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Berge, Berge, hohe Berge!

15 Aug

Aus den Anfängen meines Bergsteigerlebens:

Obwohl ich im schönen und hügeligen Appenzellerland aufgewachsen bin, ist mir weder das Wandern, noch das Bergsteigen in die Wiege gelegt worden. Einzig auf den Ski war ich Dank meines skifahrenden Papis (ein sportverückter Flachländer), schon sehr früh zu Hause. Ich durchlief die klassische Ovo-Grandprix-Karriere. Als Teenager erlernte ich aus Coolnessgründen das Snowboarden. Nach Zwanzig war mir das Pistenfahren, egal auf wievielen Brettern, zu langweilig. Ich widmete mich mit Leib und Seele dem Gleitschirmfliegen und war dabei alles andere als fit.

Anfang 2004 hat mich meine Freundin Anita auf meine erste Skitour mitgenommen. – Mit der Eiselin Sonntagstruppe. Dabei habe ich festgestellt, dass ich es kann, ich riesen Spass habe und nach jeder der folgenden Touren glücklich und ausgepowert war. Ausserdem war da dieser Bergführer. Beim Skitouren lernte ich damals Beate kennen, begnadet im Umgang mit Menschen, hat sie mir das Sportklettern auf unglaublich motivierende Weise beigebracht. Einmal durfte ich sie auf die Spannorthütte oberhalb von Engelberg begleiten, wo sie zu einer Bergtour verabredet war. Als die Bergsteiger am nächsten Tag zum Gipfel aufgebrochen sind und ich ins Tal abgestiegen bin, reichte meine Neugierde ins Unermessliche. Von oben und von weitem habe ich die Berge schon lange bewundert. Als Gleitschirmfliegerin war ich jahrelang die Täler auf und abgeflogen und konnte das Gelände hinsichtlich thermischer Aktivität gut lesen.

Aussicht Spannorthütte

Aussicht von der Spannorthütte hinunter nach Engelberg und auf die Titlis Ostwand. – Ein kleiner Funke ist übergesprungen.

Der erste 4000er – Die Tour auf den Alphubel<<<<
ahr später, reifte die Idee einen ganz hohen Berg, einen 4000er, mit Ski zu besteigen. Was macht da mehr Sinn, als davor einmal Höhenluft zu schnuppern? So versuchte ich mich im Sommer 2005 einmal an einem "rechten Berg*", einem 4000er. Pure Neugierde trieb mich an. Wo ist die Grenze? Kann ich das? So fuhr ich eines abends ins Saastal, übernachtete hinter einem verlassenen Hotel in meinem Coni-Mobil und traf mich am nächsten Morgen mit der buntgemischten Gruppe, inklusive Bergführer Michi Schwarzl. Mit der Metro Alpin ging es hinauf auf 3400 m. ü. M. nach Mittel Allain, ins Sommerskigebiet. Dort oben war mir ein bisschen schwindelig. Nun sollte ich mich auch noch fortbewegen?

Sobald wir das Skigebiet verlassen hatten und über den Gletscher immer höher stiegen, war ich gefangen und fasziniert von dieser Landschaft aus Eis und Fels. Bald schon kraxelten wir das Feechöpfli hinauf. Diese kleine Felsstufe, beeindruckte mich als Neuling ungemein und ich freute mich, dass die Kletterei vonstatten ging, ohne mir grosse Schwierigkeiten zu bereiten. Ich erinnere mich noch gut an den danach folgenden Aufstieg über die Flanke zum Alphubel: Vor mir am Seil war ein grosser, sportlicher und sehr "zugfähiger" deutscher Gipfelaspirant. Zu Beginn des Anstiegs war ich etwas angepiekst, weil der dermassen stark am Seil gezogen hat. Nach kurzem "in mich gehen" hatte ich mich dann jedoch entschieden nicht zu reklamieren, sondern die kleine Unterstützung anzunehmen. Go with the flow. Hehe. 😉

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o stand ich also aus purer Neugierde auf dem Gipfel des Alphubel, meinem ersten 4000er! Eine durchaus empfehlenswerte Erfahrung. Beim Abstieg über den Fee Gletscher sackten meine Kameraden und ich ein paar Mal mit einem Bein bis zum Gehtnichtmehr ein. Ich machte mir jedoch keinen Kopf. Stattdessen witzelten wir, beflügelt vom Gipfelerlebnis, sorglos herum. Kurze Zeit später landete ich dann prompt in einer Gletscherspalte. Es ging so schnell, dass ich nicht einmal Zeit hatte, vor Schreck den Eispickel und den Stock fallen zu lassen. Rund einen Meter über mir staunte ich über das himmelblaue Loch. Unter mir eine mehrere Meter tiefe, finstere Kluft, links und rechts blankes graues Eis. Mit einem Flaschenzug retteten mich die beiden Bergführer Michi und Kurt aus meiner misslichen Lage. Beim Weitergehen war mir gar nicht mehr nach Blödeln zu mute. Mich verfolgte nun bei jedem Schritt panische Angst, erneut einzubrechen und ich musste mich gehörig zusammen reissen. Nun war es der Bergführer, der Sprüche klopfte. Zur Strafe wurde er wenige Wochen später erneut engagiert.

S Horu im Hintergrund - wär das echt auch noch einer?

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o habe ich eine Ansage fürs Hochtourengehen erhalten. Die panische Angst vor Gletscherspalten hat mich ein paar Jahre lang begleitet und ist in der Zwischenzeit einem gesunden Respekt gewichen.

Bereits einen Monat später kehrte ich mit meinem Gleitschirm-Freund Christoph zurück ins Saastal. Christoph war hungrig nach Bergabenteuern, fit wie ein Turnschuh und zudem verfügte er bereits über einige Erfahrung im Sportklettern. Die Woche davor haben wir die Panorama Route am Jägihorn begangen. Diese Kletterei im mit Flechten bewachsenen Gneis, ist noch heute eine meiner Lieblingstouren. Wir engagierten Berführer Michi für eine Tour aufs Nadelhorn. Von dieser Tour ist mir einerseits der spektakuläre Anstieg zur Mischabel Hütte sowie deren damaliger Hüttenwart in Erinnerung. Die Hütte ist bereits vom Tal aus zusehen. Sie prangt unendlich hoch und scheinbar unereichbar weit oben am Berg. Der Weg wird zum Zustieg. Da nimmt man besser die Hände aus den Hosentaschen und bewegt sich mit deren Hilfe über Felsen kraxelnd fort. Fast ein kleiner Klettersteig mit Drahtseilen – sehr anregend.

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er Hüttenwart zeigte sich mir gegenüber von seiner herb-freundlichen Seite. Allerdings schien er einen derben Sinn für Humor zu haben: So habe er, seinem Bericht zufolge, einem erschöpften Bergsteiger eine Dose, die als Aschenbecher diente und Flüssigkeit enthielt, zum Trinken angeboten. Natürlich hat dieser sofort einen Schluck daraus genommen. Üüüüüble Sache!

Die Hütte verfügte über kein Wasser, gehörte jedoch bereits zur moderneren Sorte. Besonders entzückt hat mich das Lichtspiel des Sonnenuntergangs! Die Ruhe und die Farben in dieser erhabenen Landschaft aus Fels und Schnee, hoch oben auf 3300 m. ü. M.

