. (Kommentare erwünscht) Es ist ganz egal, ob es ein 800m Berglein wie der hier ist oder ein 3000er. Angenehme Temperatur hilft. Es ist egal, ob ich alleine bin oder mit Freunden. Auch die technische Schwierigkeit des Anstiegs spielt eine untergeordnete Rolle.

Wieder unten, hole ich rasch mein Dachzelt raus, installiere meine Campingdusche und futtere Naanbrot mit Avocados, Peperonis und Mangochuttney. Dazu gibt es Chillout Musik aus dem iPad. Ich bin ganz alleine und es interessiert wie immer niemanden, ob man Wildcamping macht oder nicht. Am nächsten Morgen ist der Himmel bedeckt, die Gipfel wolkenverhangen und ein bisschen frisch ist es auch. So habe ich keine Eile aus dem Zelt zu kriechen. Doch ein komischer Lärm hält mich vom Weiterschlafen ab: Spielverderber-Krähen machen Krach und so packe ich mein Zelt ein, sammle liegen gebliebene Papierfetzchen auf (hat mich gestört hier an meinem Ego-Campingplatz) und mache gemütlich Frühstück.

So langsam wird der Himmel blau und schon fahren die Schweizer des Tages vor: „Leidgenossen“, hehe, auch Dominik und Stephanie haben grad genug vom Reisen. Wir wissen, dass uns jeder normal denkende, berufstätige Mensch zu Hause als undankbare Gestalten bezeichnen würde und fühlen uns auch entsprechend. Wir haben uns viel zu erzählen und finden heraus, dass wir unterwegs die selben Leute getroffen haben (Luca, Fabian und Remo meine Swissblokes). Die zwei wollen auf den Berg hier und ich fahre zum Toolbrunup, dem zweithöchsten Gipfel der Sterling Range.

Er entpuppt sich als wahrer Leckerbissen: Der untere Teil ist ein steiler werdender Wanderweg im Wald. Sodann folgen zwei grosse Steinfelder, wo man aufgrund des steilen Geländes, ab und zu besser mal die Hände aus der Hosentasche nimmt. Hier gibt es Flecken mit grossen wunderschönen Blumenbüschen, ähnlich Margeriten mit ein bisschen Rosa. Das oberste Viertel ist dann richtig coole Blockkletterei, 2. Schwierigkeitsgrad, anregend und doch einfach zu meistern. Doch das beste ist die Aussicht von dort oben. Es gibt allerdings viele Insekten die mich nervös machen. So fällt die Gipfelrast etwas kürzer aus. Was für ein grossartiger, kleiner Hike! Ich koche mir was am öffentlichen Gasherd (wie praktisch) unten am Camping und fahre weiter nach Bremer Bay, wo ich für zwei Nächte in einem Motel einchecke.

PS: Jetzt weiss ich ausserdem weshalb die zwei Kurven begradigt werden müssen und weshalb es so viele Unfälle gibt. Es ist die Aussicht auf die Berge, die die Autofahrer ablenkt.

Fahren bis Strasse fertig: Wind, Sand, Meer

13 Dez

Nach zwei Nächten im Ferienort Coral Bay, der abgesehen von seiner grossartigen Unterwasserwelt, auch ein Ferienort irgendwo am Mittelmeer sein könnte, beschliesse ich, mich wieder in wilderes und einsameres Gebiet vorzuwagen. Ich fülle meine Vorräte in Carvarnon und fahre wieder nach Norden, nach Gnaraloo.

Kurz nach Verlassen der Hauptstrasse, erreiche ich die Blow Holes. Das Meer drückt hier Wasser durch die Felsen und es entstehen spektakuläre Fontänen.

Etwa 100 km weiter auf einer teils wilden Piste erreiche ich Gnaraloo und den Camping am 3-Mile-Beach. (Nebenbei ‚to get bogged‘ heisst stecken bleiben im Aussie Slang und ist ziemlich gebräuchlich, warum wohl? Grins…)

In der Gegend läuft ein Schildkröten Schutzprogramm, man kann Angeln und Schnorcheln. Ausserdem ist die Gegend bei Surfern und Kitesurfern beliebt. Der Platz wäre geeignet um Menschen mit Burnout aufzunehmen, denn es gibt hier keinerlei Hektik. So haben sich auch ein, zwei europäische Aussteiger hier angesiedelt.

