Archiv | März, 2018

Happy City-Running

26 Mrz

Die Skitour mit den Jungs am Samstag hat mir zugesetzt. Ich verbringe den Rest des Nachmittags in der Badewanne und beim Kochen und Essen. Es hat Spass gemacht und bei derart grossartigen Bedingungen, wie sie derzeit in den Bergen herrschen, wollte ich mich vom Aufstiegstempo her nicht lumpen lassen. Zumal ich genau weiss, dass meine beiden Begleiter enorm in Form sind. Nach einer ordentlichen Mütze Schlaf, fühle ich mich am Sonntag Morgen erstaunlich fit und harre der Dinge und Kilometer die da kommen.

Erst einmal gibt es Ärger im Zug. Ein Nordafrikaner tut so, als wüsste er nicht, ob er die richtige Bahn nach Zürich erwischt hat und brüstet sich gleichzeitig damit, dass er schon zehn Jahre ohne Papiere hier lebt. Anschliessend setzt er sich zu der jungen Frau, vor der er sich aufgeplustert hat und die offenbar seinem Beuteschema entspricht und redet auf Französisch auf sie ein. Obwohl ich absolut nicht in Streitlaune bin, gehe ich irgendwann dazwischen, weil sein Konversationsthema richtig beschämend wird. Er macht sie an, sie solle Diät und Sport machen, weil sie zu dick sei. Er versteht das natürlich ganz und gar nicht, als ich mitpöbeln tue, worauf sich eine unschöne Diskussion zwischen uns entwickelt. Irgendwann setze ich mich an einen anderen Platz. Die junge Frau täuscht vor auszusteigen und somit gibt es auch für ihn keinen Grund mehr nach Zürich zu fahren. Deshalb steigt er ebenfalls aus. Sie setzt sich zu mir und wir sind die Nervensäge los. Sie bedankt sich und meint, sie hätte ohnehin nur die Hälfte verstanden. Zum Glück. Sie ist locker drauf und erzählt, dass sie Fussball spielt. Nach einer kurzen, netten Plauderei trennen sich am HB Zürich unsere Wege. Ich spatziere hinter das Landesmuseeum zum Treffpunkt der Jogger und stelle fest, dass mein Französisch durchaus noch brauchbar ist. Zumindest um einem Mistkerl Bescheid zu sagen. Vor ein paar Wochen in Australien habe ich nämlich beschlossen, gewisse Dinge nicht mehr einfach hinzunehmen, sondern engagierter ‚meine Frau‘ zu stehen.

Aus allen Richtungen eilen Läufer in bunten Klamotten herbei. Die Frühlingssonne lacht vom blauen Himmel. Obwohl es kein Rennen ist, ist die Stimmung vorfreudig gespannt und kribbelig. Es ist ein herrlicher frischer Morgen. Die Leute scherzen, plaudern, knipsen Selfies und nesteln an ihren Gadgets herum.

Die Pacemaker werden vorgestellt. Ich schliesse mich den drei Urchig-Bärtigen an, die 06:30 pro km laufen. So steht es in meinem Trainingsplan und das wird gehen. Ich bin voller Zuversicht und aufgeregt, denn dies ist heute der Testlauf für meinen Marathon Wiedereinstieg – es bedeutet mir ziemlich viel. Es wär der Hammer, wenn mir dieser wichtige Meilenstein gelingen würde! Wir traben los und nach dem ersten Kilometer muss ich ständig bremsen. Ab Kilometer zwei ist mir der Verlauf der Strecke klar und ich laufe vor. Die Gruppe die sechs Minuten pro Kilometer läuft, ist bis auf einen Läufer, der eine Leuchtmarker-Jacke trägt, schon beinahe ausser Sicht. Ich finde meinen Rythmus, passiere flott das Höngger Wehr und geniesse den Happy-Run im Sonnenschein. Der Soundtrack: Gloria Gaynor Supermedley. Immer flussabwärts, der Limmat entlang. Der Fluss hat kann sich nicht entscheiden, ob er dunkelblau oder braun sein will und glänzt einfach im hellen Licht des Sonntag Morgens.

Bei Kilometer 11 gibt es Isodrink. Das ist grossartig. Menschen, Sportler, die einfach Sonntags um Neun hier raus kommen um andere zu unterstützen. Das gebe ich gebe irgendwann gerne zurück!

Ich entferne einen Kiesel aus meinem Schuh und nehme ‚das Rennen‘ wieder auf. Nun bin ich der 6:00er Gruppe dicht auf den Fersen. Als wir bei Kilometer 15 den Wendepunkt erreichen, erschleicht mich ein kurzes Bedauern schon umdrehen zu müssen.

Die Kilometer verfliegen und es ist einfach wunderbar so locker zu laufen, unbeschwert, ohne das geringste Zwicken in Knien oder sonstwo. Irgendwie laufe ich ziemlich schnell für meine Verhältnisse. AC/DC mit Thunderstruck im Ohr, lege ich gleich etwas Brennstoff in Form eines Gels nach.

Partystimmung ist wohl die zutreffende Bezeichunung für den ‚Zustand‘ beim Verpflegungsposten bei Kilometer 18.