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tion id="attachment_1008" align="alignnone" width="1698"]Gipelfoto Nadelhorn Am Seil von Michi mit Christoph auf dem Nadelhorns 4327m.[/caption]<

ie Idee einen wirklich hohen Berg, einen 4000er, mit Ski zu besteigen ist anlässlich meines runden Geburtstags im 2006 zum konkreten Plan geworden. Nach dem Alphubel und dem Nadelhorn war mein Schicksal als Ski-Bergsteigerin besiegelt. Ich erinnere mich nicht mehr an meinen Zwanzigsten. Doch zu meinem Dreissigsten sollte es das Finsteraarhorn werden. So meldete mich beim Bergführer Büro Rock and Powder an: coole Bilder, cooles Programm und eine ansprechende Website verhiessen ein grossartiges Bergabenteuer…

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Das Finsteraarhorn. *** Am 5. Tag der Tour endlich anständiges Wetter. Foto von Rock&Powder.

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m April 2006 ist es soweit: Unser Team besteht nebst dem Bergführer Walter Hungerbühler (Wält) und aus den zwei Stammgästen Jan und Pedro. Unterstützt werden wir durch Melanie, ihrerseits Kletterass und Freundin vom Wält. In der Kletter- und Bergsteigerszene hat Wält Legendenstatus inne. Seine Brötchen verdient er seit Jahr und Tag mit dem Führen von Gästen. Nebenbei ist aus ihm in den Jahren auch ein ganz passabler Gleitschirmflieger geworden.

Gemeinsam fahren wir mit der Bahn aufs Jungfraujoch. Dort oben ist das Wetter alles andere als prächtig. Uns bleibt nichts anderes übrig, als angeseilt über den Jungfraufirn abzufahren. So erreichen wir, über die weite Ebene des Konkordiaplatz und über unendlich viele Treppenstufen, die gleichnamige Hütte. (Ich meine mich an 300 Stufen zu erinnern.) Die Klimaerwärmung und die damit verbundene Gletscherschmelze, hat auch hier dem ewigen Eis zugesetzt und so den Zustieg verlängert. Am Konkordiaplatz ist der Gletscher jedoch immer noch rund 900m dick. Erst im Laufe des nächsten Tages bessert das Wetter. Wält bläst sofort zum Aufbruch. Wir steigen die 300 Treppenstufen hinunter, überqueren den Konkordiaplatz bei Sicht (es ist blau-weiss) und fellen den Kranzberg hoch. Quasi die Eingehtour. Es stellt sich heraus, dass ich immer noch keine Fitnessqueen und somit das schwächste Gruppenmitglied bin. Das bedeutet, dass ich werde "beissen" müssen. Rechtzeitig zum Nachtessen sind wir zurück auf der Hütte.

Am nächsten Tag werden wir erneut von garstigem Wetter begrüsst. Wir unternehmen eine Tour aufs Grünegghorn, brechen jedoch vor dem Gipfel ab. Zurück auf der Hütte feiern wir meinen 30. "artgerecht" mit einer imensen Torte aus Schokoladenbisquit und Schlagrahm! Ein Traum! Am kommenden Tag wechseln wir, bei erneut üblem Wetter, zur Finsteraarhornhütte. Auf dem Weg dorthin passieren wir die Grünhornlücke. Der Wind bläst mich beinahe von den Skis und irgendwie finde ich es nicht mehr so schön. Zudem schmerzt meine Leiste und Wält verabreicht mir Voltaren.

Doch siehe da: das Durchhalten lohnt sich. Am letzten Morgen der Tour begleiten uns Millionen Sterne am Firnament als wir auf unseren Skis höher steigen. Die Luft wird merklich dünner. Coni dabei immer laaaaaangsamer und Wälts "Motivationsansagen" immer temperamentvoller: "Also langsamer kann man jetzt wirklich nicht mehr gehen!" Beim Hugisattel lassen wir unsere Ski stehen. Ich werde Melanie zugeteilt und sie führt mich am sicheren Seil zum Gipfel.

Skidepot - der Gipfel ist nah.

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ir beeilen uns, denn wir möchten das Jungfrau-Gebiet am selben Tag noch verlassen. Eigentlich ist das konditionell über meinem Limit – doch frau wächst mit der Herausforderung, es geht ja alles bergab und Skifahren kann ich.

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tion id="attachment_1016" align="alignnone" width="3456"]IMG_5897 Alle Routen aus dem Jungfrau-Gebiet hinaus sind lange. Deshalb gönnen wir uns vor dem „Nachhauseweg“ noch eine Stärkung in der Hütte. Sodann nehmen wir den tief verschneiten Fiescher Gletscher unter die Ski. Foto von Rock&Powder.[/caption]<<<<
tion id="attachment_1017" align="alignnone" width="3456"]IMG_5902 Foto von Rock&Powder.[/caption]<<<<
tion id="attachment_1018" align="alignnone" width="3456"]IMG_5906 Noch eine Stunde Weg. Doch bereits hier sieht es  danach aus als seien alle glücklich und zufrieden. Foto von Rock&Powder.[/caption]<

Persönlich vertrete ich die Ansicht, dass der „Wert“ einer Bergtour keinesfalls von der Höhe des Gipfels abhängt. Vielmehr von Bedeutung ist das Gesamterlebnis: Abwechslungsreiches Gelände (Wanderweg, Fels, Schnee und Eis), die Landschaft Blumen und Tiere inklusive, die Aussicht, die Menschen die mich begleiten und unserem Können entsprechende Anforderungen und ein stets sicheres Gefühl zu haben. Sogar das Erreichen des Gipfels ist nur ein kleiner Teil des Ganzen und ist für eine genussvolle Tour, ein schönes Gesamterlebnis, nicht zwingend notwendig. Diese Einsicht habe ich erst im Lauf der Zeit gewonnen.

** Die Mischabelgruppe besteht aus Täschhorn, Dom und Lenzspitze (bzw. Südlenz). Der Name stammt von „Mischtgabla“ der dreizackigen Mistgabel. Mit etwas Phantasie ist diese durchaus zu erkennen:Mischabelgruppe<<<<
as Finsteraarhorn ist mit 4280 m. ü. M. der höchste Berner.

Alle Fotos vom der Finstaraarhorntour sind von Walter Hungergühler (Wält) von Rock & Powder.<<<<
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Die Bergtour auf die Dent Blanche 4’357 m.ü.M.

8 Aug

Als ich frühmorgens im Halbschlaf zum Bahnhof laufe, um meinen Lieblingszug* um 05:37 zu erwischen, wird mir klar wie nervös ich eigentlich bin. Gestern habe ich das Haus nur kurz verlassen: Lauftraining am Morgen und ein vergeblicher Gang zum Bäcker, der im Urlaub weilt. Danach bin ich den ganzen Tag in meiner brütend heissen Dachwohnung herumgewirbelt: Wäsche waschen, Steigeisen anpassen, Resten aufessen oder einfrieren, Rucksack ein und wieder aus packen und erneut einpacken. Ein Nickerchen am Nachmittag und das Brot halt selber backen. Das Brot von der Tanke schmeckt nicht mir.

„Für eine edle Bergtour müssen edle Sandwiches her“- Conisophie der Woche. Mein Favorit zur Zeit ist Avocado mit  getrockneten Tomaten.

Jedenfalls haben Rucksack und Klamotten gestern Abend für die Unternehmung „Dent Blanche“ bereit gelegen. Fertig gepackt (und viel zu schwer) für einen zeitoptimierten Ablauf in schlaftrunkenen Zustand. Frühmorgens entledige ich mich dann noch einiger Gadgets wie z.B. der Powerbank und optimiere damit das Gewicht. Der unzuverlässige Akku des iPhones nervt. Doch es müsste dann eben ohne gehen. Digital Detox.

