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Bye bye red Dirt – hello white Snow

25 Jan

Ich verabschiede mich fürs erste temporär aus der Dropzone (Flugplatz, wo Fallschirmsport praktiziert wird) und fahre nach Perth. Einerseits um im Windkanal meine Freifall ‚Künste‘ zu verbessern und vor allem um mich von Hans zu verabschieden.

Wir verbringen einen wunderschönen Abend bei Sushi und lecker Wein. Es ist ein Genuss mit ihm über Gott und die Welt zu reden, selbst wenn oder gerade weil wir uns nicht immer ganz einig sind.

Die Windtunnel sind ziemlich ‚en vogue‘ hier in Australien. Früh übt sich…. ein Pressebild mit gewissem „Jö-Faktor“.

Am nächsten Morgen gibt der Meister vom Flugplatz grünes Licht und ich fahre zurück nach York. Dabei erlebe ich ein mittleres Verkehrschaos inklusive Baustelle. Es ist wohl Zeit, sich wieder an Schweizer Verhältnisse zu gewöhnen.

Zurück in der Dropzone, bekomme ich ein Briefing und ich werde mit Ian, meinem Stage-2-Angel springen. Der Exit ist diesmal ein Kopfsprung und er gelingt ordentlich. Auch die 360 Grad Drehungen gehen gut, doch das vorwärts fliegen muss ich noch verbessern. Ich nehme mir auch ernsthaft vor, den Höhenmesser fleissiger zu checken. Das ist das wichtigste. Landen lässt er mich jetzt alleine. An diesem Traktor von einem Schirm fühle ich mich ohnehin gut aufgehoben. Je öfter ich springe, desto mehr gefällt mir dieser Sport. Neues Jahr, neues Hobby?

Mein Guru hat immer die schönsten Shirts an und ist die Ausgeburt der Coolness!

Leider machen sie heute früher Schluss und so bekomme ich nur einen einzigen Sprung. Auch am nächsten Morgen lassen sie sich viel viel Zeit. Der Flieger geht noch nach Perth und wir springen erst um 11 h. Zeit, bei der ich mir gerne zeigen lasse, wie man so einen Fallschirm packt. Dabei werden in den schillerndsten Farben Geschichten preis gegeben, was geschieht, wenn man dies nicht macht oder jenes vergisst. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Räuberpistolen hören will.

Dann ist es soweit und zu meiner riesen grossen Freude fühlt sich der Sprung und die Bewegung im der Luft, ganz natürlich an. Einer der Instruktoren meint, ich solle doch von nun an alleine springen. Doch für Stage 7 möchte ich lieber noch jemanden dabei haben. Es gibt einen Backflip und Tracking, das heisst vorwärts fliegen. Ich gestehe, dass ich den Effekt des Trainings im Windkanal völlig unterschätzt habe. Seit diesen 10 Minuten laufen die Bewegungen im Freifall natürlich ab und gelingen ziemlich gut. 10 Minuten entsprechen 10 Sprüngen von 14’000 ft, rund 4500 m.

Obwohl ich nun jedes Level auf Anhieb bestehe, werde ich den ganzen AFF Kurs wohl nicht vollenden. Egal, ich habe riesen Spass und die Atmosphäre hier in der Drop Zone ist magisch. Die Leute voller Begeisterung für ihren Sport. Sehr positiv, lassen sich coachen und fragen auch mich Neuling die ganze Zeit wies läuft und ich solle doch weiter machen. Sie wollen andere für ihren Sport begeistern! Diese geniale Eigenschaft findet man bei Kletterern auch, doch geht sie leider so manchem Bergsteiger ab. Es ist einfach grossartig! Nur Santos spielt seit einer Woche die beleidigte Leberwurst. Offenbar konnte er mit meinem Hinweis nicht viel anfangen und hat jetzt ein (weiteres) Problem. Er tut mir sogar ein wenig leid.

Happy people in der Drop Zone, super Stimmung überall und immer! Es hat auffallend viele Ladies – coool!

Es wird noch viel voller: eine richtige Pijiama-Party (Stichwort Jump Suits)

Mein Freund Simon aus Perth kommt mir für ein Abschiedsdinner aufs Land entgegen. Ich bin ziemlich erledigt von der Springerei. Doch ich finde es schön und mir ist es wichtig, wenn man am anderen Ende der Welt lebt, Freundschaften persönlich zu pflegen. Was sind da schon 100 Kilometer?

Obwohl es Momente gegeben hat, an denen ich mit früheren Rückflug gewünscht hätte, weil ich satt war von all der Schönheit dieses Landes und den vielen Eindrücken, so ich bedaure ich es jetzt abreisen zu müssen. Ich bin gefragt worden, was das beste an dieser Reise war. Es sind eindeutig die Menschen. Wie meistens, gibt es auch negative Aspekte, doch die Freundlichkeit, die positive und optimistische Grundeinstellung und die Hilfsbereitschaft der Leute in diesem Land ist beeindruckend. Immer wieder.

Um 08:00 bin ich auf dem Flieger und ich springe wieder mit Guru Ian. Don wirbelt auf dem Platz umher und er wird erneut Gelegenheit bekommen an meinen Canopy-Künsten rumzumeckern (low turns, 800ft sind ihm nicht hoch genug). Aber hey: ich ‚kille‘ die ganze AFF Ausbildung! Schwupsdiwups bin ich schon wieder auf dem Weg nach oben. Diesmal gibts einen Lowjump von 5000ft. Es ist wie John Wayne: Raus und sofort ziehen. Mein Guru springt hinterher. Das wars! Und zur Feier des Tages krieg‘ ich noch einen richtigen Solo Sprung und ein T-Shirt spendiert und ich spendiere Bier. – Viel Bier.

… und darf mich auf der Bier-Sponsoren Liste eintragen.

Sie werden es in diesem Moment geniessen (nach der Springerei, da sind sie ziemlich sauber). Ich sitze im grossen Flieger und es fliessen immer wieder Tränen über mein Gesicht. Ich heule wegen Hans‘ Abschiedsmail. Ich heule weil ich überwältigt bin, von all den vielen Eindrücken und Begegnungen der letzten Monate und der Zeit in der Dropzone. Ich heule weil ich nach Hause muss und auch weil ich mich auf zu Hause freue. Ich heule weil das Leben so schön ist.

Den Hangar hab ich auch noch verziert, denn alle Muscheln konnte ich wirklich nicht mitnehmen. Sniff sniff….

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