Archiv | Mai, 2018

Al canto del cucù…

25 Mai

… oder three seasons in one day.

Ich bin im Tessin am Wandern* oder vielleicht auch Trailrunning, denn ich habe nur Turnschuhe dabei. Der Weg führt mich von der Alpe Mornera, wo ich noch mit einem gigantischen Käsebrot ausgestattet worden bin, in Richtung Cima dell’Uomo und am liebsten noch zum Sassariente, denn den hab ich als nette Kletterei in Erinnerung.

Es ist bereits vor 14 Uhr und eigentlich hätte ich Skydiven gehen wollen. Doch leider hat sich das Paracentro entschieden, den Porter auszuleihen ohne mir abzusagen. Das ist absolut schade, zumal ich einen kostbaren Urlaubstag brauche, Hotel gebucht habe und drei Stunden ins Tessin gefahren bin. Mimimi…

Soll ich mich jetzt ärgern? Ich darf dafür zwei Ausrüstungen für morgen für mich beanspruchen und beide gleich packen. Der Rigger ist zum Glück da und er hilft mir dabei. Wir unterhalten uns über seine Passion, das Basejumpen. (Anmerkung: ist kein Thema für mich, ich gewinne einen spannenden Einblick und lerne, dass individuelles, subjektives Risiko-Empfinden und Verhalten bar jeder Statistik und Zahlen/Fakten existiert) Es ist ein sympathischer Hangar Talk und irgendwie kommen wir aufs Thema ‚Kuck Kuck‘. Schon lange keinen mehr gehört. Na, für dieses Jahr wird es wohl schon zu spät sein?

Am Nachmittag bietet sich die phantastische Gelegenheit die Berge oberhalb der Magadinoebene zu erkunden. Ich steige durch einen dunklen und duftenden Nadelwald immer weiter hinauf. Dann lichet sich der Wald und die Wurzeln weichen steinigem, grasdurchsetztem Gelände. Dann leuchten Lärchen im schönsten Hellgrün. Vögel zwitschern und unvermittelt kommt das Tessiner Volkslied ‚al canto del cucù‘ in den Sinn. Bedauern erfasst mich, so lange keinen Kuck Kuck mehr gehört zu haben. Wandern mit Turnschuhen ist nicht zuletzt auch wegen des alpiner werdenden Geländes irgendwie uncool. Als der Weg ein wenig flacher wird, schalte ich in den viel sexieren Trailrunning-Modus. Um mich wenig später frontal hinzulegen. Autsch! Die richtige Lauftechnik würde helfen; das heisst zumindest die Füsse anzuheben und besser auf den Weg zu achten. Als ich mich aufrapple ruft zu meinem Erstaunen ein Kuck Kuck. Keine Einbildung. Den Kopf hab ich beim Hinfallen nicht angeschlagen.

Wegweiser bei der Hütte und Aussicht von oberhalb

Ich erreiche die Hütte und weiter oben finde ein grosses abschüssiges Schneefeld. Hier ist gerade erst der Frühling eingekehrt. Die ersten kleinen Krokusse blühen in dem verdorrten Gras des letzten Sommers.

Ich habe absolut keine Lust hier schon umzudrehen und wage den Balanceakt über den Firn. Hier möchte ich kein zweites Mal rüber. Nach zwei Stunden stehe ich an der Felsscharte der ‚Btta d’Erbea‘. Hier ist Ende Gelände. Der Schnee liegt hier Meterhoch. Ich verdrücke das Monster Sandwich und schaue hinunter ins Tal. Wunderschön hier.

Schliesslich vesuche ich das Schneefeld doch noch hinunter zu steigen, um mir über den weiteren Verlauf des Weges einen Überblick zu verschaffen und mir dabei so richtig nasse Füsse zu holen. Schön rückwärts Tritte in den Schnee schlagen. Tritt für Tritt für Tritt und den Stock ramme ich jedes Mal tief in den Schnee, so hätte ich einen Haltegriff im Falle eines Ausrutschers. Es dauert ewig, aber es hält. Der Weiterweg zum Gipfel des Cima dell’Uomo verläuft ebenfalls nordseitig, weiter durch den meterhohen, abschüssigen Altschnee. Dafür bin ich echt ‚underequiped‘. Ich steige wieder hinauf zu Scharte, lasse meine Sachen in der Sonne trocknen, schaue hinunter ins Tal und auf die Seen und lasse meine Gedanken kreisen.