Im Zug ins Wallis wartet schon meine Freundin und Bergführerin Andrea (Alpinmaus) auf mich. Wir sind bereits zum vierten Mal für die Dent Blanche verabredet. Nach einer entspannten Kaffeefahrt quer durch die Schweiz, erreichen wir über eine sagenhaft enge Strasse, die entlegene Ortschaft Ferpècle.

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Der „Berg der Begierde“, die Dent Blanche, steht zu hinterst im Val d’Hérens. Er ist einer der abgelegendsten 4000er der Schweiz. Nur noch das Lauteraarhorn hat einen längeren Zustieg.

Respekteinflössend steht die Dent Blanche zu hinterst im Val d’Hérens. Original hätte die Dent Blanche deshalb Dent d’Hérens geheissen. Die Dent d’Hérens gibt es tatsächlich. Doch die steht weiter südlich, näher beim Matterhorn. Die Namen der beiden 4000er wurden bei der Abschrift früher Landkarten vertauscht. So lautet jedenfalls die Legende.

Es gibt wenige 4000er in der Schweiz, die so entlegen sind. Dafür steht die Dent Blanche isoliert, wunderschön und imposant, inmitten einer atemberaubenden Gletscherwelt.

Der Zustieg zur Hütte auf rund 3500 m ist einer der längsten der Alpen. Der Weg steigt ab Ferpècle erst sanft durch einen lichten, grünen Lärchenwald. Die Geräuschkulisse bilden Wassermassen, die von den höher gelegenen Gletschern herab stürzen. Bald schon wird der Weg steiler, bis er sich nach gut zwei Stunden in Steinbrocken und Geröll verläuft. Lediglich die Blau-Weisse Markierung weist nun die Richtung. Das Weiterkommen wird abenteuerlich, denn es gilt über Gesteinsbrocken zu balancieren und wild sprudelnde Wasserläufe zu überqueren. Als ob die Landschaft mit dem blauen Himmel, den Glescherabbrüchen und den hohen Bergen nicht schon Augenweide genug wäre, nun erfreut zu alledem noch ein milchig-grünlicher Gletschersee das Auge des Betrachters. Auch ein mystisches Gletschertor kann man von weitem bestaunen. Die rostroten Felsbrocken welche die Szenerie bedecken sind das iTüpfelchen. Bei entsprechendem Licht würde diese Landschaft wahrlich ein bezauberndes Fotomotiv abgeben.

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Besser als jeder Infinitypool: Direkt mit Eiswasser gespiesen und die Kulisse ist ganz grosses Kino. Wäre dieser Gletscherpool nicht genau das Richtige bei 35 Grad?

Wir wandern über grosse sanft gerundete Gneisplatten; – blank poliert von längst weggeschmolzenen Eismassen vergangener Zeitalter. Nachdem wir über steile Kehren unserer Wegspur einen Grat erreicht haben, kraxeln wir über Felsblöcke immer höher. Zu guter Letzt folgt ein kurzes Stück über einen Gletscher und wir erreichen die Cabane de la Dent Blanche.

Die Hütte ist „old school“. Lediglich die Latrine befindet sich mitlerweile im Haus. Dies hat zur Folge, dass feine Nasen den üblen Gestank selbst im Massenlager noch wahr nehmen. Dafür gibt es fliessend Wasser. Für eine Nacht wird es diese Unterkunft mit ihrem herben Charme tun. Es gibt eine Matratze zum schlafen und Verpflegung.

Nach der Ankunft lege ich mich gleich hin. Es wird eine kurze Nacht. Schlaf auf dieser Höhe, mit fast 20 anderen im selben Raum, ist schwer zu finden. Zudem habe ich meine Ohrstöpsel vergessen – ein Kapitalfehler. Trotzdem nicke ich bereits nach kurzer Zeit ein. Wenige Minuten später weckt mich jedoch ein Helikopter, der direkt vor der Hütte landet.

Bersteiger verunglückt an der Dent Blanche

Die Bergung wird vor der Cabane de la Dent Blanche vorbereitet

Ein Bergsteiger ist im Abstieg verunglückt. Er hat sich aus unerklärlichen Gründen am Ende einer Abseillänge vom Seil gelöst und wollte ungesichert (in relativ einfachem Gelände) weiter absteigen. Dabei ist er vor den Augen seiner Kameraden ausgerutscht und in die Tiefe gestürzt. Seine Kameraden werden zu uns auf die Hütte geflogen. Sie stehen unter Schock, können das Geschehene nicht fassen, sind hilflos.

Kurz vor 4 Uhr schälen wir uns aus den Schlafsäcken und falten unsere Bettdecken zusammen. Das trockene Brot wird mit reichlich Butter und Konfi geniessbar und mit Hilfe von Tee, als „Brennstoff“ für die kommenden Stunden zugeführt (ja – ich freue mich dann wieder auf einen schönen Brunch zu Hause). Um 4:30 steigen wir im Schein der Stirnlampe höher. Ich bin dankbar, dass ich meiner Bergführerin folgen kann und noch nicht denken muss. Das Tempo erscheint mir sportlich und ich beginne gleich zu schwitzen. Meine Beine sind tiptop und so reklamiere ich nicht, sondern strenge mich ein bisschen an.

Bei Tagesanbruch haben wir bereits den Grat erreicht. Ein farbenprächtiger Sonnenaufgang bleibt uns heute verwehrt. Dies tut der Schönheit und Erhabenheit der Landschaft ringsum keinen Abbruch. Linsenwolken hängen über den östlichen Gipfeln und eine Wolkenschicht bedeckt den Himmel. Von Südwesten her reisst die Wolkendecke auf.

Südgrat der Dent Blanche und die Dent d'Hérens.

Erste Sonnenstrahlen am Südegrat und im Hintergrund die Dent d’Hérens.

Am Horizont gleisst das Mont Blanc Massiv hell im Licht der Morgensonne. Es ist schön hier zu sein.

Blick nach Westen: Mont Blanc im Morgenlicht

Ganz im Hintergrund winkt der Mont Blanc in der Morgensonne.

Es ist etwas windiger und kälter als ich es mir beim Packen des Rucksacks (bei 35 Grad in Zürich) vorgestellt hatte. Ich bereue meine dicken Fäustlinge nicht mitgenommen zu haben. Spätestens als wir durch ein gefrorenes Firncouloir hinaufpickeln, sind meine leichten Handschuhe durchnässt und ich friere erbärmlich. Ich habe noch ein Paar Gartenhandschuhe als Ersatz dabei (die Handschuhe gehen ohnehin immer kaputt am Fels), diese sind jedoch nicht gefüttert. Schliesslich erbarmt sich Andrea meiner und leiht mir ihre gefütterten (aha – Bergführer haben gefütterte Gartenhandschuhe – unglaublich) Gartenhandschuhe.

Rechtzeitig zur schwierigsten Kletterstelle bekomme ich ordentlichen „Kuhnagel“ und meine Hände erlangen ihre volle Funktionstüchtigkeit wieder. Der Fels ist granittmässig fest und wunderbar zu klettern. Über und rund um verschiedene Türmchen auf dem Grat steigen wir immer höher. Zwischendurch klettern wir in der Sonne auf der Ostseite. Danach geht es wieder in eine Querung auf der schattigen Westseite, wo die dunklen, grünlichen Felsen mit dünnem Eis überzogen sind. Ein gefrierschrankähnliches Couloir führt zurück hinauf auf den Grat. Schliessilch montieren ein letztes Mal die Steigeisen. Wir passieren nicht nur Flecken mit Schnee und Eis, sondern auch eine Stelle mit bemerkenswert weissem Fels.** Nach dem atemberaubenden Schlussanstieg im Firn – ich bin tatsächlich nur noch zum Gehen in Zeitlupentempo fähig – erreichen wir den Gipfel auf 4’357 m. ü. M.