Der Gegend ist ziemlich öde und faszinierend zugleich. Ziegen streunen umher und zwischen Wind umtosten Klippen liegen zauberhafte, menschenleere Sandstrände. Der Campingplatz verfügt zu meinem Erstaunen über eine nagelneue, blitzblanke Dusche, Strom und man könnte sogar via Satelitenempfang ins Internet. Auf Anraten von Jason bleibe ich jedoch ‚Off-the-grid‘ und mache digital Detox. Ich verlängere auf zwei Nächte. Jason ist der Chef hier und er renoviert liebevoll die Gebäude am Campingplatz mit einem Mate.

Spazieren, neue Pläne schmieden, schreiben, atmen, Fotos knipsen und vielleicht später bei Ebbe eine Runde Schnorcheln. Gerade bin ich auf einem Rundgang den Klippen entlang, da entdecke ich einen Surfer. Auch nicht alltäglich für mich als Landratte.

Ich beschliesse aber Monkey Mia auszulassen. Kommerzielle Delfinfütterung interessiert mich nicht. Wenn, dann möchte die Tiere in der Natur sehen.

Am Parkplatz oberhalb des Tombstones (Grabstein, ein auffälliger Stein, der den Surfern als Orientierung dient, treffe ich Wendy. Sie ist aus Geraldton, weiter südlich und kann sich grad nicht entscheiden, ob sie Surfen oder Windsurfen soll. Plötzlich springt sie wie von einer Wespe gestochen auf und meint entschuldigend, sie müsse jetzt ins Wasser, der Wind werde grad gut und sie wolle vor allen anderen surfen.

Ich bringe mich mit dem Fotoapparat in Position und hoffe auf ein gutes Sujet. Einige Minuten später ist der Parkplatz voll. Christian und Calvin aus ‚good old Switzerland‘ sind auch da. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht einer Landsfrau/-mann über den Weg laufe. Es ist wirklich erstaunlich. Gut sind die beiden da, denn einer der Aussteiger, ein Italo- Typ, der sich ‚Spa‘ nennt, sitzt in einem der Autos. Der Kerl ist mir unheimlich. Seine Aura ist dermassen Testosteron geschwängert, dass ich mich tatsächlich etwas vor ihm fürchte. Obwohl er objektiv gesehen sehr nett ist und mich gestern eingeladen hat. Ich halte mich lieber fern von dem. – Nennen wir es Intuition.

Der Hunger lässt mich zu meinem Zelt zurück kehren und ich hole einen fertigen Reis-Quinoa Mix raus, mische ihn mit einer frischen Mango, mach‘ scharfes Lime Chutney und Salz drauf, fertig. Unglaublich Lecker.

Später bei Schnorcheln frage ich mich wieder einmal, ob das alles echt ist: die Sicht ist besser als gestern und kaum im Wasser schwimmt ein grosser Schwarm ‚Seafood‘ um mich herum. Nach 5 Minuten kreuzt ein nervöser Stachelrochen meinen Weg. Er schwimmt hin und her und verschwindet schliesslich im Türkies. Da drüben dümpelt eine kleine Schildkröte friedlich vor sich hin! Ich kann sie von Nahem beobachten – ich bin total hingerissen! Sie hat ein schönes braun-gelbliches Muster. Schliesslich schwimmt sie davon. Doch weiter vorne kommt eine weitere Schildi. Auch mit ihr kann ich ein bisschen Zeit verbringen und ihr seelenruhig zuschauen. So lange, bis der nervöse Stachelrochen daher zu schwimmen kommt! Ich würde sooooo gerne Fotos zeigen! Das ich so was cooles sehe, wo ich doch überhaupt nicht gern im Wasser bin.

Mein weiterer Plan heisst Apero mit Angela und Murrey aus Melbourne, morgen in Carnarvon ins Internet und weiter nach Denham ins Hotel. Auf dem Weg dorthin Stromatoliten schauen und herausfinden was das ist. Morgen gibt es also wieder einen ‚Roadtrip‘ – zum Teil über eine üble Piste. Danach dem Kalbarri NP einen Besuch abstatten und in Geraldton noch einmal Kite surfen. Heute Nachmittag haben einige Jungs hier diesem Sport gefrönt und ich hätte zu gerne mitgemacht. Weihnachten in Perth, Hans und Simon besuchen. Ich freue mich auf das was kommt und bin gut drauf!