Unterhalb der Scharte und der Blick zum

Gipfel:

Schliesslich nehme ich entspannt den Rückweg unter die nassen Füsse – zurück zur Alpe Mornera – wandern im Abendlicht.

Ein Blick auf die Uhr und –

Oooops! jetzt bin ich ‚äs bitzeli verschrockä‘: beinahe wäre ich auf diese Schlange getreten! Ich gebs zu, ich hab an der Gadget-Uhr rumgefummelt anstatt auf den Weg zu schauen. Das hatten wir doch schon mal: vor zwei Jahren in Australien! Aber doch nicht hier in ‚good old Switzerland‘? Ich ärgere mich, dass ich zu blöd war das Tier rechtzeitig zu sehen und freue mich gleichzeitig über diese seltene Begegnung.

Und Morgen? I am gonna make a jump tomorrow! 😁😁😁

*Wandern ist immer ein guter Plan B – Conisophie des Tages

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Skitourensaison mit Happy End

21 Mai

Der Wecker geht um 4 Uhr. Kurze Zeit später sitze ich frisch geduscht im Auto mit Kaffee und Müesli. Ich brause in Richtung Interlaken, um den ersten Zug aufs Jungfraujoch zu erwischen. Dort oben wollen wir Skitouren Saison gebührend abschliessen und den einen oder anderen 4000er abfeiern. Ich weiss, es wird ein super Tag.

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Bitzeli Aussicht

Letztes Wochenende haben Philipp und ich bereits einen verheissungsvollen Vorgeschmack auf das diesjährige Sommerprogramm erhalten: Kletterei an warmen Pilatus Felsen und ein anregendes Hochtourli auf den Mönch. Diese Unternehmung verdanken wir meinem lieben Freund Simon aus Tasmanien, der sich als solider Bergpartner entpuppt hat (eben mit noch Skipotential). Es hat sich angefühlt als wären wir schon seit ewig eine Seilschaft. Beinahe unheimlich diese Harmonie und so haben wir ihn nur ungern abreisen lassen.

Doch noch sind die Skis nicht im Keller. Am Samstag Morgen bei der Fahrt hinauf aufs Jungfraujoch, verdecken einige unfreundlich Wolkenfetzen den Himmel. Dies schlägt mir ein wenig auf die Motivation. Als wir kurz vor 09:00 Uhr die Skier anschnallen, lacht die Sonne vom Himmel. Hinter dem Mönchsjoch beglückt uns sogar noch der letzte Powder dieses Winters. Herrlich! Die Kühle der vergangenen Tag macht es ebenfalls möglich, dass wir ohne Zeitdruck den heftig steilen Anstieg zum Fiescherjoch gehen können. Es ist heiss im Aufstieg und wir werden regelrecht gegrillt. Weiter oben ist das Gelände dann zu steil für einen Ski-Anstieg. So binden wir diese auf den Rucksack und pickeln die steile Firnflanke hoch. Wirklich ziemlich anstrengend.

Bitzeli steil

Bitzeli steil

Doch ab dem Sattel winkt eine hübsche einfache Kletterei in Granit und Schnee bis hoch zum Gross Fiescherhorn (4023m). Eine Prachtstour – immer wieder schön.

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Bitzeli Klettern – Foto von gipfelgeil.ch

Beim Abstieg, zurück beim Skidepot, verdecken Wolken die Sonne. Es ist feucht-warm und Schneeflocken fliegen in der Luft umher. Die Sicht ist gerade noch gut genug um ohne Seil abzufahren. Für einmal beglücken mich die Spuren der anderen Tourengänger im Schnee ungemein. Denn ohne die, wäre die Wegfindung durch den Gletscherabbruch eine Herausforderung geworden. Es gibt kaum etwas das mich so nervös macht wie die Gewissheit, dass unter mir irgendwelche Spalten sein könnten. So bin ich erleichtert, als sich die Wolken wieder etwas verziehen. Tagesgangwetter – war angesagt so. Ein letzter Anstieg zur Finsteraarhorn Hütte, dann ist unser Tagesziel erreicht.