Coni auf dem Gipfel der Dent Blanche

Gehen geht nur noch im Zeitlupentempo – aber Posen fürs Gipfelfoto geht immer. 😉

Schnell sind die Gipfelfotos geschossen und wir machen uns an den Abstieg. Die Temperatur verleitet einem nicht zu einer längeren Rast. Mir scheint Andrea drückt etwas aufs Tempo. Dies ist allenfalls der möglichen aufkommenden Gewitter geschuldet. Nachem sie mich zwei Mal abgeseilt hat, bin ich dermassen erfreut und motiviert, dass auch ich einen Zahn zulege. Wir schliessen rasch zu den Seilschaften auf, die uns voraus sind. Bald schon sind wir zurück auf der Hütte. Die Wolken haben sich nun ganz verzogen und wir geniessen „eitel Sonnenschein“ auf dem Weg zurück ins Tal.

Andrea und Coni mit der Dent Blanche

So macht Wellenessurlaub unter Freundinnen Spass 😉

* „Lieblingszug“ mit leicht ironischem Unterton. Ich schätze einen frühen Tagesanfang, doch irgendwie steht eine Vier vorne an der Uhrzeit des Weckers für zu wenig Schlaf. Bei zu wenig Schlaf, neige ich dazu schnell knatschig zu werden.

** Mit so einem hätt‘ ich gern mein Bad geplättelt!

NZZ Artikel zum Val d’Herens und der Dent Blanche

Al canto del cucù…

25 Mai

… oder three seasons in one day.

Ich bin im Tessin am Wandern* oder vielleicht auch Trailrunning, denn ich habe nur Turnschuhe dabei. Der Weg führt mich von der Alpe Mornera, wo ich noch mit einem gigantischen Käsebrot ausgestattet worden bin, in Richtung Cima dell’Uomo und am liebsten noch zum Sassariente, denn den hab ich als nette Kletterei in Erinnerung.

Es ist bereits vor 14 Uhr und eigentlich hätte ich Skydiven gehen wollen. Doch leider hat sich das Paracentro entschieden, den Porter auszuleihen ohne mir abzusagen. Das ist absolut schade, zumal ich einen kostbaren Urlaubstag brauche, Hotel gebucht habe und drei Stunden ins Tessin gefahren bin. Mimimi…

Soll ich mich jetzt ärgern? Ich darf dafür zwei Ausrüstungen für morgen für mich beanspruchen und beide gleich packen. Der Rigger ist zum Glück da und er hilft mir dabei. Wir unterhalten uns über seine Passion, das Basejumpen. (Anmerkung: ist kein Thema für mich, ich gewinne einen spannenden Einblick und lerne, dass individuelles, subjektives Risiko-Empfinden und Verhalten bar jeder Statistik und Zahlen/Fakten existiert) Es ist ein sympathischer Hangar Talk und irgendwie kommen wir aufs Thema ‚Kuck Kuck‘. Schon lange keinen mehr gehört. Na, für dieses Jahr wird es wohl schon zu spät sein?

Am Nachmittag bietet sich die phantastische Gelegenheit die Berge oberhalb der Magadinoebene zu erkunden. Ich steige durch einen dunklen und duftenden Nadelwald immer weiter hinauf. Dann lichet sich der Wald und die Wurzeln weichen steinigem, grasdurchsetztem Gelände. Dann leuchten Lärchen im schönsten Hellgrün. Vögel zwitschern und unvermittelt kommt das Tessiner Volkslied ‚al canto del cucù‘ in den Sinn. Bedauern erfasst mich, so lange keinen Kuck Kuck mehr gehört zu haben. Wandern mit Turnschuhen ist nicht zuletzt auch wegen des alpiner werdenden Geländes irgendwie uncool. Als der Weg ein wenig flacher wird, schalte ich in den viel sexieren Trailrunning-Modus. Um mich wenig später frontal hinzulegen. Autsch! Die richtige Lauftechnik würde helfen; das heisst zumindest die Füsse anzuheben und besser auf den Weg zu achten. Als ich mich aufrapple ruft zu meinem Erstaunen ein Kuck Kuck. Keine Einbildung. Den Kopf hab ich beim Hinfallen nicht angeschlagen.

Wegweiser bei der Hütte und Aussicht von oberhalb

Ich erreiche die Hütte und weiter oben finde ein grosses abschüssiges Schneefeld. Hier ist gerade erst der Frühling eingekehrt. Die ersten kleinen Krokusse blühen in dem verdorrten Gras des letzten Sommers.

Ich habe absolut keine Lust hier schon umzudrehen und wage den Balanceakt über den Firn. Hier möchte ich kein zweites Mal rüber. Nach zwei Stunden stehe ich an der Felsscharte der ‚Btta d’Erbea‘. Hier ist Ende Gelände. Der Schnee liegt hier Meterhoch. Ich verdrücke das Monster Sandwich und schaue hinunter ins Tal. Wunderschön hier.

Schliesslich vesuche ich das Schneefeld doch noch hinunter zu steigen, um mir über den weiteren Verlauf des Weges einen Überblick zu verschaffen und mir dabei so richtig nasse Füsse zu holen. Schön rückwärts Tritte in den Schnee schlagen. Tritt für Tritt für Tritt und den Stock ramme ich jedes Mal tief in den Schnee, so hätte ich einen Haltegriff im Falle eines Ausrutschers. Es dauert ewig, aber es hält. Der Weiterweg zum Gipfel des Cima dell’Uomo verläuft ebenfalls nordseitig, weiter durch den meterhohen, abschüssigen Altschnee. Dafür bin ich echt ‚underequiped‘. Ich steige wieder hinauf zu Scharte, lasse meine Sachen in der Sonne trocknen, schaue hinunter ins Tal und auf die Seen und lasse meine Gedanken kreisen.

Unterhalb der Scharte und der Blick zum

Gipfel:

Schliesslich nehme ich entspannt den Rückweg unter die nassen Füsse – zurück zur Alpe Mornera – wandern im Abendlicht.

Ein Blick auf die Uhr und –

Oooops! jetzt bin ich ‚äs bitzeli verschrockä‘: beinahe wäre ich auf diese Schlange getreten! Ich gebs zu, ich hab an der Gadget-Uhr rumgefummelt anstatt auf den Weg zu schauen. Das hatten wir doch schon mal: vor zwei Jahren in Australien! Aber doch nicht hier in ‚good old Switzerland‘? Ich ärgere mich, dass ich zu blöd war das Tier rechtzeitig zu sehen und freue mich gleichzeitig über diese seltene Begegnung.

Und Morgen? I am gonna make a jump tomorrow! 😁😁😁

*Wandern ist immer ein guter Plan B – Conisophie des Tages

Skitourensaison mit Happy End

21 Mai

Der Wecker geht um 4 Uhr. Kurze Zeit später sitze ich frisch geduscht im Auto mit Kaffee und Müesli. Ich brause in Richtung Interlaken, um den ersten Zug aufs Jungfraujoch zu erwischen. Dort oben wollen wir Skitouren Saison gebührend abschliessen und den einen oder anderen 4000er abfeiern. Ich weiss, es wird ein super Tag.

