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Instant Gipfelglück in der Sterling Range

5 Jan

Nach drei Nächten im Hostel in Walpole, mit Wandern zwischen imposanten Bäumen auf dem Bibbulum Track und entspanntem Sightseeing (Treetop Walk und das ANZAC Museeum in Albany), ist ein Ortswechsel angesagt. So bin ich nun in den Nationalparks Porongurup und Stirling Range unterwegs.

Albany ist fast genau so alt wie Perth und fungierte zu beginn des 20. Jh. bei der Entsendung von immerhin 14’000 Freiwilliger in den ersten Weltkrieg, als logistisches Zentrum. Deshalb steht hier ein Anzac Museum. Im Tripadvisor ist zu lesen, dass die Ausstellung zusammenhangslos, doch mit coolen Gadgets ausgestattet sei. Obwohl der erste Weltkrieg kein zentrales Thema für mich ist, zieht mich diese Ausstellung mich voll rein. Jeder Besucher bekommt nebst einem modernen Audioguide, ein Kärtchen mit der Identität eines Soldaten. Meiner hatte ein Pferd und war in seinem Zivilleben Strassenbahnfahrer in Sydney. Er hat nach seinem Einsatz in Ägypten, im Nahen Osten und in der Türkei (hä?) überlebt. Ich habe nicht den Anspruch alles zu verstehen. Es stellt sich heraus, dass nicht die Ausstellung zusammenhangslos, sondern der erste Weltkrieg eine komplizierte und verworrene Sache war. Doch das ist ja nichts neues. Meine Frage, weshalb Australien so extrem loyal gegenüber Grossbritannien war und in einen ‚fremden‘ Krieg zog, ist beantwortet worden. Loyalität einerseits, andererseits hatte die junge Nation schlichtweg noch zu wenig eigene Identität.

Kleine Randbemerkung zum Thema Identitätssuche heutzutage in Downunder: Eines der Lieblingsthemen, das die Aussies bei etwas ausführlicheren Plaudereien gerne ansprechen, ist ihr ‚Heritage‘. D.h. ihre Abstammung bzw. die ihrer Vorfahren. Zurzeit sind entsprechende Gentests der Kassenschlager.

Im Porongurup NP ist erstmal Picknick angesagt. Es gibt hier überall prima Tisch/Bank Kombinationen und sogar saubere Gasgrills. Ein orientierungsloses Paar streift umher und sucht den Skywalk. Sie finden ihn jedoch nicht und entschliessen sich den Ort unverrichteter Dinge zu verlassnen und sich einen Drink zu genehmigen. Ich laufe in Richtung Nancy Peak und Devil Slope. Da kommen mir ein weiters Paar laut jammernd entgegen. Wie das doch anstrengend sei und ob ich mir denn sicher wäre, dass ich das machen wolle. Ich muss mich zwei Mal erklären, dass ich mich gewohnt sei und ja, ich wolle das wirklich machen. Es stellt sich heraus, dass der Weg nicht allzu technisch und einfach zu finden ist. Die Aussicht wird immer besser und nach 1 h bin ich auf Peak Nr. 1 und schiesse Fotos. Auf dem zweiten Gipfel, nach der Devils Slope, mache ich eine lange Gipfelrast und schaue rüber zur Sterling Range, meinem morgigen Ziel.

Der Nachmittag ist noch nicht gar so fortgeschritten und ich fahre kurz rüber zum nächsten Hiking Parkplatz. ‚Skywalk‘ steht hier in gossen Lettern angeschrieben. Ich möchte eigentlich eher nach einem Wildcampingplatz umschauen. Doch hier ist es zu steil. So gehe ich ein Stück und lande gut 40 min später am Skywalk, dieser ominösen mini Via Ferrata in hammermässigen Granit. Die rund geschliffenen Granitfelsen im Abendlicht, plus die Aussicht bieten eine atemberaubende Kulisse. Der Ort ist keineswegs einsam, verströmt jedoch Frieden. Hier wäre ein super Biwakplatz.