Blow holes

Wendy das Surftalent

Wendy kann auch wenden…

Nicht ganz einsam…

Karijini National Park

4 Dez

Newman ist schon recht speziell. Irgendwie kommt wieder so etwas wie Mad Max- oder Star Wars Feeling auf. Heiss, trocken (wenn auch recht grün), es dreht sich um Wasser, Sprit, Reifen, Ersatzteile, Werkzeug und es gibt überdimensional riesige Fahrzeuge für den Tagebau. Die Stadt existiert wegen der Eisen Minen im Umland. So sind nicht nur Roadtrains auf der Strasse, sondern auch extrem schwere und überbreite Transporte. Manchmal mit Begleitfahrzeug und manchmal ohne. Der Frauenanteil beträgt geschätzte 20%. Das Essen ist schmackhaft, fleischlastig und reichlich. Um 20:30 h gehen alle ins Bett. Frühstück gibt es von 5 bis 7 Uhr am Morgen.

Der Karijini NP ist zauberhaft in der Dales Gorge wird die Wärme des Tages sehr angenehm. Dutzende Fledermäuse im Halbschlaf hängen an den Bäumen. Ihnen ist wohl immer noch gar heiss. So fächern sie sich mit eingefalteten Flügeln Kühlung zu. Sie sehen aus wie schwarze Teddies im eingeklappten Regenschirmen. Im Zoom der Fotokamera sind sie sehr putzig anzusehen. Doch sobald mal eine die Flügel ausbreitet und zum nächsten Schattenplatz flattert, erkennt man die Kreatur der Nacht.

Im Fernpool ist das Wasser tief und kühl und nach dem ich, kaum im Wasser, von Fischlein angeknabbert werde, bin ich schnell wieder draussen. Wieder habe ich Muse zu schauen und nette Gesellschaft. Wir plaudern, spazieren, klettern zum nächsten Pool. Der sich dunkelgrün-mystisch von den roten Felsen abhebt und direkt von einer Quelle gespiesen wird. Einfach zauberhaft dieser Ort. Einziger Nachteil: die ganze Fliegenpopulation West Australiens gibt hier ein Stelldichein. So schlimm war es bisher noch nie. Sie wollen in alle Körperöffnungen am Kopf. Sehr unangenehm, vorallem beim Essen. Und wer ist auf dem Camping Platz? Die 4×4-Gang! Ich freue mich riesig die vier wieder zusehen. Jetzt kann ich mir sogar die Namen der Bros n‘ Sis‘ merken. Sie waren sogar im Bungle Bungle NP mit ihrem Fahrzeug. Die machen das toll!

Tags darauf bin ich im ‚Action Mode‘ und fahre früh morgens über eine Holperpiste zu den anderen Schluchten im National Park. Als erstes entdecke ich die Kalamina Gorge. Sie ist nicht so tief wie die anderen und hübsch. Am Lookout der Knox Gorge treffe ich Marcus. Mich verlässt grad die Motivation hinunter zu gehen, doch Marcus meint die Schlucht sei einen Besuch wert und er kommt mit. Er hat recht: diese Schlucht ist wesentlich tiefer, die Felsen geschliffener und der Weg spektakulärer als bei dem Schluchten bisher. Als wir zurück bei den Autos sind, plagt mich ein Riesenhunger und wir fahren zur nahegelegenen Lodge um einen Happen zu essen.

Mein eigentliches Tagesziel sind aber die Weano- und die Hancock Gorge. Marcus bietet mir an, mich zur Weano Gorge in seinem Wagen mitzunehmen. Ich muss meinen Sprit einteilen, denn die nächste Tanke ist noch weit. Es sollte bei dem Schneckentempo auf diesen Pisten jedoch aufgehen und die Klimaanlage brauche ich morgens um 06:30 auch noch nicht.