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Bitzeli Aussicht

Letztes Wochenende haben Philipp und ich bereits einen verheissungsvollen Vorgeschmack auf das diesjährige Sommerprogramm erhalten: Kletterei an warmen Pilatus Felsen und ein anregendes Hochtourli auf den Mönch. Diese Unternehmung verdanken wir meinem lieben Freund Simon aus Tasmanien, der sich als solider Bergpartner entpuppt hat (eben mit noch Skipotential). Es hat sich angefühlt als wären wir schon seit ewig eine Seilschaft. Beinahe unheimlich diese Harmonie und so haben wir ihn nur ungern abreisen lassen.

Doch noch sind die Skis nicht im Keller. Am Samstag Morgen bei der Fahrt hinauf aufs Jungfraujoch, verdecken einige unfreundlich Wolkenfetzen den Himmel. Dies schlägt mir ein wenig auf die Motivation. Als wir kurz vor 09:00 Uhr die Skier anschnallen, lacht die Sonne vom Himmel. Hinter dem Mönchsjoch beglückt uns sogar noch der letzte Powder dieses Winters. Herrlich! Die Kühle der vergangenen Tag macht es ebenfalls möglich, dass wir ohne Zeitdruck den heftig steilen Anstieg zum Fiescherjoch gehen können. Es ist heiss im Aufstieg und wir werden regelrecht gegrillt. Weiter oben ist das Gelände dann zu steil für einen Ski-Anstieg. So binden wir diese auf den Rucksack und pickeln die steile Firnflanke hoch. Wirklich ziemlich anstrengend.

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Bitzeli steil

Doch ab dem Sattel winkt eine hübsche einfache Kletterei in Granit und Schnee bis hoch zum Gross Fiescherhorn (4023m). Eine Prachtstour – immer wieder schön.

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Bitzeli Klettern – Foto von gipfelgeil.ch

Beim Abstieg, zurück beim Skidepot, verdecken Wolken die Sonne. Es ist feucht-warm und Schneeflocken fliegen in der Luft umher. Die Sicht ist gerade noch gut genug um ohne Seil abzufahren. Für einmal beglücken mich die Spuren der anderen Tourengänger im Schnee ungemein. Denn ohne die, wäre die Wegfindung durch den Gletscherabbruch eine Herausforderung geworden. Es gibt kaum etwas das mich so nervös macht wie die Gewissheit, dass unter mir irgendwelche Spalten sein könnten. So bin ich erleichtert, als sich die Wolken wieder etwas verziehen. Tagesgangwetter – war angesagt so. Ein letzter Anstieg zur Finsteraarhorn Hütte, dann ist unser Tagesziel erreicht.

Erst am frühen Sonntag Morgen wird der Himmel sternenklar. Die Schneedecke ist gut gefroren. Beste Verhältnisse für die Besteigung des Finsteraarhorn (4280m), dem höchsten Berner. Zwölf Jahre ist es her, seit ich diesen Gipfel zu meinem Geburtstag bestiegen hatte. Sobald wir etwas warm gelaufen sind und die richtige Anzahl Kleiderschichten an bzw. ausgezogen haben, lässt mich Philipp vorgehen. Dies ist der ultimative Trick um mich aus dem Trödelmodus heraus zu manövrieren und der Anstieg wird noch effizienter. Erstaunt nehmen wir bereits um 06:30 Uhr Wolken zur Kenntnis, die vom Goms her, den Gletscher herauf kriechen und sich ziemlich schnell ausdehnen. Es ist kühl. Aus diesem Grund verzichten wir auf längere Pausen und überholen schon die ersten Gruppen. Zwei Splittboarder stehen (schlaftrunken? oder so) im Weg und bewegen sich nur widerwillig von der Spur weg. Weiter vorne verliert ein weiterer Splitboarder sein Harsteisen, es ist gebrochen. Als wir um 08:00 h den Hugisattel erreichen, bläst ein garstiger Wind. Die Wolken sind in der Zwischenzeit vom Gletscher herauf gekommen und mahnen uns, besonnen vorwärts zu machen. Es ist ohnehin zu kalt um Fotos zu schiessen und Pause zu machen. Wir schnallen die Steigeisen an und pickeln im Schnee zwischen Felsen rauf. Die Kletterei in diesem Gelände wärmt Körper und Seele (alles bis auf die Finger). Dank perfekten Verhältnissen stehen wir kurz nach 09:00 h auf dem Gipfel. Wir freuen uns kurz und heftig über den Gipfelerfolg, um gleich danach wieder abzusteigen.

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Am Gipfel – Foto vom Gregor

Wolken hüllen uns ein. Wir wechseln wieder auf Ski und sind dankbar, wenn der Nebel ab und zu ein paar Meter Sicht frei gibt. Der Schnee ist grauselig. Bruchharst macht jeden Schwung sehr mühsam und es macht überhaupt keinen Spass. Doch trotzdem erfreuen wir uns an der wundervollen Hochgebirgslandschaft und lassen diesen Sérac rasch hinter uns.

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Schnell vorbei fahren: diese Kollegen stehen im Verruf etwas wankelmütig zu sein.

Mit einem Bären Hunger erreichen wir die gelobte Hütte und verdrücken eine Rösti. Danach erquickt uns ein Nachmittagsschläflein. Draussen hat sich das Wetter nun soweit verschlechtert, dass wir uns ernsthafte Gedanken über den weiteren Tourenverlauf vom Pfingstmontag machen müssen. Die feuchte Luft liegt immer noch im Süden und ein Höhentief tut sein Übriges. Wir wissen nicht, wieviel Neuschnee gefallen ist.

Da früh am nächsten Morgen Wolkenbänke an den Berghängen kleben und der Himmel bedeckt ist, entschliessen wir uns den unbequemen, langweiligen, aber sicheren Weg zurück zum Jungfraujoch unter die Skis zu nehmen. Vor uns sind weitere Tourengänger unterwegs. Doch die Freude über die bestehende Spur wärt nur kurz, denn sie führt im White-Out in die falsche Richtung. So bleibt uns nichts anderes übrig, als mit GPS in der Hand und angeseilt den Aufstieg weiter fort zusetzen. Das kostet Zeit und Nerven.

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Weitere Bilder auf gipfelgeil.ch

Die Abfahrt zum Konkordiaplatz geht in Ordnung. Der Schnee ist gar nicht so übel. Wir sind froh die anderen Tourengänger gerade aufbrechen zu sehen. Auch sie haben ihren Weg gefunden. Die Sicht reicht nun so weit, dass wir den endlos scheinenden Weg bis zur Steigung hinauf zum Jungfraujoch einsehen können. Wir wackeln über eine Stunde immer gerade aus über den Gletscher. An schönen Gipfeln können wir uns nicht erfreuen, denn die sind wolkenverhangen. Ich buche es unter „mental Test“, der kurz vor dem Ziel in einem erneuten Whitout gipfelt, die Spuren natürlich vom Winde verweht. Das Mobile-GPS hat allerdings immer noch genügend Akku und leistet auch diesmal wertvolle Dienste. Wir erreichen das Jungfraujoch und sind etwas verbraucht. Eine Tafel Schoggi auf der Fahrt hinunter ins Tal stellt unsere gute Laune wieder her. Tadellos. Es würdiger und fordernder Saisonabschluss – Danke Philipp es ist einfach grossartig mit Dir in die Berge zu gehen.

Züri Marathon und der Tag danach, …

24 Apr

… wenn Du nach dem Aufstehen gleich Lunch kochst.

