Göttliches Bali Crossing

Irgendetwas ist diese Tage nie in Ordnung. Ich frage mich, ob es an mir und meiner Einstellung oder an der Tatsache liegt, dass ich mir Bali beschaulicher, mit mehr Natur vorgestellt habe? Doch die vielen spannenden Aktivitäten sind eigentlich genau mein Ding. Ich buche es einfach unter dem Thema ‚Schlafmangel‘ ab, den ich hier in dem lauten Hotel in Ubud (ich erspare dir die Details) angesammelt habe.

Gut, dass ich die nächsten Tage in einem abgelegenen, gediegenen Ökohotel im Bali Barat National Park meinen Rhythmus finden und hoffentlich mehr schlafen kann. Ich freue mich allein schon auf die Fahrt dorthin, die ich mit einem, für lokale Verhältnisse teuren Privat Chauffeur unternehmen werde (umgerechnet 90 CHF). Der Vorteil für mich liegt in der Tatsache, dass wir unterwegs nach Belieben stoppen und auch kleinere Strassen benutzen können. Somit sehe ich mehr vom Land.

Nach einem eilig verdrückten Gado Gado Mittagessen (Rohkost, Salatrollen, Ei, Tofu, Tempe und Erdnuss Sauce), welches eine umerwartet laaaaaaange Zubereitungszeit benötigt, habe ich definitiv begriffen, dass man hier für alles eben ein bisschen mehr Zeit einrechnen sollte. Das ist gratis Entschleunigung. Mein Chauffeur steht mit Luxus Van, Snacks und Getränken pünktlich bereit. Er lacht nur über meine fünf Minuten Verspätung. Ich bin hundemüde und der Fahrer freut sich schon mit mir einen Kaffee trinken zu gehen. Leider stoppen wir an einer wirklich abgelöschten Touristenfalle. Wir werden von einer aufdringlichen Animatorin und einem traurigen Luwak begrüsst.

Luwaks sind nachtaktiv und werden für Touristen am Schlafen gehindert. Doch steckt leider noch mehr dahinter…

Die Lady lädt uns mit Nachdruck zu einer Kaffeeverkostung ein und besteht auf ihre Prozedur. Dies, obwohl ich mehrmals einen einfachen ‚balinese coffee‘ bestelle. Die Kaffees ‚for free‘ sind zuckersüss, billig aromatisiert und werden mit Wasser angerührt. Nur der Kopi Luwak, mittlerweile weltweit ‚en vogue‘, aus den Bohnen die zuvor von den Tieren verdaut worden sind, kostet was. ‚Organic‘ sei hier alles. Jaja – und ‚hand made‘. Wo sind denn die Tiere und was heisst organic? Plötzlich versteht sie mich nicht mehr so gut. Sprachproblem. In mir steigt der Verdacht auf, dass es sich hier um so einen Tierquälerei Betrieb handelt, in dem wilde Luwaks gefangen und unter qualvollen Bedingungen gehalten werden. Falls dem so ist, dann bin ich von dem Ökohotel nicht mehr so Fan – trotz Schweizer Manager. Ich Jolie geb ihr auch noch ein Trinkgeld bevor wir abhauen. Hier der Link zu einem weiterführenden Artikel.

Diese traurige Vorstellung lässt selbst den Himmel weinen. Als wir weiter ins Bergland kommen, öffnet er seine Schleusen und Bäche fliessen uns über die steil ansteigenden Strassen entgegen.

Die Besichtigung des Pura Ulun Danu Bratan ist trotz Regen und Touristenscharen ein Highlight. Die Anlage am Ufer des Bratansees ist Dewi Danu, der Wassergöttin geweiht.
Weiter geht es durch eine grüne, wolkenverhangene Berglandschaft. Die schöne Aussicht auf bewaldete Hügel und Seen kann ich mir jedoch gut vorstellen. Auf der Nordseite führt eine kurvenreiche Strasse hinunter an die Küste. Doch der Schlaf übermannt mich, obwohl mein Kopf in jeder Kurve nach links oder rechts fliegt. Als ich wieder zu mir komme, ist eine Stunde verstrichen und das ‚Earth, Wind & Fire‘ Album auf der Playlist des Chauffeurs zu Ende. Wir fahren an einem riesigen Kohle Kraftwerk, das mit chinesischer Hilfe errichtet worden ist, vorbei und gelangen gegen Abend zum Hotel. Es ist erstaunlich, aber es scheint so, als sei ganz Bali ziemlich dicht besiedelt. Es gab nie einen Strassenabschnitt ohne Häuser.
Morgens am Strand vor meiner Beach Villa: Grasen tun die Hirsche hier jedenfalls nicht.

