Healing and Breathing Chilbi in Ubud

Religion und Spiritualität hat in der balinesischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert. So sind Tempel Prozessionen an Festen wie Kuningan keineswegs zur Belustigung der Touristen gedacht, sondern würden auch ohne ausländische Besucher, in der selben Weise abgehalten werden. Auch die grosse Freundlichkeit der Menschen, die Hilfsbereitschaft und der Respekt gegenüber anderen, kommt von Innen. Authentizität ist eine der herausragenden Eigenschaften, die sich Bali trotz Massentourismus, bewahrt hat. Obwohl Yoga seine Wurzeln nicht in Bali hat, passt es sehr gut hier her und hat in hier eine zweite Heimat gefunden. Dieser spirituelle Nährboden, gepaart mit einer ordentlichen Dosis Hedonismus und Sinnsuche der Westler, lässt nebst Yoga, auch andere Formen esoterischer Praktiken bisweilen bunte Blüten treiben.

So bieten nicht nur traditionelle Heiler (Eat, Pray, Love) und unzählige Wellness Spa’s ihre Dienste an. Das Spektrum ist imens: Schamanisches Reiki, Klangschalen Meditation, fünf Elemente, Sound Healing, Astrologie, Einläufe, Hokus Pokus und schlag mich tot.

Die Heil- und Sinnsuche gebiert kreative Angebote: da ist für jeden etwas dabei.

Ich halte mich an Yoga, denn dieses Thema ist so unglaublich gross und spricht mich nun mehr nicht nur wegen des Workouts an. Atmen, Insichhinein fühlen, Selbstliebe und Meditation, sind weitere Aspekte, weshalb ich mich näher mit Yoga auseinandersetze. Vom kulturellen, historischen und spirituellen Hintergrund habe ich noch keine Ahnung. Aber alles zu seiner Zeit.

Es stellt sich heraus, dass der Stil ‚Vinyasa‘ mir grad am besten gefällt. Nadine McNeil, die unglaublich charismatische Instruktorin, mit jamaikanischen Wurzeln beeindruckt mich in ihrer 90-minütigen Vinyasa Flow Class zutiefst. Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob ich es überhaupt kann (es ist eine Stunde für Fortgeschrittene), habe ich ziemlich wilde Yoga Moves und Kombinationen mitgemacht, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie ohne Sturz über die Bühne gehen. Es hat sich fühlt sich phantastisch an. Auch Mira und Magnlid, die beiden liebenswürdigen Norwegerinnen, sind mit von der Partie. Als Profis in Yoga und Tanz, sind sie ziemlich gut bei den Übungen. Mein Glück, so kann ich bei den beiden abschauen, als ich Nadines Ansage zwischendurch mal verpasse.

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Ab sofort ist die Dancers Pose in meiner Asana-Toolbox. Ob ds bei veränderten Aussenbedingungen genauso gut klappt? Bild downdogboutique.com

Da ich noch mehr von diesem guten Stoff möchte, probiere ich in zwei grösseren Studios, dem Yoga Barn und dem Radiantly Alive, in Ubud alles mögliche aus: So gerate ich in eine Hata Yoga Stunde. Das ist hart. Einerseits ist kurzfristig ein anderer Lehrer eingesprungen, anstelle von Nadine McNeil. Anderseits ist Hata weniger physisch anstrengend als Vinyasa. Das heisst, der Schwerpunkt bei Hata liegt bei Atmung und Meditation. Es kommt mir vor wie Stretching. Die Stunde beginnt mit dem endlos langen Sing Sang des Mantras Ra ma da sa sa say so hung.* Ich frage mich innerlich, was das soll. Und weil die vorgefundene Realität nicht meinen Erwartungen entspricht, werde ich ein bisschen genervt. Dann gelange ich zur Erkenntnis, dass dies wohl der Yoga Stil ‚Hata‘ ist und versuche es einfach. Es geht. Aber es kommt mir mental ziemlich hart vor. Am Schluss der Stunde zeigen meine Mundwinkel dann doch nach oben. Weil ich jetzt gelernt habe das Hata anders ist und weil ich über mich gelernt habe (bezeichnend für die Bali Reise), dass es mich stresst wenn etwas nicht meinen Erwartungen entspricht. Damit kann ich lernen umzugehen und das wird gut.

Hata Yoga: Das Warten auf den Teacher.

Und am nächsten Tag, nach einer schönen Vinyasa Flow Stunde, „All in“: ich mache beim fünf stündigen Mikro Faszien Qigong Workshop mit. Im Saal ist gemischtes Publikum: Frauen und Männer zwischen 25 und 75 Jahren, international, wobei USA überproportional vertreten ist. Der Trainer David ist 70 Jahre alt. Er erzählt begeistert von seinem gestrigen Erlebnis, als er mit seinem Meister, der gerade zu Besuch ist, eine Halbe Stunde lang die Zunge entspannt hat. Bis schliesslich all die, während Jahrzehnten blockierte, Energie abgeflossen sei (nach unten) und er darauf fiebrig geworden sei. Jetzt ist er jedenfalls wieder fit. Ausser, dass er ab und zu komisch mit dem Kopf zuckt.

