Archiv | April, 2018

Züri Marathon und der Tag danach, …

24 Apr

… wenn Du nach dem Aufstehen gleich Lunch kochst.

Aber alles der Reihe nach: Den Abschluss eines guten Marathon Trainings bildet die sogenannte „Tapering-Phase“. Ich empfinde dies als nervtötendes Herumgammeln ohne viel Bewegung. Stillsitzen. Erholen. Der Appetit ist ungebremst und so steigt auch das Kampfgewicht. Nicht gut irgendwie. Ein Blick ins Internet beruhigt. Normal sei das. Spätestens nach dem Abholen der Startnummer, platze ich fast vor Nervosität. Dieses Rennen bedeutet mir nach einer längeren, verletzungsbedingten Marathon-Abstinenz enorm viel. Den absoluten Tiefpunkt bildete eine Entzündung der Adduktoren (Radaufhängung beim Auto), die mich hartnäckig von jeder Art Bewegung ausser Rennvelofahren abgehalten hat.

Hurra! Ich stehe wieder am Start eines Marathon

Seit dieser Erfahrung bin ich dankbar überhaupt Gehen zu können, jeder Kilometer schmerzfreies Jogging ist ein Geschenk. Motivationsprobleme fürs Training kenne ich nicht (mehr). In dem Moment, als ich am Start des Zürich Marathon stehe, überwältigen mich bereits die Emotionen und ein Tränchen der Dankbarkeit steigt mir in die Augen. Heute Morgen wollte mich eine frische Blase am Zeh noch umstimmen (Sommerschuhe). Keine Chance. Es ist ein warmer Prachtstag und der Startschuss ist mein Festtagsböller! So erfüllt von Dankbarkeit und Frieden, laufe ich los. Die Nervosität ist verflogen. Ich bin sicher, dass ich eine Pace laufen darf, die auf 4 Stunden zielt. – Obwohl mein ursprüngliches Zeil 4:30 h gewesen war. Bereits nach dem ersten Kilometer warten meine Freunde Philipp und Charlotte. Die beiden sind extra wegen mir gekommen. Meine Freude ist riesig.

Bei Kilometer 1 – (C) Philipp Kohler

Bei Km 3 greife ich erstmals zum Bidon mit Iso. Es ist wirklich warm heute. Die Bäume tragen erste hellgrüne Blätter. Sie dekorieren die Strassen. Das Seefeldquartier wirkt trotzdem trist und ausgestorben. Zurück am Bellevue, bemerke ich ganz unterschwellig ein Ziehen in den Oberschenkeln. Ich leere mein Bidon und gut ist. Ich nehme das zur Kenntnis und laufe ruhig weiter. Charlotte und Philipp sind dank des Fähnchens schon von Weitem zu erkennen. Bei der anschliessenden Runde die Bahnhofstrasse hinunter, vergegenwärtige ich mich, dass ich wohl in gut drei Stunden wieder hier sein werde. Ich verspüre leicht aufkommende Angst, doch die wird von einer unglaublich grossen Zuversicht niedergemacht. Irgendwie ist mir gewiss, dass ich es schaffen werde. Wie wird es sich diesmal anfühlen?

Bahnhofstrasse: Wie werde ich mich beim nächsten Mal Hierdurchrennen fühlen?

Bevor es nun entgültig aus der Stadt in Richtung Meilen geht, nehme ich dankbar ein paar Schlucke Cola von Philipp. 11 km sind geschafft, ich bin warm gelaufen und nun geht es also richtig los. Am nächsten Verpflegungsposten fülle ich mein Bidon nach und werfe sehr früh den ersten Gel ein. Bisher waren die 4 h Pace Maker hinter mir. Die drehen nun auf und verunsichern mich kurz. Egal. Ich laufe mein Rennen und halte mein Tempo bestmöglich – was man hat, das hat man. Es herrscht leichter Gegenwind. Die Brise kühlt angenehm. Wie immer rechne ich während des Laufens ständig. Bei Km 14 ist ein Drittel geschafft. Nächstes Ziel ist der Halbmarathon. Am Strassenrand gibt es einen Wurst- und Burgerstand und ich ertappe mich bei dem Gedanken an… Und muss lachen. Nein, das ist keine Option, sondern immer wieder trinken, trinken, trinken. Eine Läuferin schnappt sich gleich eine 1.5 l Flasche am Verpflegungsposten. Wir teilen sie anschliessend im Laufen.

