Tempel-Tour by Bike

Die freundliche Stimme am Telefon gehört Miss Ocha von der Rezeption. Sie fragt mich, wann ich denn zum Frühstück käme. Mein Schlaf letzte Nacht war ausgesprochen gut, nachdem ich meinen Palast in ein kleineres, ruhigeres Zimmer ohne Wasserfall vor dem Fenster eingetauscht habe. Nicht einmal der dafür umso deutlicher hörbare Strassenlärm konnte meiner vorzüglichen Nachtruhe etwas anhaben. Manche der hiesigen Halbstarken scheinen imeeeeeeeeense Auspuffrohre an ihren Fahrzeugen zu haben. Um ein Haar hätte mich so ein Geschoss (trotz Ohrstöpsel) aus dem Bett gepustet.

Ich stecke voller Tatendrang. Obwohl es bereits nach 10 Uhr und ziemlich warm ist, lasse ich mir von Miss Ocha ein Okay-Bike geben und pedale los. Sie protestiert zwar noch immer ein bisschen und gibt mir ein Notfall-Handy mit. Als ich ihr meinen Plan, die 12 Kilometer entfernte Tempelanlage Gunung Kawi, mit dem Velo zu besuchen kund getan habe, war das ein kleines Drama. Das sei viel zu weit und Achherrje (!) gefährlich wegen des Verkehrs und ich solle bloss langsam fahren.

Falls was wäre, der Heiler ist grad nebenan.

Den Gratistip mit dem Langsamfahren beherzige ich eher unfreiwillig, denn es geht stetig bergauf; ausser beim Durchqueren der vier kleinen Täler. Es mag allerdings nicht verwundern, dass Langsamfahren mein allfälliges Problem mit dem Verkehr nicht lösen würde. Doch entgegen macht das Radeln auf den weniger befahrenen Nebenstrassen echt Spass. So wünsche ich mir mein Rennvelo herbei. Mit der Topographie verhält es sich grob gesagt so, dass das Gelände zur bergigen Inselmitte hin sanft ansteigt. Von Ost nach West reiht sich dagegen ein Flusstal nach dem anderen und es geht dauernd auf und ab.

Die Strassen sind mit diesen exotisch anmutenden, geschnitzten Bambusfahnen geschmückt. Fast an jeder Ecke steht ein Tempel oder eine Art Opferstock – wohl um die Götter milde zu stimmen. Der nächste grössere Ort ist nicht weit: hier gibt es zahlreiche einfache Geschäfte. Alles ist dabei: von der Apotheke über die Tankstelle, Möbel- und Lebensmittelgeschäfte, bis hin zum Souvenirladen. Kunstvoll geschnitzte Rahmen scheinen Konjunktur zu haben. Ich verlasse die betriebsame Strasse und bin gleich inmitten von Reisfeldern.

Nach zwei Flusstälern mit steilen Strassenstücken, kommt ein weiteres Dorf. Hier tragen drei Frauen in bunten Gewändern Einkäufe oder Göttergaben auf dem Kopf. Ab und zu orientiere ich mich auf dem Mobile nach dem Weg und finde schliesslich zum Gunung Kawi. Zahlreiche Souvenirshops säumen die steilen Stufen hinunter zum Fluss. Am Eingang kauft man ein Ticket und mietet einen Sarong – ein bodenlanges Tuch, welches Mann und Frau sich um die Hüfte bindet.

Die Anlage ist wirklich hübsch. Eine Familie in buten Festtagsgewändern hält eine Zeremonie ab: Die Frau, welche durch die Zeremonie führt, blickt todernst. Räucherstäbchen werden entzündet und zusammen mit kleinen Gaben auf den Altaren platziert. Schliesslich setzen sich die Leute auf den Boden davor und halten Andacht. Die vier Kinder machen artig mit.

Der Himmel verdunkelt sich und erste Tropfen fallen. Da ich ohnehin hungrig bin, besuche ich das Restaurant mit ‚best view‘, ‚best food‘ und ‚clean toilet‘. Während ich untern dem Bambusdach sitze öffnet der Himmel so richtig seine Schleusen. Es giesst wie aus Kübeln und donnert. Die gebratenen Nudeln sind mit Chilli gewürzt, genau richtig und zusammen mit frischem Gemüse im Handumdrehen verspiesen. Der Starkregen und das Grün der Landschaft sind herrlich anzuschauen. Offensichtlich haben sich auch einige Mücken vor dem Schauer hierher gerettet.

Berge von Opfergaben im Tirta Empul , eine der bedeutendsten Anlagen in Bali.

Der Regen lässt ein wenig nach. Ich bestelle noch einen Balinese Kopi und warte darauf bald meine Fahrt zurück ins Hotel antreten zu können. Ich entscheide mich jedoch im Anschluss noch die Tempelanlage Tirta Empul, mit ihren heiligen Quellen zu besuchen, die nur einen Kilometer weiter liegen.

Bike – Temple – Eat – Repeat. Der Tirta Empul Tempel.

Auch Tempel Nummer Zwei ist durchaus eine Besichtigung wert. Nicht zuletzt auch wegen des quirligen Treibens ausserhalb der Gebetszonen, wo sich heilsuchende Badegäste und selfiewütige Touristen aus ganz Asien, zu einer fröhlich bunten Mischung im Nass des Sommerregens mischen.

Sarong-Zwang für alle.

Vor den Pforten des Tempels liegt ein veganes Restaurant, welches ich gleich ausprobiere. Lecker vegetarisch oder gar vegan zu kochen, verlangt meiner Meinung nach einges mehr an Phantasie und anderes Können, als ein Stück Fleisch in die Pfanne zu hauen. Vorallem bei Tofu merkt man rasch, ob der Koch mit Herz und Talent bei der Sache ist. Als der Tofu, den ich serviert bekomme, geradezu auf der Zunge zergeht und geschmacklich perfekt mit der Chilli-Erdnusssauce harmoniert, bin hoch erfreut! Die Sprossen sorgen für den richtigen Biss. Des Weiteren ist irgendein undefinierbares Gemüse enthalten. Die Tempe dazu sind kein Highlight, sodass die Soja Sauce reichlich bemüht wird.

Der Regen hat nun aufgehört und die Strassen sind fast schon trocken. ‚Trackback‘ heisst das Wunderfeature an meiner Uhr und es funktioniert! So bemerke ich schon nach 200 Metern, als ich die falsche Abzweigung genommen habe. Das ist gut so, denn das Tageslicht schwindet bereits und mir bleibt nicht mehr viel Zeit ins Hotel zurück zufahren.

Herausgeputzt und doch erwischt: Handy am Steuer

In den Ortschaften erklingen Trommeln abwechselnd mit ohrenbetäubender Popmusik. Halbstarke fahren riesige Lautsprecher auf ihren Rollern spazieren, die Leute sind festlich gekleidet und verbreiten in Kombination mit dem Nebel von qualmenden Holzfeuern und Räucherstäbchen eine spezielle Stimmung.

Ausgerechnet jetzt, wo ich mich beeilen sollte ins Hotel zurückzukommen, finden sich die coolsten Fotosujets: Der Mann und sein liebes Federvieh.

Insgeheim hoffe ich ein bisschen, dass Miss Ocha dienstfrei hat und ich so ohne grosse Aufregung zu verursachen ins Hotel schleichen kann. Ich kann, sie hat frei und den Jungs die heute am Silvester Abend Dienst schieben, ist mein Ausflüglein egal! Happy New Year!

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