Zu Beginn der Stunde lässt uns David uns 10 Minuten von Kopf bis Fuss alles schütteln. Ziel sei es, einerseits den Unterschied zwischen Flexibilität und Mobilität zu lernen – also was richtig Konkretes. Andererseits sollen wir Anleitung erhalten, wie wir die Energien entlang der Faszien Bahnen (so ähnlich wie Meridiane) fliessen lassen können. So kann man sich im Idealfall nach Jahre oder Jahrzehnte langer Praxis ohne jegliche Anstrengung bewegen. Weil nicht die Muskeln die Bewegung machen, sondern die Energie, das Chi. Im Unterschied zum Yoga, biegt man hier nicht den Körper in irgendeine komische Form, sondern fühlt in sich hinein und löst sich so von innen. Obwohl ich das sehr interessant finde, habe ich das Gefühl, dass meine Bewegungen bei den Übungen doch von meinen Muskeln gemacht werden.

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Bisher habe ich gelernt, dass etwas über Yoga zu lernen bedeutet, etwas über mich selbst zu lernen.

Ein gutes Learning heute: wenn es irgendwo zwickt, die Wertung gut/schlecht raus nehmen. (In diesem Fall gibt der Körper eben eine wie auch immer geartete Rückmeldung.

How to Find Your Internal Balance: Best Yoga Spots in Bali 
Radiantly Alive – Yoga mit Dschungelblick.

Am letzten Abend treffe ich mich mit Mira und Magnild in einem coolen veganen Restaurant. Zu einem Stück Monster-Spezial-Pizza (nussig-kunspriger Boden, Spinat, Gemüse und eine leckere Creme obendrauf) unterhalten wir uns angeregt. Wir kommen auch zum Thema #metoo. Dies, weil ein Scooter-Taxifahrer heute mehr als nur Scooter fahren wollte. Er ist unzweifelhaft zudringlich geworden! Sehr unangenehm. Obwohl ich ihm klar gemacht habe, dass ich einen Ehemann zu Hause hätte. Als er es nicht begreifen wollte, bin ich sauer geworden. Dieses Gefühl hat mir zum Glück geholfen, den angemessenen Ton zu finden: Er fährt mich, ich bezahle dafür und sein Job ist damit beendet! No love and no return! Ich habe mich anschliessend, wie so viele Frauen, ernsthaft gefragt was ich falsch habe. Ob ich ihn mit meinem Verhalten provoziert habe. Hätte ich mich anders hinten auf den Roller setzen sollen? Ich schau mich um, wie es die anderen machen und komme zum Schluss: Quatsch – alle Frauen fahren hier so. Er ist einfach ein Scheisskerl, der sich nicht zu benehmen weiss. Natürlich läuft er mir in Ubud noch drei Mal über den Weg… 🙄 Es hat mir gut getan mit Mira und Magnild darüber zu reden und klar zustellen, dass ich nichts falsch gemacht habe und ich keine Schuld für das ungebührliche Verhalten dieses Idioten trage.

Alle sitzen gleich auf dem Roller – da kann man nix falsch machen.

Es ist ein phantastischer letzter Abend in Ubud. Da es wie aus Kübeln giesst, bestellen wir noch ein Dessert. Die beiden zierliche Norwegerinnen haben beeindruckend grosse Tortenstücke vor sich. Ein Bild für Götter 😁 Mit meiner Hilfe „besiegen“ wir diese leckeren süssen Teile. Ich geniesse einen himmlischen Cappuccino mit Schaum aus Kokos. Die raffinierte vegane Küche dieses Restaurants ist eine echte Horizonterweiterung. Ob ich auch mal probeweise auf vegan mache?

Zum krönenden Abschluss probiere ich am Morgen vor meiner Heimreise Astanga Yoga bei Ade Adinata: Streng sei er, haben mich Magnild und Mira gewarnt. Beim Astanga gibt es dieselben fliessendem Übungen wie beim Vinyasa, jedoch mit Wiederholungen. Ich denke mir: ‚Prima, ein Lehrer, der korrigiert in Kombination mit Wiederholungen ist doch ideal, um allfällige Fehlhaltungen, die sich eingeschlichen haben zu verbessern.‘ Siehe da: Kaum rolle ich meine Yogamatte aus, da platziert mich Ade schon an einem anderen Ort. Das fängt ja gut an. Nachdem es mich anfangs irritiert, so oft korrigiert zu werden, stelle ich gleich fest, dass Ade sich um alle gleich kümmert. Er ist aufrichtig daran interessiert, seine Yogis weiterzubringen. Nach dem obligaten Sing Sang, (ein Mantra, bei welchem ich keine Chance habe zu folgen) kommen vier verspätete Koreanerinnen dazu. Alle in den schicksten Markenklamotten und beweglich und grazil wie Balerinas (ohne Neid, wirklich beeindruckend). Ade teilt sie gleich ein: Dies sei kein Tanzkurs und es gehe hier nicht um Eleganz. Sprichts – während er sein Statement mit einem imposanten geschwungenen Knicks à la sterbender Schwan unterstreicht. Um gleich überaus kraftvoll vorzuzeigen wie er sich das „in Richtig“ vorstellt. Wow – der Typ hat schon was drauf. Am Gegen Ende der Stunde ist er dann doch zufrieden mit mir ‚you are very strong‘ meint er (yeah, rock climbing, sag‘ ich Dir!). Humor zeigt er obendrein. So lobt er die Korianerinnen in stolzem Ton als Repräsentantinnen des koreanischen National Ballett.

Frühstück im Homestay in Ubud.
Nun ist es Zeit fürs Frühstück um danach, voll von positiven Eindrücken, den weiten Nachhauseweg anzutreten. Atmen in reinem, weissen Schweizer Schnee 😊.

* Erst später google ich und erfahre die Bedeutung (Sonne, Mond, Erde, Undendlichkeit, Du und Identität) des Mantras und dass es aus dem Kundalini Yoga – eine weitere eher meditative Form kommt.

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Kategorien Outdoors

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