Marcus hat einige Zeit in Newman gelebt und war schon öfter hier auf Tour. Als ich ihn frage, ob ich ihm anschliessen dürfte, stimmt er erfreut zu. Er hat einen Spezialplan und will die Weano- und die Hancock Schlucht bis dorthin erklettern, wo sie sich mit der Redgorge vereinen. Jetzt hat er jemand gefunden der seinen ‚Scheiss‘ mitmacht, hehe! Grossartig! Der Oberburner! Normalerweise geht man hier nur mit Guide hin. Also ist er jetzt der Guide.

Phantastische Felsformationen sind zu sehen, anregende Kletterpassagen zu meistern und leider, leider werde ich auch nass dabei. Er spöttelt von wegen Blutegeln. Dafür gebe ich mit meinen Kletterkünsten an. Was für eine coole Aktion! Etwas vom besten was ich je gemacht habe. Der Nachmittag vergeht wie im Fluge und wir begiessen unsere Aktion anschliessend mit Ginger Beer in der Lodge.

Danach funktionieren wir den Parkplatz vom Mt Bruce zu einem Campingplatz um. Marcus fährt am kommenden Morgen zurück in Richtung Perth (1200km) und ich wandere auf den Berg. Es gibt Ausblick auf eine Mine wo Eisen abgebaut wird. Um 10 h bin ich schon fertig mit Wandern. So mache ich lange ‚rum und fahre schliesslich via eine weitere Schlucht, die Harmsley Gorge, mit Badestop und Geologie Wundern nach Tom Price.

Der gestrige Tag mit dem Schluchten-Klettern ist einfach nicht mehr zu toppen. Ich würde gerne in ein schönes Hotel und den ganzen Dreck abwaschen. Leider gibt es hier keine schönen Hotels und die kosten auch noch eine Menge. So sehe ich mich gezwungen wiederum den Campingplatz aufzusuchen. Bei dieser Gelegenheit kann ich Wäsche waschen. Üblerweise vergesse ich, dass ich meine Reisedokumente in der Schmutzwäsche versteckt habe und wasche sie gleich mit. Ob sie mich mit so einem sauberen Pass wieder in die Schweiz lassen?

Roadtrip Part II – Kimberly Crossing

26 Nov

Nach 10km ist die 4×4-Piste zu den Bungle Bungles überflutet und für jedes Fahrzeug ohne Schnorchel ist hier Schluss. Stecken bleiben ist keine Option. Es gibt keinen Mobile-Empfang, keine anderen Leute im Umkreis von 120km, möglicherweise Krokodile und es wird 40 Grad. Apropos: Joda

Meine Stimmung ist nicht gut. Ich bin traurig und planlos. Zu gerne wäre ich wandern gegangen bei diesen Felsformationen, die aussehen wie Schicht-Torten. Doch die Kimberly Region ist gigantisch gross. Vielleicht kann ich mich ja einer Tour dorthin anschliessen und es gibt bestimmt noch andere coole Dinge zu entdecken hier.

Die Frau vom Café in Halls Creek nennt mich schon wieder ‚Darling‘. Ist üblich hier und ich weiss nicht was ich davon halten soll. Anscheinend machen das die älteren Ladies mit den Jüngeren im Outback. ‚Gell Schätzli‘. Aber – sie spendiert mir einen Kaffee. Die Bezeichnung für Frauen hier im Outback ist ‚Sheila‘ und für Kerle ‚Blokes‘. Ist aber im normalen, modernen Englisch etwas anrüchig und widerspiegelt die Abgeschiedenheit der Gegend.

Bis das Tourist Office öffnet, kurve ich unmotiviert die Duncan Road runter (soll neben der Gibb und der Tananami eine der 4×4 Pisten durch das Outback sein). Ich besuche die spärlichen Überreste Old Halls Creek (Friedhof) sowie ein Wasserloch 30km südlich: „if it has no tubes and tyles, dont swim in it“ sagen die Locals. Ich verspeise eine riesen Mango im Schatten.