Mein Zimmer ist wundervoll. Ich bin jedoch zu müde, um noch irgendetwas zu unternehmen. So packe ich meinen Koffer aus, geniesse die Guetsli, die das Hotel für mich bereit gestellt hat und schaue mir einen Film an. Als ich schlafen gehen möchte, kommen die Gäste aus dem Nebenzimmer vom Dinner zurück: Ein russisches Paar, das sich lautstark zankt. Um 23:00 h ziehe ich mir meine Jacke über und klopfe bei denen an die Türe. Danach ist Ruhe. Am nächsten Morgen vernehme ich trotz der Abgeschiedenheit, überall Motorenlärm. Ich kann es irgendwie nicht fassen. Liegt das jetzt an mir? Anscheinend bin ich hyper lärmempfindlich. Die Ruskis reisen jedenfalls heute ab. Soviel erfahre ich an der Rezeption im Beisein von Mr. Michael, dem Manager. Kaum bin ich zurück im Zimmer, bekomme ich ein Upgrade in eine Beach Villa. Auf dem Weg dorthin und zum Spa, verfahre ich mich mit dem Schrottvelo im Wald. So bin ich wieder einmal zu spät. Für meine Massage. (Herrlich, direkt am Meer nur fahren dauernd Motorboote vorbei). Dies in Kombination mit der erneuten Packerei und die Tatsache, dass die Gutseli, welche in der Zwischenzeit wieder aufgefüllt worden sind, nicht mitgezügelt werden finde ich sehr unerfreulich. Aber hey, die Beach Villa hat einen Schminkspiegel! Yeah! Ausserdem, gibt es vegane Cashew Nüsse in der Minibar. Die müssen ja echt was besonderes sein! Ein Traum. Die Nüsse sind so genial, dass sie mir in einem unbedachten Moment von einem Scheiss Affen geklaut werden! 😤 Er sitzt damit jetzt auf dem Baum neben der Beach Villa. Hoffentlich bekommt er Bauchweh von der Plastik.**

Das Affenvieh ist schlau und hat die Nüsse aus der Verpackung gekriegt. Schlau genug um den Plastik in den Kübel zu schmeissen, ist er jedoch nicht. Monkey see, monkey do.

Das Dinner ist der Wahnsinn! Bereits zum Apero bekommen wir hausgemachte Kartoffelchips mit Kaffirlimetten Blättern aromatisiert; die ich heiss liebe! Der Baramundi, die Gesellschaft einer wahnsinnig sympathischen, schottischen Expadfamilie aus Hong Kong und zwei Gläser Chardonnay versöhnt mich mit der Welt. Ausserdem sind die Guetsli wieder da als ich zurück ins Zimmer komme. Ich schlafe ich trotz des tosenden Meeres (high tide) irgendwann ein.

Aussicht vom Bali Tower über das Hotelgelände.

Warum bloss habe ich mich für die Schnorcheltour angemeldet? Ich mag doch gar kein Wasser! 💦 Meine Taucherbrille leckt und das Salzwasser brennt mächtig im Hals! Ganze Schlucke davon kommen hoch. Im Wasser schwimmt überall Plastik! W.t.f?!! Ich bin schockiert! Tauchlehrerin Jenny erklärt, dass dies nicht dem Normalzustand entspräche und das Zeug wohl wegen des Regens vom Land herunter gespült worden wäre. Naturschutzgebiet?! Es gibt eben Menschen, die auch nicht schlauer sind als Affen 🐒. Für die zweite Runde schnorcheln muss ich mich schon ganz fest motivieren. Aber siehe da: meine eigene Taucherbrille hält dicht und hier schwimmt auch kein Plastik. Ich erfreue mich an allen möglichen wundervollen, bunten Fischen, sogar ‚Nemo‘ ist dabei. Erstaunlicherweise gibt es sogar ein paar hübsche Korallen. – Lange habe ich keine so intakten Exemplare mehr gesehen! Auch blaue Seesterne sind zu betrachten. Den Rest des Tages verbringe ich auf der Terrasse und in der Badewanne meiner Beach Villa. Mit den wiederum nachgefüllten Guetsli und Nescafé. Das ist doch gut so. Abends werde ich zur Krönung von zwei temperamentvollen Südafrikanern, Vater und Sohn, die ständig heftig in Afrikaans diskutieren. zum Dinner eingeladen. Wer weiss, vielleicht kommt Junior Jaron im Sommer 2020 an die ETH?

Der Coppersmith Barbet ist mein kleiner Liebling.