Aber alles der Reihe nach: Den Abschluss eines guten Marathon Trainings bildet die sogenannte „Tapering-Phase“. Ich empfinde dies als nervtötendes Herumgammeln ohne viel Bewegung. Stillsitzen. Erholen. Der Appetit ist ungebremst und so steigt auch das Kampfgewicht. Nicht gut irgendwie. Ein Blick ins Internet beruhigt. Normal sei das. Spätestens nach dem Abholen der Startnummer, platze ich fast vor Nervosität. Dieses Rennen bedeutet mir nach einer längeren, verletzungsbedingten Marathon-Abstinenz enorm viel. Den absoluten Tiefpunkt bildete eine Entzündung der Adduktoren (Radaufhängung beim Auto), die mich hartnäckig von jeder Art Bewegung ausser Rennvelofahren abgehalten hat.

Hurra! Ich stehe wieder am Start eines Marathon

Seit dieser Erfahrung bin ich dankbar überhaupt Gehen zu können, jeder Kilometer schmerzfreies Jogging ist ein Geschenk. Motivationsprobleme fürs Training kenne ich nicht (mehr). In dem Moment, als ich am Start des Zürich Marathon stehe, überwältigen mich bereits die Emotionen und ein Tränchen der Dankbarkeit steigt mir in die Augen. Heute Morgen wollte mich eine frische Blase am Zeh noch umstimmen (Sommerschuhe). Keine Chance. Es ist ein warmer Prachtstag und der Startschuss ist mein Festtagsböller! So erfüllt von Dankbarkeit und Frieden, laufe ich los. Die Nervosität ist verflogen. Ich bin sicher, dass ich eine Pace laufen darf, die auf 4 Stunden zielt. – Obwohl mein ursprüngliches Zeil 4:30 h gewesen war. Bereits nach dem ersten Kilometer warten meine Freunde Philipp und Charlotte. Die beiden sind extra wegen mir gekommen. Meine Freude ist riesig.

Bei Kilometer 1 – (C) Philipp Kohler

Bei Km 3 greife ich erstmals zum Bidon mit Iso. Es ist wirklich warm heute. Die Bäume tragen erste hellgrüne Blätter. Sie dekorieren die Strassen. Das Seefeldquartier wirkt trotzdem trist und ausgestorben. Zurück am Bellevue, bemerke ich ganz unterschwellig ein Ziehen in den Oberschenkeln. Ich leere mein Bidon und gut ist. Ich nehme das zur Kenntnis und laufe ruhig weiter. Charlotte und Philipp sind dank des Fähnchens schon von Weitem zu erkennen. Bei der anschliessenden Runde die Bahnhofstrasse hinunter, vergegenwärtige ich mich, dass ich wohl in gut drei Stunden wieder hier sein werde. Ich verspüre leicht aufkommende Angst, doch die wird von einer unglaublich grossen Zuversicht niedergemacht. Irgendwie ist mir gewiss, dass ich es schaffen werde. Wie wird es sich diesmal anfühlen?

Bahnhofstrasse: Wie werde ich mich beim nächsten Mal Hierdurchrennen fühlen?

Bevor es nun entgültig aus der Stadt in Richtung Meilen geht, nehme ich dankbar ein paar Schlucke Cola von Philipp. 11 km sind geschafft, ich bin warm gelaufen und nun geht es also richtig los. Am nächsten Verpflegungsposten fülle ich mein Bidon nach und werfe sehr früh den ersten Gel ein. Bisher waren die 4 h Pace Maker hinter mir. Die drehen nun auf und verunsichern mich kurz. Egal. Ich laufe mein Rennen und halte mein Tempo bestmöglich – was man hat, das hat man. Es herrscht leichter Gegenwind. Die Brise kühlt angenehm. Wie immer rechne ich während des Laufens ständig. Bei Km 14 ist ein Drittel geschafft. Nächstes Ziel ist der Halbmarathon. Am Strassenrand gibt es einen Wurst- und Burgerstand und ich ertappe mich bei dem Gedanken an… Und muss lachen. Nein, das ist keine Option, sondern immer wieder trinken, trinken, trinken. Eine Läuferin schnappt sich gleich eine 1.5 l Flasche am Verpflegungsposten. Wir teilen sie anschliessend im Laufen.

In Meilen wartet mein super Support Team: Charlotte vollführt Luftsprünge. Ich habe leider verpasst ein Foto von den beiden zu schiessen. Sie bringen mir sogar Gatorade, das ich erst einmal verschmähe und dies fast im selben Augenblick bereue. Ursi und Guido warten gleich ums nächste Hauseck. Ich kann es kaum glauben: so viel Unterstützung ist wunderschön. Nach dem Wendepunkt halten mir Philipp und Charlotte zum Glück das Gatorade nochmal hin.

Bidontausch in Meilen – Danke fürs Gatorade (C) Philipp Kohler

Ich weiss, dass es nun hart wird. So hangle ich mich mental von Kilometer zu Kilometer (und bald unterteile ich noch in 500m). Immer darauf bedacht ein Tempo unter 6 min/km zu laufen. Zum Glück liegt mir das Laufen bei warmen Temperaturen. Es ist deutlich über 20 Grad warm. Ich trinke was geht und bekomme alsbald einen Wasserbauch. Es kommen mir immer noch Läufer entgegen. Dann erlebe ich einen Schreckmoment: Mein rechtes Knie meldet sich schmerzerfüllt bei mir. Was ist das jetzt? Das hatte ich zu Beginn meiner Laufkarriere, noch bevor ich mir ein Rennrad zugelegt hatte und seitdem nicht mehr. Zum Glück hilft gut zureden und der Schmerz verzieht sich wieder. Ausserdem haben wir ja Rückenwind auf dem Heimweg nach Zürich („Chum bring en hei….“).

Später heult ab und an ein Sanitätsfahrzeug vorbei. Auch nehme ich Läufer am Strassenrand wahr, die der Hitze Tribut zollen. Sie werden alle betreut, gut. In dem Fall schaue ich lieber nicht zu genau hin, damit mir nicht ebenfalls übel wird. Es dauert insgesamt uuuuunglaublich lange und ich hatte Küssnacht vergessen, das noch vor Zollikon kommt. Ich bin mir so unglaublich sicher, dass ich das ertragen kann. Ich bleibe ruhig und laufe einfach immer weiter weiter weiter. (Tschüss du Hammermann!) Als der gelobte Utoquai in Sicht kommt, teile ich mein letztes Wasser. Gleich beflügelt mich der Anblick des Bellevue‘, welches in der Ferne in Sicht kommt (Nomen est Omen). Gefühlt drehe ich nun die Pace auf. Doch mein GPS ist anderer Meinung und bleibt stur, knapp unter der 6:00 min/km Marke. 4 Stunden liegen immer noch drin. ‚Dranbleiben Coni, nicht nachlassen.‘ Ich muss mir nun gut zu reden. Auf dem letzten Kilometer „überfällt“ mich Markus (er läuft die Strecke in 3 h) aus dem Hinterhalt und verleiht meinem Finale den letzten Pep! Es wird eine super Zeit und ich bin sehr sehr happy it 4h 2s.

Markus Radarfalle bei Km 41

Die Freunde erwarten mich im Ziel. Wir schlendern in Zeitlupe zum Kleiderdepot. Es ist so schön mit den drei. Ich fühle mich so gut aufgehoben. Nach einer kalten Katzenwäsche geniessen wir Burger auf dem Bauschänzli in der Sonne. Das ist mein Züri wie es mich liebt und wie ich es liebe.

https://www.relive.cc/view/e1105534289

Obwohl es überall zwickt, lege ich mich nach einer Stunde in der Badewanne, ohne das geringste Stretching ins Bett. Ich bin einfach zu müde. Am nächsten Morgen treibt mich unglaublicher Hunger viel zu früh aus den Federn. Ich verspüre den unbändigen Drang morgens vor 07:00 h einen richtig währschaften Lunch zu kochen: Rösti, Spinat, Ei und die Resten von gestern gleich dazu zu verspeisen. Danach gibt es Deep-Stretch Yoga von der süssen Youtube Mady Morrison. Im Laufe des Tages ertappe ich mich bei dem Gedanken an meinen nächsten Marathon. Wann und wo ich den wohl laufen werde?