Zurück in Halls Creek erfahre ich, dass es wirklich nichts mehr gibt hier. Ausser zwei Tankstellen: Eine mit Shop und eine mit Mechanic. Ich checke mit meiner neuen Lieblings Automechanikerin den Reifendruck, Öl und Wasser und brause 300 km weiter. Eigentlich hätte ich unterwegs gerne ein Glace und eine kalte Cola. Aber es gibt nichts. Nichts. Die Fahrt nach Fitzroy ist ziemlich öde. Dort erfahre ich, dass die Flussüberquerung zur Windjana Gorge mit meinem Gefährt wohl nicht machbar ist und ich entschliesse mich ziemlich lustlos im Resort/Caravan Parking nach einem günstigen Zimmer zu fragen. Die Zimmerpreise sind horrend! Dann campiere ich halt für 20$. Ich texte die Frau an der Rezeption zu (sie spricht Deutsch, hat anscheinend nichts dagegen und mein Redeschwall muss raus, so nach zwei Tagen hinter dem Steuer).

Ein ‚black Fellow‘ will mir ein Kunstobjekt anhängen. Nein Danke, echt nicht. Ich bin gar nicht gut aufgelegt im Moment. Er hätte mir Essen anbieten sollen, was Richtiges, so ein halbes Känguruh, denn ich sterbe vor Hunger. Nach Aufbau des Zelts, nach einer Dusche, nach netter Unterhaltung mit richtigen Menschen beim Dinner (ein Stück Känguruh – free range – yumm!) und einer Runde im Pool, bin ich versöhnt mit dem Tag und dem Leben. Hier im Camping-Park ist es wunderbar. Total friedlich. Dutzende kleine Känguruhs (oder sind es Wallabies?) düngen den Rasen. 😉

Am nächsten Tag schau ich mir das Gebiet bei der Geiki Gorge näher an und bin ziemlich happy, als ich mich nach 09:00 h ins klimatisierte Auto verziehen kann.

…. später dann…

Gerade bin ich bem Aufstellen des Dachzelts vom Auto gefallen. Aua! Da kommt Ranger Henry vorbei um nach dem Rechten zu sehen. Ich bin draussen im Windjana National Park. Über die ‚legendäre‘ Gibb bin ich gefahren. Es ist ein Campingplatz im Bush (mit Dusche und warm Wasser 😜) und ausser dem Ranger, gibt es keinen Menschen hier. Henry ist einer der wenigen, die bei meinen Vorhaben Daumenhoch macht und ‚go Girl‘ meint.

In den Visitor Centers sind sie allgemein ganz hilfsbereit und gut informiert, haben es aber wohl des Öfteren mit ‚Rüben-Touristen‘ zu tun, die sich so allerhand einfallen, lassen wie sie Kopf und Kragen riskieren können. Deshalb raten sie einem auch hier von allem ab und spielen die Spassbremsen (wie viele Ersatzräder hast Du dabei? Wenn es regnet kommst Du da nicht mehr raus – Ätsch.) Ich mag es ganz und gar nicht wenn man mich bremst.

Jaja, das nächste Mal schliesse ich mich sicher einer 100 köpfigen Gruppe an…..

Ein Beispiel ist das Befahren der Gibb River Road: die Piste ist teils sogar asphaltiert (ich kenne nur die ersten 120km ab Derby). Bei trockenem Wetter, ist der Streckenabschnitt hier her eine sehr einfache Angelegenheit. Idiotensicher würde ich gern schreiben. Doch eben genau das ist es nicht. Denn wenn man ein Idiot ist und mit über 100 Sachen die wenigen Kurven hier auf dem Kies ausfahren will, dann krachts.

Selber hab riesen Respekt vor Furten. Deshalb hab ich 200 km Umweg gemacht. Doch einen Bushcamping für sich alleine zu haben und obendrauf noch die schönsten Boab Trees der ganzen Kimberlys am Wegrand aufgestellt zu sehen, ist es Wert. Als das Licht so ab Mitte Nachmittag schön genug gewesen ist, haben sich alle vorgedrängelt und wollten fotographiert werden. Ich bin vor lauter Fotostops kaum mehr voran gekommen mit fahren. Leider hab ich nicht alle geschafft. Doch es entsteht eine nette Sammlung.

Auch die Termiten Hügel sind bemerkenswert. Anders als noch im Northern Territory: Sie sind nicht so spitz und hoch, sondern eher gedrungen und wulstig.