Dann kommen Anna und Brad daher und wir fangen an zu quatschen. Die beiden arbeiten beim Tiefbauamt und bauen eine neue Strasse in der Nähe, da die bestehende zwei Kurven zu viel hat (kein Witz) und es zu viele Unfälle gibt. Die Idee mit dem Biwak bekommt noch eine extra Komponente: Anna meint, dass es toll wäre hier mit einer Flasche Rotwein. Diese Idee verfolgt mich von da an.

Ich entschliesse mich um 19h ziemlich spontan, rechts zum Caravanpark abzubiegen (links wäre Wildcamping auf dem Parkplatz des Nancy Peak gewesen). Die Aussicht auf eine Dusche und die vermeintliche Gewissheit keinen Ärger zu bekommen hat mich dazu bewogen. Aber Pustekuchen: die Platzwartin scheisst mich als erstes mal zusammen warum ich hierher komme! Ich entgegne, ob ich denn jetzt da ich sie raus geklingelt habe, wieder gehen solle. Sie meint ich solle machen was ich wolle. Eigentlich hätte ich nicht bezahlen, trotzdem duschen und wieder verschwinden sollen. Egal, ich schlafe super hier, obwohl der Platz grad an der Strasse liegt und Vogelgezwitscher bzw ‚Gelächter‘ der Kookaburras weckt mich auf. Es sind kleine Vögel mit grossem Schnabel, die mindestens so laut sind wie Kakadus. Surfer-Taylor und Dan haben mir die Viecher vor ein paar Tagen gezeigt.

Ich starte gemütlich und unterhalte mich am Morgen mit einem netten Herrn aus Fremantle. Als ich ihm erkläre, dass ich heute weiter fahre, da ich gestern Nachmittag schon alle Walks hier in Porongorup gegangen bin, schaut er mich erstaunt an und glaubt er ich gebe an. Er wird beinahe ein bisschen ärgerlich. Wieder erkläre ich, dass wir in der Schweiz halt viele hohe Berge haben und uns gewohnt seien zu wandern. Tja, ich denke mal Breitensport in Australien ist gleich Wassersport (oder Angeln oder 4×4 fahren oder Bierdosen stemmen).

Ich denke immer noch an die Idee mit dem Biwak am Castle Rock Skywalk. Erst einmal fahre ich jetzt zur Sterling Range und wandere auf den Bluff Knoll, mit nicht ganz 1100 m. ü. M. deren höchste Erhebung. Wiederum nette Halbtagestour. Kein Wunder sind die Wanderungen hier alle so kurz, denn die Parkplätze sind ja schon halb oben. Da das Café am Parkeingang geschlossen hat, suche ich den übernächsten Picknickplatz am Scenic Drive auf und werfe meine Campingküche an. Ein felsiger Gipfel (mit unaussprechlichem Namen, Talyuberlup) sticht mir ins Auge. Ursprünglich wollte ich noch zum zweithöchsten ‚Berg‘ dieser Region. Doch den verschiebe ich jetzt auf morgen. Ich kraxle einfach noch auf den hier. Es gibt nämlich einen Weg und es dauert nicht ganz eine Stunde.

Die Sache auf dieser Welt, die mich regelmässig zu tiefst glücklich macht, ist es auf einem Berg oben in der Sonne zu sitzen. Im Moment sitze ich wieder und ich fühle es. Ich könnte heulen und ich bin dankbar. Erstaunlicherweise erhält Zeit in so einem Moment eine andere Bedeutung. Nennt man diesen Zustand ‚Flow‘? Dieses tiefe Glück besteht einerseits aus der schönen Aussicht und der sportlichen Betätigung im Aufstieg, aber nicht nur. Da ist mehr. Ich versuche es herauszufinden. (Kommentare erwünscht) Es ist ganz egal, ob es ein 800m Berglein wie der hier ist oder ein 3000er. Angenehme Temperatur hilft. Es ist egal, ob ich alleine bin oder mit Freunden. Auch die technische Schwierigkeit des Anstiegs spielt eine untergeordnete Rolle.