In Meilen wartet mein super Support Team: Charlotte vollführt Luftsprünge. Ich habe leider verpasst ein Foto von den beiden zu schiessen. Sie bringen mir sogar Gatorade, das ich erst einmal verschmähe und dies fast im selben Augenblick bereue. Ursi und Guido warten gleich ums nächste Hauseck. Ich kann es kaum glauben: so viel Unterstützung ist wunderschön. Nach dem Wendepunkt halten mir Philipp und Charlotte zum Glück das Gatorade nochmal hin.

Bidontausch in Meilen – Danke fürs Gatorade (C) Philipp Kohler

Ich weiss, dass es nun hart wird. So hangle ich mich mental von Kilometer zu Kilometer (und bald unterteile ich noch in 500m). Immer darauf bedacht ein Tempo unter 6 min/km zu laufen. Zum Glück liegt mir das Laufen bei warmen Temperaturen. Es ist deutlich über 20 Grad warm. Ich trinke was geht und bekomme alsbald einen Wasserbauch. Es kommen mir immer noch Läufer entgegen. Dann erlebe ich einen Schreckmoment: Mein rechtes Knie meldet sich schmerzerfüllt bei mir. Was ist das jetzt? Das hatte ich zu Beginn meiner Laufkarriere, noch bevor ich mir ein Rennrad zugelegt hatte und seitdem nicht mehr. Zum Glück hilft gut zureden und der Schmerz verzieht sich wieder. Ausserdem haben wir ja Rückenwind auf dem Heimweg nach Zürich („Chum bring en hei….“).

Später heult ab und an ein Sanitätsfahrzeug vorbei. Auch nehme ich Läufer am Strassenrand wahr, die der Hitze Tribut zollen. Sie werden alle betreut, gut. In dem Fall schaue ich lieber nicht zu genau hin, damit mir nicht ebenfalls übel wird. Es dauert insgesamt uuuuunglaublich lange und ich hatte Küssnacht vergessen, das noch vor Zollikon kommt. Ich bin mir so unglaublich sicher, dass ich das ertragen kann. Ich bleibe ruhig und laufe einfach immer weiter weiter weiter. (Tschüss du Hammermann!) Als der gelobte Utoquai in Sicht kommt, teile ich mein letztes Wasser. Gleich beflügelt mich der Anblick des Bellevue‘, welches in der Ferne in Sicht kommt (Nomen est Omen). Gefühlt drehe ich nun die Pace auf. Doch mein GPS ist anderer Meinung und bleibt stur, knapp unter der 6:00 min/km Marke. 4 Stunden liegen immer noch drin. ‚Dranbleiben Coni, nicht nachlassen.‘ Ich muss mir nun gut zu reden. Auf dem letzten Kilometer „überfällt“ mich Markus (er läuft die Strecke in 3 h) aus dem Hinterhalt und verleiht meinem Finale den letzten Pep! Es wird eine super Zeit und ich bin sehr sehr happy it 4h 2s.

Markus Radarfalle bei Km 41

Die Freunde erwarten mich im Ziel. Wir schlendern in Zeitlupe zum Kleiderdepot. Es ist so schön mit den drei. Ich fühle mich so gut aufgehoben. Nach einer kalten Katzenwäsche geniessen wir Burger auf dem Bauschänzli in der Sonne. Das ist mein Züri wie es mich liebt und wie ich es liebe.

https://www.relive.cc/view/e1105534289

Obwohl es überall zwickt, lege ich mich nach einer Stunde in der Badewanne, ohne das geringste Stretching ins Bett. Ich bin einfach zu müde. Am nächsten Morgen treibt mich unglaublicher Hunger viel zu früh aus den Federn. Ich verspüre den unbändigen Drang morgens vor 07:00 h einen richtig währschaften Lunch zu kochen: Rösti, Spinat, Ei und die Resten von gestern gleich dazu zu verspeisen. Danach gibt es Deep-Stretch Yoga von der süssen Youtube Mady Morrison. Im Laufe des Tages ertappe ich mich bei dem Gedanken an meinen nächsten Marathon. Wann und wo ich den wohl laufen werde?