Ausserdem gibt es dunklen, festen Kalkfelsen (Limestone) der jedes Klettererherz höher schlagen lässt (ich bin am Überbeissen deswegen). Doch 1. kein Gear und kein Partner dabei, 2. ist hier wiedermal alles heilig (Aboriginal Kultur) und es wäre wohl eh verboten.

So bleibt der kühle Tunnel Creek (es riecht nach Fledermaus) und die Windjana Schlucht mit kleinem Spaziergang. Dort soll man kleine Krokos beobachten können (Ranger Henry schwärmt nur so davon). Morgens erwache ich wieder um 04:30 und beobachte grad zwei boxende Känguruhs. Wow!

Natürlich will ich die grad fotografieren und bezahle meinen ‚Blutzoll‘, da gerade aus dem Zelt gekrochen und ohne Insektenspray unterwegs. Auch eine Ameise knabbert an mir (schon wieder), es zwickt ganz komisch. Ich kann es nicht glauben, es ist schon das zweite Mal hier. Die Viecher knabbern tatsächlich! Tja, niemand da zum Jammern (smile).

Ich jogge zum Airstrip, frühstücke und mache mich auf den Weg in die Gorge. Ranger Henry hat gemeint es gäbe da 100erte kleiner Süsswasser Krokos. Ich sichte aber gerade mal eines!

Jetzt ab unter die Dusche, Abmelden beim Ranger und nach Broome ins Hotel. Es ist 42 Grad, morgens um 11 h.

Nachtrag: Sonnige Grüsse aus Broome, hier bleibe ich ein paar Tage zum Erholen und Waschen…

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Pfeiljagd

21 Nov

Nitmiluk NP (bedeutet Nitmi=Zikaden, luk=Platz) soviel zur Geräuschkulisse hier 😃

Da bin ich also jetzt an der Katherine Gorge (ein Canyon mit Fluss). Leider ist das Befahren mit dem Kayak nicht möglich. Der Wasserstand des Flusses hat bereits angefangen zu steigen und so ist es möglich, das Krokodile ins Gebiet vorgedrungen sind. Die Temperaturen tagsüber sollen hier bei 40 Grad oder mehr liegen.

Fürs erste kundschafte ich einen kleinen Rundweg aus und unternehme eine Bootsfahrt mit Badestopp in einem höher gelegenen Felspool (free from – smile) Touri-Bootfahren ist diiiie Psychohygiene.

Den etwas längeren Walk verschiebe ich auf morgen. Start 04:30h, vor dem Bio-Vogelwecker, mit meiner brandneuen superduper Stirnlampe. Die alte hat nun entgültig den Geist aufgegeben und ‚das Geländewagenteam‘ vom letzten Blog hat mir dort auf dem Camping schon eine ausgeliehen. Morgen also ein längerer Walk. Darüber, was es bedeutetet bei diesen Temperaturen zu wandern, habe ich ja bereits die letzten Tage eine Ansage gekriegt. Den Rückweg verkürze ich deshalb per Shuttleboot. So bleiben 18km. Kommt wiedermal drauf an wie der Weg ist. 18 km können sehr, sehr weit sein, wenn man den Weg suchen und über Steine klettern oder durch Sand laufen muss.

Auf dem Ausflugsboot entdecke ich einen Typen, der sich im Visitor Center vor mir nach Wanderungen erkundigt hat. Er war ausserdem im gleichen Hotel in Katherine. Ich habe zwar wirklich keine Lust ihn anzuquatschen (ehrlich, er ist zu schön), doch jemanden in der Wildnis dabei zu haben, bedeutet Sicherheit. Miguel, so heisst er, ist sofort motiviert. Allerdings stimmen ihn die Spassbremsen im Visitor Center dann wieder um. Von wegen Temperaturen und Wegfindung. Ich geh halt mal schauen, nur dann weiss ich wie es ist. Höchste Zeit für mich, so einen PLB (personal locator beacon, GPS Notfallsender) zu kaufen.