Wieder unten, hole ich rasch mein Dachzelt raus, installiere meine Campingdusche und futtere Naanbrot mit Avocados, Peperonis und Mangochuttney. Dazu gibt es Chillout Musik aus dem iPad. Ich bin ganz alleine und es interessiert wie immer niemanden, ob man Wildcamping macht oder nicht. Am nächsten Morgen ist der Himmel bedeckt, die Gipfel wolkenverhangen und ein bisschen frisch ist es auch. So habe ich keine Eile aus dem Zelt zu kriechen. Doch ein komischer Lärm hält mich vom Weiterschlafen ab: Spielverderber-Krähen machen Krach und so packe ich mein Zelt ein, sammle liegen gebliebene Papierfetzchen auf (hat mich gestört hier an meinem Ego-Campingplatz) und mache gemütlich Frühstück.

So langsam wird der Himmel blau und schon fahren die Schweizer des Tages vor: „Leidgenossen“, hehe, auch Dominik und Stephanie haben grad genug vom Reisen. Wir wissen, dass uns jeder normal denkende, berufstätige Mensch zu Hause als undankbare Gestalten bezeichnen würde und fühlen uns auch entsprechend. Wir haben uns viel zu erzählen und finden heraus, dass wir unterwegs die selben Leute getroffen haben (Luca, Fabian und Remo meine Swissblokes). Die zwei wollen auf den Berg hier und ich fahre zum Toolbrunup, dem zweithöchsten Gipfel der Sterling Range.

Er entpuppt sich als wahrer Leckerbissen: Der untere Teil ist ein steiler werdender Wanderweg im Wald. Sodann folgen zwei grosse Steinfelder, wo man aufgrund des steilen Geländes, ab und zu besser mal die Hände aus der Hosentasche nimmt. Hier gibt es Flecken mit grossen wunderschönen Blumenbüschen, ähnlich Margeriten mit ein bisschen Rosa. Das oberste Viertel ist dann richtig coole Blockkletterei, 2. Schwierigkeitsgrad, anregend und doch einfach zu meistern. Doch das beste ist die Aussicht von dort oben. Es gibt allerdings viele Insekten die mich nervös machen. So fällt die Gipfelrast etwas kürzer aus. Was für ein grossartiger, kleiner Hike! Ich koche mir was am öffentlichen Gasherd (wie praktisch) unten am Camping und fahre weiter nach Bremer Bay, wo ich für zwei Nächte in einem Motel einchecke.

PS: Jetzt weiss ich ausserdem weshalb die zwei Kurven begradigt werden müssen und weshalb es so viele Unfälle gibt. Es ist die Aussicht auf die Berge, die die Autofahrer ablenkt.

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Roadtrip Part II – Kimberly Crossing

26 Nov

Nach 10km ist die 4×4-Piste zu den Bungle Bungles überflutet und für jedes Fahrzeug ohne Schnorchel ist hier Schluss. Stecken bleiben ist keine Option. Es gibt keinen Mobile-Empfang, keine anderen Leute im Umkreis von 120km, möglicherweise Krokodile und es wird 40 Grad. Apropos: Joda

Meine Stimmung ist nicht gut. Ich bin traurig und planlos. Zu gerne wäre ich wandern gegangen bei diesen Felsformationen, die aussehen wie Schicht-Torten. Doch die Kimberly Region ist gigantisch gross. Vielleicht kann ich mich ja einer Tour dorthin anschliessen und es gibt bestimmt noch andere coole Dinge zu entdecken hier.

Die Frau vom Café in Halls Creek nennt mich schon wieder ‚Darling‘. Ist üblich hier und ich weiss nicht was ich davon halten soll. Anscheinend machen das die älteren Ladies mit den Jüngeren im Outback. ‚Gell Schätzli‘. Aber – sie spendiert mir einen Kaffee. Die Bezeichnung für Frauen hier im Outback ist ‚Sheila‘ und für Kerle ‚Blokes‘. Ist aber im normalen, modernen Englisch etwas anrüchig und widerspiegelt die Abgeschiedenheit der Gegend.

Bis das Tourist Office öffnet, kurve ich unmotiviert die Duncan Road runter (soll neben der Gibb und der Tananami eine der 4×4 Pisten durch das Outback sein). Ich besuche die spärlichen Überreste Old Halls Creek (Friedhof) sowie ein Wasserloch 30km südlich: „if it has no tubes and tyles, dont swim in it“ sagen die Locals. Ich verspeise eine riesen Mango im Schatten.