Erst am frühen Sonntag Morgen wird der Himmel sternenklar. Die Schneedecke ist gut gefroren. Beste Verhältnisse für die Besteigung des Finsteraarhorn (4280m), dem höchsten Berner. Zwölf Jahre ist es her, seit ich diesen Gipfel zu meinem Geburtstag bestiegen hatte. Sobald wir etwas warm gelaufen sind und die richtige Anzahl Kleiderschichten an bzw. ausgezogen haben, lässt mich Philipp vorgehen. Dies ist der ultimative Trick um mich aus dem Trödelmodus heraus zu manövrieren und der Anstieg wird noch effizienter. Erstaunt nehmen wir bereits um 06:30 Uhr Wolken zur Kenntnis, die vom Goms her, den Gletscher herauf kriechen und sich ziemlich schnell ausdehnen. Es ist kühl. Aus diesem Grund verzichten wir auf längere Pausen und überholen schon die ersten Gruppen. Zwei Splittboarder stehen (schlaftrunken? oder so) im Weg und bewegen sich nur widerwillig von der Spur weg. Weiter vorne verliert ein weiterer Splitboarder sein Harsteisen, es ist gebrochen. Als wir um 08:00 h den Hugisattel erreichen, bläst ein garstiger Wind. Die Wolken sind in der Zwischenzeit vom Gletscher herauf gekommen und mahnen uns, besonnen vorwärts zu machen. Es ist ohnehin zu kalt um Fotos zu schiessen und Pause zu machen. Wir schnallen die Steigeisen an und pickeln im Schnee zwischen Felsen rauf. Die Kletterei in diesem Gelände wärmt Körper und Seele (alles bis auf die Finger). Dank perfekten Verhältnissen stehen wir kurz nach 09:00 h auf dem Gipfel. Wir freuen uns kurz und heftig über den Gipfelerfolg, um gleich danach wieder abzusteigen.

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Am Gipfel – Foto vom Gregor

Wolken hüllen uns ein. Wir wechseln wieder auf Ski und sind dankbar, wenn der Nebel ab und zu ein paar Meter Sicht frei gibt. Der Schnee ist grauselig. Bruchharst macht jeden Schwung sehr mühsam und es macht überhaupt keinen Spass. Doch trotzdem erfreuen wir uns an der wundervollen Hochgebirgslandschaft und lassen diesen Sérac rasch hinter uns.

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Schnell vorbei fahren: diese Kollegen stehen im Verruf etwas wankelmütig zu sein.

Mit einem Bären Hunger erreichen wir die gelobte Hütte und verdrücken eine Rösti. Danach erquickt uns ein Nachmittagsschläflein. Draussen hat sich das Wetter nun soweit verschlechtert, dass wir uns ernsthafte Gedanken über den weiteren Tourenverlauf vom Pfingstmontag machen müssen. Die feuchte Luft liegt immer noch im Süden und ein Höhentief tut sein Übriges. Wir wissen nicht, wieviel Neuschnee gefallen ist.

Da früh am nächsten Morgen Wolkenbänke an den Berghängen kleben und der Himmel bedeckt ist, entschliessen wir uns den unbequemen, langweiligen, aber sicheren Weg zurück zum Jungfraujoch unter die Skis zu nehmen. Vor uns sind weitere Tourengänger unterwegs. Doch die Freude über die bestehende Spur wärt nur kurz, denn sie führt im White-Out in die falsche Richtung. So bleibt uns nichts anderes übrig, als mit GPS in der Hand und angeseilt den Aufstieg weiter fort zusetzen. Das kostet Zeit und Nerven.

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Weitere Bilder auf gipfelgeil.ch

Die Abfahrt zum Konkordiaplatz geht in Ordnung. Der Schnee ist gar nicht so übel. Wir sind froh die anderen Tourengänger gerade aufbrechen zu sehen. Auch sie haben ihren Weg gefunden. Die Sicht reicht nun so weit, dass wir den endlos scheinenden Weg bis zur Steigung hinauf zum Jungfraujoch einsehen können. Wir wackeln über eine Stunde immer gerade aus über den Gletscher. An schönen Gipfeln können wir uns nicht erfreuen, denn die sind wolkenverhangen. Ich buche es unter „mental Test“, der kurz vor dem Ziel in einem erneuten Whitout gipfelt, die Spuren natürlich vom Winde verweht. Das Mobile-GPS hat allerdings immer noch genügend Akku und leistet auch diesmal wertvolle Dienste. Wir erreichen das Jungfraujoch und sind etwas verbraucht. Eine Tafel Schoggi auf der Fahrt hinunter ins Tal stellt unsere gute Laune wieder her. Tadellos. Es würdiger und fordernder Saisonabschluss – Danke Philipp es ist einfach grossartig mit Dir in die Berge zu gehen.