Danke Philipp (Fotos), Charlotte, Markus, Guido und Ursi für Eure wundervolle Unterstützung!

Meine Lieblingsstretchings:

Spring

6 Apr

Ein frischer Morgen verheisst einen unglaublich schönen Frühlingstag. Die Luft ist bereits im Zug voller geballter Vorfreude; versprüht von all den Ausflüglern, die am heutigen Freitag ins Tessin fahren.

Es ist nicht der allerfrüheste Zug. Dort ist die Aura noch schläfriger, weniger freudig angespannt. Es ist auch der Zug den die grossen Rucksäcke (Gleitschirmsler) nehmen. Ist ja klar: heute ist ein guter Flugtag. Dank Thermik auch für die Gleitschirme. Der Eindruck bestätigt sich bei Ankunft in der Dropzone: Dort sind nicht nur Schmetterlinge und Vögel unterwegs, sondern auch diverse Helis, Segelflieger werden geschleppt, Kleinflugzeuge heben ab, die Fliegerstaffel der Armee, ‚meine‘ Pilatus landet gerade und die ersten bunten Matratzen öffnen sich am Himmel. Dieser Betrieb ist grossartig! Dekoriert mit Palmen und eingeramt mit schneebedeckten Berggipfeln. Ich liebe es!

Nicht zuletzt diese Abenteuer verheissende Augenweide, hat mich beim letzten Besuch dazu bewogen, öfters her zukommen. Begegnungen mit Menschen, mit denen ich sonst nie in Kontakt kommen würde sowie die Tatsache etwas Neues zu erlernen, das alle meine Geschicklichkeit und meine Präsenz fordert, sind weitere Gründe die das Ziel ‚Fallschirmbrevet im Paracentro‘ für mich süss und erstrebenswert machen. Und ich brauche ein Ziel, eine Mission und wie!

Dropzone mit Schneebergeb und Palen

Erst einmal werde ich vom Instruktor begrüsst und ich bekomme einen kleineren Fallschirm als letztes Mal. Er ermahnt mich, anständig damit zu fliegen. Diesmal halte ich mich dran und mache keine Turnübungen zu Nahe über Grund. Mit meiner jahrelangen Fliegerei am Gleitschirm fühle ich mich bisweilen fast zu wohl, sobald der Schirm offen ist und fliegt.

Dieser kleinere Schirm lässt sich einfacher packen und ich schaffe es beinahe schon selbständig. Sodann geht es in die Luft. Es riecht nach Treibstoff. Ungefähr zehn Menschen ganz unterschiedlichen Alters quetschen sich in den Flieger: Senioren in Wingsuits, Stadt- und Landmenschen, Instruktoren, Baby-Adler von der Sphair in ihren dunkelblauen Overalls und ich. Alle mit dem selben Vorhaben. Ein humoristisches Piktogramm ermahnt alle Anwesenden unmissverständlich, die Körperöffnungen untenrum dicht zu machen. Ich fühle mich (zu) wenig aufgeregt, so geniesse ich das Abheben der Maschine in Ölsardinen-Position. Ich besinne mich, dass ich auf der Hut sein muss, weil es mich beim letzten Mal um ein Haar zu früh aus dem Flieger geblasen hätte. Hat nicht gut ausgesehen.

Kurz vor 1000m beginnt das erste Abklatsch-Ausstiegs-Ritual an dem alle beteiligt werden. Das ist weltweite Tradition. Gleich steigen zwei Jungs von der Sphair aus. Besonders einer von ihnen macht das so smooth, dass man das Lufkissen auf dem er vom Pilatus weggleitet fast sehen kann. Grosse Klasse! Ich wünschte mir, ich könnte das ebenfalls schon so gut.

Auf 2800m bin ich die einzige, die raus geht. Der Instrutor lächelt mir aufmunternd zu. Trotzdem versaue ich den Ausstieg. Der Wind blässt mich beinahe vom Trittbrett und ich strample und drehe mich. Auf dem Video, das er gemacht hat, schaut es übel aus. Es fühlt sich für micj gar nicht so schlimm an. Ich stabilisiere innert kurzer Zeit meine Fallposition, checke die Höhe und los mit den kontrollierten 360 Grad Drehungen, links und rechts herum je zwei Mal. Sie gelingen nicht wie sie sollten, werden zu wild, zu unkontrolliert, nicht auf der Achse, eine zu wenig. Ich ziehe zu früh. Der Schirm fliegt etwas lebhafter als der letzte und ich nehme die deutlich kleinere Fläche jetzt unzweifelhaft zur Kenntnis. Wenigstens waren die Öffnung und die Landung ordentlich. Ich bin nicht zufrieden und der Instruktor erst recht nicht.

Das Packen geht besser, doch ehe ich mich freuen kann, begehe ich einen Fehler. Ich lege die Schlinge an der der Splint für den Auslöseschirm befestigt ist, falsch herum aus dem Aussencontainer. Läuft es unglücklich, kann sich der Innencontainer mit dem Schirm darin dann nicht öffnen. Ich bemerke es just in dem Moment, als mich der Intsrukor schilt. Ich ärgere mich, schon wieder etwas falsch gemacht zu haben und bemühe meine positive Grundeinstellung, die sich über so viel Neues zum lernen.

Ich bekomme mein Debriefing. Auf dem Video strample ich in der Luft herum. Es schaut fürchterlich aus. Der Instruktor erbarmt sich meiner und zeigt mir den guten Trick, bei dem ich nicht gleich voll im Fahrtwind stehe. Ich übe einige Male auf der Matte und dann im Flieger der auf dem Boden steht. Ich versuche mir einen Automatismus zu programmieren, weil so schnell denken kann ich da oben an der offenen Flugzeugtüre nicht und schon gar nicht gleichzeitig meine Körperhaltung kontrollieren. Diesmal bin ich gut nervös und ich spüre auch die Freuden-Millisekunde in der Brust, als der Ausstieg mühelos und einwandfrei klappt. Die Drehungen passen ebenfalls. Doch T. lässt mich wiederholen, da ich zu langsam war. Das ist mir einigermassen egal, bis auf die Tatsache, dass ich nur aus 2800m abspringen darf und so nur 30 Sekunden im freien Fall bin.

Mir macht es Spass hier. Bisweilen muss ich auch über Szenen die sich abspielen, staunen oder kichern. Sogar die Packerei geniesse ich wie eine hochkonzentrierte Meditation. So langsam rutschen mir die Leinen und Tuchfalten auch nicht immer wieder aus den Händen. Es geht ja. Und geöffnet hat er sich heute ohne Twist.

Ich freue mich für die sechs Sphair-Jungs die heute ihre Prüfung bestanden haben. Ein Meilensteinauf dem Weg zum Fallschirmaufklärer! Einer kommt grad grinsend vom Landekreis, mit nur einem Schuh. Irgendwann in der letzten Stunde ist die Stimmung in den Chillmodus umgeschlagen. Keiner will mehr springen. Schluss für heute…

In Bellinzona am Bahnhofsplatz treffe ich Marco mit seinem Hinkelstein (Gleitschirm). Ich kenne ihn aus meinen aktiven Zeiten. Wunderbar. Schon am Morgen war er auf dem selben Zug. Er ist heute nach Domodossola und zurück geflogen und hat seinen neuen Schirm gebührend eingeweiht! Wir erzählen uns angeregt von unseren Erlebnissen in der Luft. Gemeinsam mit Schirmslerin Nicole, wird die Heimfahrt gemütlich und kurzweilig. Heute ist einfach ein guter Tag!