Zurück in Halls Creek erfahre ich, dass es wirklich nichts mehr gibt hier. Ausser zwei Tankstellen: Eine mit Shop und eine mit Mechanic. Ich checke mit meiner neuen Lieblings Automechanikerin den Reifendruck, Öl und Wasser und brause 300 km weiter. Eigentlich hätte ich unterwegs gerne ein Glace und eine kalte Cola. Aber es gibt nichts. Nichts. Die Fahrt nach Fitzroy ist ziemlich öde. Dort erfahre ich, dass die Flussüberquerung zur Windjana Gorge mit meinem Gefährt wohl nicht machbar ist und ich entschliesse mich ziemlich lustlos im Resort/Caravan Parking nach einem günstigen Zimmer zu fragen. Die Zimmerpreise sind horrend! Dann campiere ich halt für 20$. Ich texte die Frau an der Rezeption zu (sie spricht Deutsch, hat anscheinend nichts dagegen und mein Redeschwall muss raus, so nach zwei Tagen hinter dem Steuer).

Ein ‚black Fellow‘ will mir ein Kunstobjekt anhängen. Nein Danke, echt nicht. Ich bin gar nicht gut aufgelegt im Moment. Er hätte mir Essen anbieten sollen, was Richtiges, so ein halbes Känguruh, denn ich sterbe vor Hunger. Nach Aufbau des Zelts, nach einer Dusche, nach netter Unterhaltung mit richtigen Menschen beim Dinner (ein Stück Känguruh – free range – yumm!) und einer Runde im Pool, bin ich versöhnt mit dem Tag und dem Leben. Hier im Camping-Park ist es wunderbar. Total friedlich. Dutzende kleine Känguruhs (oder sind es Wallabies?) düngen den Rasen. 😉

Am nächsten Tag schau ich mir das Gebiet bei der Geiki Gorge näher an und bin ziemlich happy, als ich mich nach 09:00 h ins klimatisierte Auto verziehen kann.

…. später dann…

Gerade bin ich bem Aufstellen des Dachzelts vom Auto gefallen. Aua! Da kommt Ranger Henry vorbei um nach dem Rechten zu sehen. Ich bin draussen im Windjana National Park. Über die ‚legendäre‘ Gibb bin ich gefahren. Es ist ein Campingplatz im Bush (mit Dusche und warm Wasser 😜) und ausser dem Ranger, gibt es keinen Menschen hier. Henry ist einer der wenigen, die bei meinen Vorhaben Daumenhoch macht und ‚go Girl‘ meint.

In den Visitor Centers sind sie allgemein ganz hilfsbereit und gut informiert, haben es aber wohl des Öfteren mit ‚Rüben-Touristen‘ zu tun, die sich so allerhand einfallen, lassen wie sie Kopf und Kragen riskieren können. Deshalb raten sie einem auch hier von allem ab und spielen die Spassbremsen (wie viele Ersatzräder hast Du dabei? Wenn es regnet kommst Du da nicht mehr raus – Ätsch.) Ich mag es ganz und gar nicht wenn man mich bremst.

Jaja, das nächste Mal schliesse ich mich sicher einer 100 köpfigen Gruppe an…..

Ein Beispiel ist das Befahren der Gibb River Road: die Piste ist teils sogar asphaltiert (ich kenne nur die ersten 120km ab Derby). Bei trockenem Wetter, ist der Streckenabschnitt hier her eine sehr einfache Angelegenheit. Idiotensicher würde ich gern schreiben. Doch eben genau das ist es nicht. Denn wenn man ein Idiot ist und mit über 100 Sachen die wenigen Kurven hier auf dem Kies ausfahren will, dann krachts.