Danke Philipp (Fotos), Charlotte, Markus, Guido und Ursi für Eure wundervolle Unterstützung!

Meine Lieblingsstretchings:

Advertisements

Spring

6 Apr

Ein frischer Morgen verheisst einen unglaublich schönen Frühlingstag. Die Luft ist bereits im Zug voller geballter Vorfreude; versprüht von all den Ausflüglern, die am heutigen Freitag ins Tessin fahren.

Es ist nicht der allerfrüheste Zug. Dort ist die Aura noch schläfriger, weniger freudig angespannt. Es ist auch der Zug den die grossen Rucksäcke (Gleitschirmsler) nehmen. Ist ja klar: heute ist ein guter Flugtag. Dank Thermik auch für die Gleitschirme. Der Eindruck bestätigt sich bei Ankunft in der Dropzone: Dort sind nicht nur Schmetterlinge und Vögel unterwegs, sondern auch diverse Helis, Segelflieger werden geschleppt, Kleinflugzeuge heben ab, die Fliegerstaffel der Armee, ‚meine‘ Pilatus landet gerade und die ersten bunten Matratzen öffnen sich am Himmel. Dieser Betrieb ist grossartig! Dekoriert mit Palmen und eingeramt mit schneebedeckten Berggipfeln. Ich liebe es!

Nicht zuletzt diese Abenteuer verheissende Augenweide, hat mich beim letzten Besuch dazu bewogen, öfters her zukommen. Begegnungen mit Menschen, mit denen ich sonst nie in Kontakt kommen würde sowie die Tatsache etwas Neues zu erlernen, das alle meine Geschicklichkeit und meine Präsenz fordert, sind weitere Gründe die das Ziel ‚Fallschirmbrevet im Paracentro‘ für mich süss und erstrebenswert machen. Und ich brauche ein Ziel, eine Mission und wie!

Dropzone mit Schneebergeb und Palen

Erst einmal werde ich vom Instruktor begrüsst und ich bekomme einen kleineren Fallschirm als letztes Mal. Er ermahnt mich, anständig damit zu fliegen. Diesmal halte ich mich dran und mache keine Turnübungen zu Nahe über Grund. Mit meiner jahrelangen Fliegerei am Gleitschirm fühle ich mich bisweilen fast zu wohl, sobald der Schirm offen ist und fliegt.

Dieser kleinere Schirm lässt sich einfacher packen und ich schaffe es beinahe schon selbständig. Sodann geht es in die Luft. Es riecht nach Treibstoff. Ungefähr zehn Menschen ganz unterschiedlichen Alters quetschen sich in den Flieger: Senioren in Wingsuits, Stadt- und Landmenschen, Instruktoren, Baby-Adler von der Sphair in ihren dunkelblauen Overalls und ich. Alle mit dem selben Vorhaben. Ein humoristisches Piktogramm ermahnt alle Anwesenden unmissverständlich, die Körperöffnungen untenrum dicht zu machen. Ich fühle mich (zu) wenig aufgeregt, so geniesse ich das Abheben der Maschine in Ölsardinen-Position. Ich besinne mich, dass ich auf der Hut sein muss, weil es mich beim letzten Mal um ein Haar zu früh aus dem Flieger geblasen hätte. Hat nicht gut ausgesehen.

Kurz vor 1000m beginnt das erste Abklatsch-Ausstiegs-Ritual an dem alle beteiligt werden. Das ist weltweite Tradition. Gleich steigen zwei Jungs von der Sphair aus. Besonders einer von ihnen macht das so smooth, dass man das Lufkissen auf dem er vom Pilatus weggleitet fast sehen kann. Grosse Klasse! Ich wünschte mir, ich könnte das ebenfalls schon so gut.