Happy City-Running

26 Mrz

Die Skitour mit den Jungs am Samstag hat mir zugesetzt. Ich verbringe den Rest des Nachmittags in der Badewanne und beim Kochen und Essen. Es hat Spass gemacht und bei derart grossartigen Bedingungen, wie sie derzeit in den Bergen herrschen, wollte ich mich vom Aufstiegstempo her nicht lumpen lassen. Zumal ich genau weiss, dass meine beiden Begleiter enorm in Form sind. Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf, fühle ich mich am Sonntag Morgen erstaunlich fit und harre der Dinge und Kilometer die da kommen.

Erst einmal gibt es Ärger im Zug. Ein Nordafrikaner tut so, als wüsste er nicht, ob er die richtige Bahn nach Zürich erwischt hat und brüstet sich gleichzeitig damit, dass er schon zehn Jahre ohne Papiere hier lebt. Anschliessend setzt er sich zu der jungen Frau, vor der er sich aufgeplustert hat und die offenbar seinem Beuteschema entspricht und redet auf Französisch auf sie ein. Obwohl ich absolut nicht in Streitlaune bin, gehe ich irgendwann dazwischen, weil sein Konversationsthema richtig beschämend wird. Er macht sie an, sie solle Diät und Sport machen, weil sie zu dick sei. Er versteht das natürlich ganz und gar nicht, als ich mitpöbeln tue, worauf sich eine unschöne Diskussion zwischen uns entwickelt. Irgendwann setze ich mich an einen anderen Platz. Die junge Frau täuscht vor auszusteigen und somit gibt es auch für ihn keinen Grund mehr nach Zürich zu fahren. Deshalb steigt er ebenfalls aus. Sie setzt sich zu mir und wir sind die Nervensäge los. Sie bedankt sich und meint, sie hätte ohnehin nur die Hälfte verstanden. Zum Glück. Sie ist locker drauf und erzählt, dass sie Fussball spielt. Nach einer kurzen, netten Plauderei trennen sich am HB Zürich unsere Wege. Ich spatziere hinter das Landesmuseeum zum Treffpunkt der Jogger und stelle fest, dass mein Französisch durchaus noch brauchbar ist. Zumindest um einem Mistkerl Bescheid zu sagen. Vor ein paar Wochen in Australien habe ich nämlich beschlossen, gewisse Dinge nicht mehr einfach hinzunehmen, sondern engagierter ‚meine Frau‘ zu stehen.

Aus allen Richtungen eilen Läufer in bunten Klamotten herbei. Die Frühlingssonne lacht vom blauen Himmel. Obwohl es kein Rennen ist, ist die Stimmung vorfreudig gespannt und kribbelig. Es ist ein herrlicher frischer Morgen. Die Leute scherzen, plaudern, knipsen Selfies und nesteln an ihren Gadgets herum.

Die Pacemaker werden vorgestellt. Ich schliesse mich den drei Urchig-Bärtigen an, die 06:30 pro km laufen. So steht es in meinem Trainingsplan und das wird gehen. Ich bin voller Zuversicht und aufgeregt, denn dies ist heute der Testlauf für meinen Marathon Wiedereinstieg – es bedeutet mir ziemlich viel. Es wär der Hammer, wenn mir dieser wichtige Meilenstein gelingen würde! Wir traben los und nach dem ersten Kilometer muss ich ständig bremsen. Ab Kilometer zwei ist mir der Verlauf der Strecke klar und ich laufe vor. Die Gruppe die sechs Minuten pro Kilometer läuft, ist bis auf einen Läufer, der eine Leuchtmarker-Jacke trägt, schon beinahe ausser Sicht. Ich finde meinen Rythmus, passiere flott das Höngger Wehr und geniesse den Happy-Run im Sonnenschein. Der Soundtrack: Gloria Gaynor Supermedley. Immer flussabwärts, der Limmat entlang. Der Fluss hat kann sich nicht entscheiden, ob er dunkelblau oder braun sein will und glänzt einfach im hellen Licht des Sonntag Morgens.

Bei Kilometer 11 gibt es Isodrink. Das ist grossartig. Menschen, Sportler, die einfach Sonntags um Neun hier raus kommen um andere zu unterstützen. Das gebe ich gebe irgendwann gerne zurück!

Ich entferne einen Kiesel aus meinem Schuh und nehme ‚das Rennen‘ wieder auf. Nun bin ich der 6:00er Gruppe dicht auf den Fersen. Als wir bei Kilometer 15 den Wendepunkt erreichen, erschleicht mich ein kurzes Bedauern schon umdrehen zu müssen.

Die Kilometer verfliegen und es ist einfach wunderbar so locker zu laufen, unbeschwert, ohne das geringste Zwicken in Knien oder sonstwo. Irgendwie laufe ich ziemlich schnell für meine Verhältnisse. AC/DC mit Thunderstruck im Ohr, lege ich gleich etwas Brennstoff in Form eines Gels nach.

Partystimmung ist wohl die zutreffende Bezeichunung für den ‚Zustand‘ beim Verpflegungsposten bei Kilometer 18.

Um in meinen guten Takt beizubehalten, fülle ich rasch mein Bidon auf, schiesse ein Foto und weiter gehts. Nun vor der 6:00 min-Gruppe, wobei ich nun nicht genau weiss auf welcher Flusseite sie zu laufen beabsichtigen. Ich wechsle zu früh auf die andere Seite. Dann wieder zurück und ich freue mich den Spirit dieses Morgens in Bildern festzuhalten.

Vor Kilometer 25 erwische ich sie dann und laufe im Pulk mit. Es ist schön, aber nun sehe ich zu wenig und irgendwie ist mir auch dieses Tempo zu langsam. Bei Km 26 muss ich schon wieder voraus und so wird aus der Jägerin die Gejagte. Auch das macht Spass. Bei Km 27 überholen mich vier Läufer in einem Affenzahn, was mich freut, nicht anstachelt, denn offenbar haben noch andere so einen guten Tag wie ich. Ich bleib bei meinen Tempo. Jetzt ist dann genug für mich, so langsam bekomme ich etwas steife Knie. Um die 30 Km voll zumachen bedarf es noch einer Ehrenrunde um das Landesmuseeum. Geht klar! Meine Freude über diesen Happy-Run ist riesig und ich geniesse die Stimmung im Ziel bei den anderen Läufern.

Hier noch in Zeitraffer:

Erlebe den Lauf in 3D

Zeit für Belohnung: Da ich zu der Sorte Menschen gehöre, die nicht einfach nichts denken können, denke ich schon seit zwei Stunden an einen Luxus-Latte vom Ami und eine Bretzl. Beides muss jetzt sofort her.

Die Bretzlverkäufer sind üblicherweise ziemlich missgelaunt: ‚Wos wotsch.‘ Da die Bretzln meiner Theorie zu Folge, irgendeine süchtig machende Substanz enthalten müssen, tun die miesepetrigen Verkäufer dem Genuss keinen Abbruch. Heute ist irgendwie alles gut. Ali ist der freudlichste Bretzlkönig Mitarbeiter ever. Und er ist übrigens am Montag Morgen vor 06:00 immer noch gut drauf.

Ich melde mich für den Züri-Marathon an und bin im Runners High!

https://cityrunning.ch/