Selber hab riesen Respekt vor Furten. Deshalb hab ich 200 km Umweg gemacht. Doch einen Bushcamping für sich alleine zu haben und obendrauf noch die schönsten Boab Trees der ganzen Kimberlys am Wegrand aufgestellt zu sehen, ist es Wert. Als das Licht so ab Mitte Nachmittag schön genug gewesen ist, haben sich alle vorgedrängelt und wollten fotographiert werden. Ich bin vor lauter Fotostops kaum mehr voran gekommen mit fahren. Leider hab ich nicht alle geschafft. Doch es entsteht eine nette Sammlung.

Auch die Termiten Hügel sind bemerkenswert. Anders als noch im Northern Territory: Sie sind nicht so spitz und hoch, sondern eher gedrungen und wulstig.

Ausserdem gibt es dunklen, festen Kalkfelsen (Limestone) der jedes Klettererherz höher schlagen lässt (ich bin am Überbeissen deswegen). Doch 1. kein Gear und kein Partner dabei, 2. ist hier wiedermal alles heilig (Aboriginal Kultur) und es wäre wohl eh verboten.

So bleibt der kühle Tunnel Creek (es riecht nach Fledermaus) und die Windjana Schlucht mit kleinem Spaziergang. Dort soll man kleine Krokos beobachten können (Ranger Henry schwärmt nur so davon). Morgens erwache ich wieder um 04:30 und beobachte grad zwei boxende Känguruhs. Wow!

Natürlich will ich die grad fotografieren und bezahle meinen ‚Blutzoll‘, da gerade aus dem Zelt gekrochen und ohne Insektenspray unterwegs. Auch eine Ameise knabbert an mir (schon wieder), es zwickt ganz komisch. Ich kann es nicht glauben, es ist schon das zweite Mal hier. Die Viecher knabbern tatsächlich! Tja, niemand da zum Jammern (smile).

Ich jogge zum Airstrip, frühstücke und mache mich auf den Weg in die Gorge. Ranger Henry hat gemeint es gäbe da 100erte kleiner Süsswasser Krokos. Ich sichte aber gerade mal eines!

Jetzt ab unter die Dusche, Abmelden beim Ranger und nach Broome ins Hotel. Es ist 42 Grad, morgens um 11 h.

Nachtrag: Sonnige Grüsse aus Broome, hier bleibe ich ein paar Tage zum Erholen und Waschen…

< img src=“https://corneliavoigt.files.wordpress.com/2017/11/lrg_dsc00516.jpg“>&lt; img src=“https://corneliavoigt.files.wordpress.com/2017/11/lrg_dsc005231.jpg“&gt;

Pfeiljagd

21 Nov

Nitmiluk NP (bedeutet Nitmi=Zikaden, luk=Platz) soviel zur Geräuschkulisse hier 😃

Da bin ich also jetzt an der Katherine Gorge (ein Canyon mit Fluss). Leider ist das Befahren mit dem Kayak nicht möglich. Der Wasserstand des Flusses hat bereits angefangen zu steigen und so ist es möglich, das Krokodile ins Gebiet vorgedrungen sind. Die Temperaturen tagsüber sollen hier bei 40 Grad oder mehr liegen.

Fürs erste kundschafte ich einen kleinen Rundweg aus und unternehme eine Bootsfahrt mit Badestopp in einem höher gelegenen Felspool (free from – smile) Touri-Bootfahren ist diiiie Psychohygiene.

Den etwas längeren Walk verschiebe ich auf morgen. Start 04:30h, vor dem Bio-Vogelwecker, mit meiner brandneuen superduper Stirnlampe. Die alte hat nun entgültig den Geist aufgegeben und ‚das Geländewagenteam‘ vom letzten Blog hat mir dort auf dem Camping schon eine ausgeliehen. Morgen also ein längerer Walk. Darüber, was es bedeutetet bei diesen Temperaturen zu wandern, habe ich ja bereits die letzten Tage eine Ansage gekriegt. Den Rückweg verkürze ich deshalb per Shuttleboot. So bleiben 18km. Kommt wiedermal drauf an wie der Weg ist. 18 km können sehr, sehr weit sein, wenn man den Weg suchen und über Steine klettern oder durch Sand laufen muss.