Auf 2800m bin ich die einzige, die raus geht. Der Instrutor lächelt mir aufmunternd zu. Trotzdem versaue ich den Ausstieg. Der Wind blässt mich beinahe vom Trittbrett und ich strample und drehe mich. Auf dem Video, das er gemacht hat, schaut es übel aus. Es fühlt sich für micj gar nicht so schlimm an. Ich stabilisiere innert kurzer Zeit meine Fallposition, checke die Höhe und los mit den kontrollierten 360 Grad Drehungen, links und rechts herum je zwei Mal. Sie gelingen nicht wie sie sollten, werden zu wild, zu unkontrolliert, nicht auf der Achse, eine zu wenig. Ich ziehe zu früh. Der Schirm fliegt etwas lebhafter als der letzte und ich nehme die deutlich kleinere Fläche jetzt unzweifelhaft zur Kenntnis. Wenigstens waren die Öffnung und die Landung ordentlich. Ich bin nicht zufrieden und der Instruktor erst recht nicht.

Das Packen geht besser, doch ehe ich mich freuen kann, begehe ich einen Fehler. Ich lege die Schlinge an der der Splint für den Auslöseschirm befestigt ist, falsch herum aus dem Aussencontainer. Läuft es unglücklich, kann sich der Innencontainer mit dem Schirm darin dann nicht öffnen. Ich bemerke es just in dem Moment, als mich der Intsrukor schilt. Ich ärgere mich, schon wieder etwas falsch gemacht zu haben und bemühe meine positive Grundeinstellung, die sich über so viel Neues zum lernen.

Ich bekomme mein Debriefing. Auf dem Video strample ich in der Luft herum. Es schaut fürchterlich aus. Der Instruktor erbarmt sich meiner und zeigt mir den guten Trick, bei dem ich nicht gleich voll im Fahrtwind stehe. Ich übe einige Male auf der Matte und dann im Flieger der auf dem Boden steht. Ich versuche mir einen Automatismus zu programmieren, weil so schnell denken kann ich da oben an der offenen Flugzeugtüre nicht und schon gar nicht gleichzeitig meine Körperhaltung kontrollieren. Diesmal bin ich gut nervös und ich spüre auch die Freuden-Millisekunde in der Brust, als der Ausstieg mühelos und einwandfrei klappt. Die Drehungen passen ebenfalls. Doch T. lässt mich wiederholen, da ich zu langsam war. Das ist mir einigermassen egal, bis auf die Tatsache, dass ich nur aus 2800m abspringen darf und so nur 30 Sekunden im freien Fall bin.

Mir macht es Spass hier. Bisweilen muss ich auch über Szenen die sich abspielen, staunen oder kichern. Sogar die Packerei geniesse ich wie eine hochkonzentrierte Meditation. So langsam rutschen mir die Leinen und Tuchfalten auch nicht immer wieder aus den Händen. Es geht ja. Und geöffnet hat er sich heute ohne Twist.

Ich freue mich für die sechs Sphair-Jungs die heute ihre Prüfung bestanden haben. Ein Meilensteinauf dem Weg zum Fallschirmaufklärer! Einer kommt grad grinsend vom Landekreis, mit nur einem Schuh. Irgendwann in der letzten Stunde ist die Stimmung in den Chillmodus umgeschlagen. Keiner will mehr springen. Schluss für heute…

In Bellinzona am Bahnhofsplatz treffe ich Marco mit seinem Hinkelstein (Gleitschirm). Ich kenne ihn aus meinen aktiven Zeiten. Wunderbar. Schon am Morgen war er auf dem selben Zug. Er ist heute nach Domodossola und zurück geflogen und hat seinen neuen Schirm gebührend eingeweiht! Wir erzählen uns angeregt von unseren Erlebnissen in der Luft. Gemeinsam mit Schirmslerin Nicole, wird die Heimfahrt gemütlich und kurzweilig. Heute ist einfach ein guter Tag!