Gerade habe ich mein Dachzelt hervor geholt und bin in den Pool gehüpft, als eine Sturzflut vom Himmel herunter kommt. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei und ich gehe nachschauen, ob es meinen Schlafsack herausgespült hat…. Die Temperatur ist jetzt sehr angenehm. Ich werfe den Kocher an und geniesse den Abend mit einem wirklich leckeren indischen Fertiggericht. Nachdem ich all meine juckenden Mückenstiche verarztet hab, leg ich mich hin und schlafe sofort ein.

Frühmorgens geht es los. Der Weg ist einfach zu finden. Ab und zu flattert etwas durch die Dunkelheit, die Luft riecht schwer und holzig und vermittelt Frieden und Geborgenheit. Es ist schön.

Ich verstehe jetzt besser, weshalb ein Teil der Wege zu ist. Auch hier sind zwischendurch riesengrosse Pfützen, die man nur mit einem Abstecher in den Busch trockenen Fusses überwinden kann. Auch das gelingt mir nicht immer. Ich stehe mit beidem Füssen im Matsch (im Dunkeln, bäh!) und kriege feuchte Füsse. Der kurz darauf folgende Sonnenaufgang tröstet mich darüber hinweg. Bald schon ist die Abzweigung zum Lilys Pond erreicht, meinem heutigen Ziel.

Der Weg wird nun anspruchsvoller. Das heisst, ab und zu verschwindet er ganz, ist überwuchert oder verläuft auf Felsplatten. Man folgt den Pfeil-Markierungen, wenn man sie findet. Dies scheint ein Kinderspiel, doch hat meine GPS App hat mich heut drei Mal gerettet! Der Weg führt über ein Feld mit widerspenstigem Gras, Sträuchern, einigen Bäumen und Felsen hinunter zu einem Flüsschen. Es ist trotz der Hitze ziemlich grün. Dies ergibt mit dem blauen Himmel und der roten Erde je nach Licht ein atemberaubendes Farbenspiel. Weiter dem Flüsschen entlang, mit kleinen Klettereinlagen, an den Rand der Katherine Gorge. Der Blick hinunter in den Canyon ist prächtig. Es gefällt mir besser hier oben, als gestern auf dem Boot.

Nach einem Picknick mache ich mich vor 08:00 auf den Rückweg. Mein Plan ist zu zwei weiteren Lookouts zu wandern, ebenfalls auf Busch-Wegen. Schliesslich werde ich dann am Felspool vom Boot abgeholt. So organisiert. Klappt. Deshalb und wegen der grösser werdenden Hitze, muss ich mich an meinen Zeitplan halten. Bis 09:00 ist es angenehm, ab 10h wir man erbarmungslos gegrillt. Hat was mit den 40 Grad.

Als ich zurück zum Campingplatz komme, will ich nur noch in den Schatten und in den Pool. Ich bin erledigt. Ich hab Kopfschmerzen und verziehe mich ins klimatisierte Visitorcenter. Dort schlafe ich auf dem Sofa ein. Heute wünsche ich mir ein kühlendes Gewitter. Der Strom ist seit über einer Stunde weg mal sehen ob sie gleich angetaute Eiscreme verschenken. Leider nein und leider auch kein Gewitter.

Endlich finde ich ein Ibu in meinem Zeug und mache die Kopfschmerzen weg. Ich freue mich auf morgen. Auftanken und Einkaufen in Katherine. Vielleicht ein Wifi? Und dann 500km Roadtrip nach Kununurra.

Life is good.Pfeiljagd

Drive – Walk – Eat – Sleep – Repeat

18 Nov

Diskussion am Pool in Katherine

Ich: ‚why do you have so many tattoos?‘

Der australische Samichlaus: ‚because I am cool‘

Ich: ‚I am not, but I don’t care‘

Schallendes Gelächter. Das ist John und sein Mate Scotty. Die beiden halten Flugsicherungs Anlagen in Schuss, stellen Antennen auf und sind beruflich unterwegs. John hätte auch Hells Angel Member sein können, da hab ich ja nochmal Glück gehabt!

Das Motel hier in Katherine ist wohl überteuert, dafür ist die Stimmung gut. Ich gönne mir nach einigen Tagen Camping zwei Nächte im Hotel. Gestern war ich in Pine Creek in einem schicken Railway Boutique Hotel. Alle Gebäude mit verbauten alten Eisenbahnwaggons, hübschen Veranden und einem schönen Pool.