Morgens um 05:40 wartet mein Guide bereits auf mich und drückt mir ein riesen Fernglas in die Hand. Ich bin zur Vogelbeobachtung verabredet. Wir stapfen durch den dunklen Wald. Als wir um 06:00 Uhr auf den dafür vorgesehenen Turm steigen, erklingt sonderbar schöne Musik aus dem nahen Dorf herüber. Heute ist Kuningan und der junge Mann hier mit mir auf dem Turm, sollte jetzt im Tempel sein und den Göttern huldigen. Nach einigem Warten zeigen sich allerlei bunte Vögel: ein grosser Specht mit prächtig golden-orangem Gefieder, einen beige brauner Bulbul und winzige, dafür umso lautere gelbe Iora. Den ‚Bali Star, bekommen wir heute leider nicht zu Gesicht. Da für mich all diese gefiederten Freunde unbekannt und schön sind – auch wenn der Experte bei einem besonders hübschen Exemplar lapidar meint das sei ’nur‘ ein Kingfisher – freue ich mich so oder so. Während wir so auf dem Turm sitzen, lösen sich die Wolken immer mehr auf. Jetzt sieht man sogar einen mächtigen Vulkan drüben auf Java.

Das Wetter wird heute trotz Regenzeit prächtig! Nach dem Frühstück im Restaurant des hölzernen Bali Tower, holt mich mein Fahrer Han ab. Er ist ein Local, spricht ganz passabel Englisch und er mich zu einem fairen Preis nach Ubud (umgerechnet 60 Fr.). Da wir die gleiche Strecke fahren wie auf dem Hinweg, sehe ich nun die Landschaft und das herrliche Panorama noch bei Sonnenschein. Zudem liegt ein Abstecher zu den Reisterrassen von Jatiluwih drinnen.

Jahrunderte alte Tradition im Reisanbau und Unesco Welterbe: die Reisterrasden von Jatiluwih.

Die meisten Felder werden gerade umgepflügt und mit frischen Stecklingen bepflanzt. Die Menschen stehen dazu stundenlang im Nass. Die meist Arbeit wird von Hand geleistet. Einzelne Felder leuchten knallgrün. Hier wachsen die Stecklinge. Ich unternheme einen etwas längeren Spaziergang. Es gibt verschieden lange Wanderwege und ab und zu einen Verpflegungsstand.

Die grüne Landschaft mit den Vulkanen im Hintergrund ist von einer seltsamen Schönheit. Auch Einheimische sind heute unterwegs und freuen sich riesig über gemeinsame Selfies. Ich erinnere mich an meinen Besuch auf Sumatra vor langer Zeit. Dort bin ich mir vorgekommen wie ein Popstar.

Diese Girls kichern herum, als sie dann erfahren, dass es um ein Foto geht sind sie Feuer und Flamme.

Zum Abschluss erstehe ich verschiedene Packungen Reis: weissen, braunen und schwarzen. Die nette Verkäuferin schenkt mir zwei leckere Minibananen dazu. Wahrscheinlich, weil ich für den Reis zu viel bezahlt habe.

Auf der Fahrt weiter in Richting Ubud, sind die Menschen in den Dörfern festlich herausgeputzt und entweder auf dem Weg an oder zurück von einem Besuch im Tempel. Immer wieder sind Strassenanschnitte unterbrochen, weil ein Barong inklusive Begleit Prozession durch muss. Ich liebe es und kann gar nicht genug davon kriegen Mein Fahrer versteht meine Begeisterung und wir legen den einen oder anderen Fotostop ein. Es spielen sich himmlisch komische Szenen ab.

Barong Transport – Für die einen die erste Zigi, für die anderen eher nicht.

Eine eigene Barong Prozession für die Kinder.

Alle 210 Tage gerät Bali anlässlich von Galungan in Festlaune. In diesem 10tägigen Fest wird die Schöpfung gefeiert (den Sieg des Guten über da Böse), den Ahnen gedacht und den Göttern gehuldigt. Es ist das wichtigste religiöse Fest auf Bali und endet in Kuningan. An Galungan kommen die Geister der Verstorbenen zurück in die Häuser. Es ist opportun, sie in den Genuss der entsprechenden Gastfreundschaft kommen zulassen. An Kuningan verlassen die Geister die Häuser wieder. An diesem Tag zieht der Barong, der Löwenhund, durch die Strassen und Tempel. Aufgrund des Fests stehen überall die Penjors, diese schönen Bambusfahnen, die bisweilen von echten Meistern hergestellt. Religion hat allgemein eine hohe Bedeutung auf Bali. So steht für den Alltag ein Tempel oder Schrein im Haus jeder Familie.

Mehr zu Galungang und Kuningan.

Als ich am Abend wieder in Ubud bin und mir etwas die Füsse vertreten möchte, erfreut eine letzte, riesige, farbenfrohe Prozession, die im Durcheinander des Strassenverkehrs verschwindet, mein Gemüt.

Mein Zimmer bei meiner neuen Gastgeberin (aus Japan) ist ruhig, nur ein einziger Pfau beglückt mich des Nachts mit seinem Ruf. Alles ist gut.

** Der untere Teil dieses Abschnitts trieft vor Sarkasmus. Ich hoffe das kommt beim Lesen rüber. Ich höre bald wieder mit dem Meckern auf.

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