Auf dem Ausflugsboot entdecke ich einen Typen, der sich im Visitor Center vor mir nach Wanderungen erkundigt hat. Er war ausserdem im gleichen Hotel in Katherine. Ich habe zwar wirklich keine Lust ihn anzuquatschen (ehrlich, er ist zu schön), doch jemanden in der Wildnis dabei zu haben, bedeutet Sicherheit. Miguel, so heisst er, ist sofort motiviert. Allerdings stimmen ihn die Spassbremsen im Visitor Center dann wieder um. Von wegen Temperaturen und Wegfindung. Ich geh halt mal schauen, nur dann weiss ich wie es ist. Höchste Zeit für mich, so einen PLB (personal locator beacon, GPS Notfallsender) zu kaufen.

Gerade habe ich mein Dachzelt hervor geholt und bin in den Pool gehüpft, als eine Sturzflut vom Himmel herunter kommt. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei und ich gehe nachschauen, ob es meinen Schlafsack herausgespült hat…. Die Temperatur ist jetzt sehr angenehm. Ich werfe den Kocher an und geniesse den Abend mit einem wirklich leckeren indischen Fertiggericht. Nachdem ich all meine juckenden Mückenstiche verarztet hab, leg ich mich hin und schlafe sofort ein.

Frühmorgens geht es los. Der Weg ist einfach zu finden. Ab und zu flattert etwas durch die Dunkelheit, die Luft riecht schwer und holzig und vermittelt Frieden und Geborgenheit. Es ist schön.

Ich verstehe jetzt besser, weshalb ein Teil der Wege zu ist. Auch hier sind zwischendurch riesengrosse Pfützen, die man nur mit einem Abstecher in den Busch trockenen Fusses überwinden kann. Auch das gelingt mir nicht immer. Ich stehe mit beidem Füssen im Matsch (im Dunkeln, bäh!) und kriege feuchte Füsse. Der kurz darauf folgende Sonnenaufgang tröstet mich darüber hinweg. Bald schon ist die Abzweigung zum Lilys Pond erreicht, meinem heutigen Ziel.

Der Weg wird nun anspruchsvoller. Das heisst, ab und zu verschwindet er ganz, ist überwuchert oder verläuft auf Felsplatten. Man folgt den Pfeil-Markierungen, wenn man sie findet. Dies scheint ein Kinderspiel, doch hat meine GPS App hat mich heut drei Mal gerettet! Der Weg führt über ein Feld mit widerspenstigem Gras, Sträuchern, einigen Bäumen und Felsen hinunter zu einem Flüsschen. Es ist trotz der Hitze ziemlich grün. Dies ergibt mit dem blauen Himmel und der roten Erde je nach Licht ein atemberaubendes Farbenspiel. Weiter dem Flüsschen entlang, mit kleinen Klettereinlagen, an den Rand der Katherine Gorge. Der Blick hinunter in den Canyon ist prächtig. Es gefällt mir besser hier oben, als gestern auf dem Boot.

Nach einem Picknick mache ich mich vor 08:00 auf den Rückweg. Mein Plan ist zu zwei weiteren Lookouts zu wandern, ebenfalls auf Busch-Wegen. Schliesslich werde ich dann am Felspool vom Boot abgeholt. So organisiert. Klappt. Deshalb und wegen der grösser werdenden Hitze, muss ich mich an meinen Zeitplan halten. Bis 09:00 ist es angenehm, ab 10h wir man erbarmungslos gegrillt. Hat was mit den 40 Grad.

Als ich zurück zum Campingplatz komme, will ich nur noch in den Schatten und in den Pool. Ich bin erledigt. Ich hab Kopfschmerzen und verziehe mich ins klimatisierte Visitorcenter. Dort schlafe ich auf dem Sofa ein. Heute wünsche ich mir ein kühlendes Gewitter. Der Strom ist seit über einer Stunde weg mal sehen ob sie gleich angetaute Eiscreme verschenken. Leider nein und leider auch kein Gewitter.

Endlich finde ich ein Ibu in meinem Zeug und mache die Kopfschmerzen weg. Ich freue mich auf morgen. Auftanken und Einkaufen in Katherine. Vielleicht ein Wifi? Und dann 500km Roadtrip nach Kununurra.

Life is good.Pfeiljagd