Pine Creek liegt am südlichen Ende des Kakadu National Parks (NP) den ich in den letzten vier Tagen entdeckt habe. Es soll mal einen Goldrausch gegeben haben in der Gegend. Aktuell gibt es nebst ein paar Unterkünften einen Laden mit Tankstelle. Nach meinem Einkauf dort, hat es in Strömen gegossen. Die anwesenden ‚Black- Fellows‘ und ich wollten nicht nach Hause und so warten alle unter dem grossen Vordach. Als mich ein grosser Alter anquatscht und Geld zeigt, wechsle ich den Posten zum anlehnen. Sauber ist der sicher nicht. Über was der will, kann ich nur spekulieren? Ich süffle mein Diet-Gingerbeer und schaue den wilden Kindern beim herumrennen zu.

Ein weiteres Highlight von Pine Creek ist ein witziges Pub: das ‚lazy Lizzard‘. Der Besitzer tut so, als müsse man ihn kennen (sorry?), es gibt Pub-Food, aber auch raffinierte Vegi-Gerichte. Der Koch mag wohl lieber den Pub-Food – genau wie die Mehrheit der anwesenden Gäste. Ich habe selten eine so grosse Zahl von Frauen und Männern mit BMI über 35 oder 40 gesehen. Ü40 mal anders.

Der Kakadu NP besticht durch seine landschaftliche Schönheit: grüne, lichte Wälder, wechseln mit Grasflächen und Gesteinsformationen. Zu den Attraktionen wie Felsmalereien und Badepools sind Wanderwege angelegt bzw bestehen Markierungen und eine Spur, der man folgt. In dieser Jahreszeit füllen sich die Creeks und die Gewässer dehnen sich aus. Dadurch kommen auch die aggressiven Salzwasserkrokodile ins Landesinnere und die Ranger sind in Alarmbereitschaft. Deshalb und aufgrund der Temperaturen über 30 Grad, kombiniert mit hoher Luftfeuchtigkeit, sind die langen Wanderwege gesperrt und die Campings fast leer. Trotzdem gibt es 5-10 km lange Wanderungen, die man kombinieren kann und die gar nicht immer einfach sind. Denn sobald der Weg verschwinded und man nur noch nach Markierungen läuft oder der Untergrund sandig wird oder man längere Strecken über Felsbrocken klettert, ist das Zeitraubend genug. Auf jeden Fall macht es richtig Spassden ganzen Tag draussen zu sein! Eigentlich ist es ideal, um sich einzugewöhnen. Ich muss mir dingend einen PLB / Epirb kaufen gehen. Es ist ein GPS Rettungssender, den man im Notfall aktivieren kann. Vorallem dann für später. In den Kimberleys ist es dann noch einsamer.

Eine Nacht habe ich auf einem Platz übernachtet (Maguk) der nur über eine 10km lange 4×4 Piste zu erreichen ist: Der Platz ist einfach, ohne Dusche und verfügt über einen lauschigen, krokodilfreien Felspool (in der sog. ‚Crocodile-Managmentzone‘ dort holen sie Krokodile mit Fallen raus). Bei der Einfahrt zur Zufahrtspiste ist mir ein grosses Geländefahrzeug entgegen gekommen, dem ich gerne den Vortritt gewährt habe. Perfekt für mich, denn jetzt habe ich jemand der mir durch die Dips vorausfährt. Macht noch Spass der ‚Scheiss‘ 🙂

Die Geländewagentruppe kommt aus Indien, England, Deutschland und Frankreich. Ich könnte mir keine besseren Nachbaren wünschen. Die einzigen, denn die Gegend ist komplett verwaist.

Obwohl es nur sehr wenig geregnet hat, habe ich es fertig gebracht, mein Nachtlager nass zu machen. Ich habe den Reissverschluss vom Zelt offen gelassen. :-/ Des Nachts fallen grossen Früchte von den Bäumen. Ich bin mir fast sicher, dass ich meine Behausung wohl platziert habe. Zeit, wiedermal im Hotel zu übernachten.

Granatapfel? Jedenfalls fallen sie wie Granaten von den Bäumen

Edith Falls – krokodilfrei

Gleich wird es nass