Um in meinen guten Takt beizubehalten, fülle ich rasch mein Bidon auf, schiesse ein Foto und weiter gehts. Nun vor der 6:00 min-Gruppe, wobei ich nun nicht genau weiss auf welcher Flusseite sie zu laufen beabsichtigen. Ich wechsle zu früh auf die andere Seite. Dann wieder zurück und ich freue mich den Spirit dieses Morgens in Bildern festzuhalten.

Vor Kilometer 25 erwische ich sie dann und laufe im Pulk mit. Es ist schön, aber nun sehe ich zu wenig und irgendwie ist mir auch dieses Tempo zu langsam. Bei Km 26 muss ich schon wieder voraus und so wird aus der Jägerin die Gejagte. Auch das macht Spass. Bei Km 27 überholen mich vier Läufer in einem Affenzahn, was mich freut, nicht anstachelt, denn offenbar haben noch andere so einen guten Tag wie ich. Ich bleib bei meinen Tempo. Jetzt ist dann genug für mich, so langsam bekomme ich etwas steife Knie. Um die 30 Km voll zumachen bedarf es noch einer Ehrenrunde um das Landesmuseeum. Geht klar! Meine Freude über diesen Happy-Run ist riesig und ich geniesse die Stimmung im Ziel bei den anderen Läufern.

Hier noch in Zeitraffer:

Erlebe den Lauf in 3D

Zeit für Belohnung: Da ich zu der Sorte Menschen gehöre, die nicht einfach nichts denken können, denke ich schon seit zwei Stunden an einen Luxus-Latte vom Ami und eine Bretzl. Beides muss jetzt sofort her.

Die Bretzlverkäufer sind üblicherweise ziemlich missgelaunt: ‚Wos wotsch.‘ Da die Bretzln meiner Theorie zu Folge, irgendeine süchtig machende Substanz enthalten müssen, tun die miesepetrigen Verkäufer dem Genuss keinen Abbruch. Heute ist irgendwie alles gut. Ali ist der freudlichste Bretzlkönig Mitarbeiter ever. Und er ist übrigens am Montag Morgen vor 06:00 immer noch gut drauf.

Ich melde mich für den Züri-Marathon an und bin im Runners High!

https://cityrunning.ch/

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Ein Stück Glück im Schnee

18 Mrz

Die Szene: Skitouren Rennen fordern, wenn ernsthaft betrieben, athletische Höchstleistungen. Die Rennen sind professionell organisiert, familiär, freundlich und ohne Skandale und lautes Getöse. Alle sind gut drauf und das Beste ist, dass es bei den meisten Anlässen eine Kategorie „Volkslauf“ für Breitensportlerinnen gibt. Die Sportart gewinnt rasant an Popularität und wird mit einiger Wahrscheinlichkeit in den kommenden Jahren olympisch.

Meine Vorbereitung für die Trofea Piz Ault hingegen, war alles andere als olympisch. Doch meine Ausrüstung, die ich am Vortag aus dem Keller geholt habe, versetzt mich erneut in Entzücken: Ski, Bindung und Schuhe zusammen 3 kg. Einfach geil! Und das denke ich jedesmal, wenn ich die Latten hoch hebe. Bereits einige Tage vorher hat sich Schmuddelwetter abgezeichnet. Einzig die Hoffnung stirbt zuletzt (bzw. jeweils bei der Startnummernausgabe, falls die Strecke verkürzt wird). Aber das Wetter scheint doch nicht gar so garstig und so soll das Rennen wie geplant durchgeführt werden. So komme ich zu einer anständigen Schlechtwetter-Skitour. Darüber, dass meine längste Tour diesen Winter bisher ’nur lausige‘ 1300 Höhenmeter umfasst hat und meine Freundin und ich uns wie immer für die 1600 Höhenmeter-Runde angemeldet haben, mach ich mir keine Sorgen. Schliesslich lauf ich mit den Raketen-Ski, yeah!

Ich liebe diesen Anlass: Es gibt zwei Portagen, vier Abfahrten und entsprechend viele Fellwechsel. Eigentlich gäbe es ausserdem schöne Aussicht auf die Bündner Bergwelt. Nebst der grandiosen Strecke, übt der Spirit des Rennens eine besondere Faszination auf mich aus. Ich finde es grossartig, gemeinsam mit einer Horde anderer Menschen, die Schneehänge hinauf zu laufen, um sie dann in wildem Ritt, wieder hinunter zu preschen! Alles den Fähnchen entlang, Fahrstil von der Sorte ‚egal‘, jaaaa die Oberschenkel brennen schon nach den ersten Metern des wilden Ritts, aber „who cares?“ weiter, weiter, weiter.

Dann ist zum zweiten Mal anfellen angesagt. Meine Freundin M und ich sind noch beisammen. Sie dosiert diesmal clever. Nach einigen Metern verliere ich ein Fell und mache Ersatz drauf. Das wirft mich aus dem Flow. Mein Aufstiegstempo verlangsamt sich, mein Magen knurrt. Obwohl ich darauf zähle, dass dies vorüber geht und mein Isogetränk mich zum nächsten Verpflegungsposten rettet, falle ich in den ‚Pussy-Modus‘. Ich beginne mich mental fertig zu machen, indem ich nur darauf warte, schlappe Beine zu bekommen. Mit etwas Verspätung komme auch ich oben an. Keine Spur mehr von M. Sie hat jetzt fertig dosiert und lässt den Tiger aus dem Tank, und das ist gut so! Powered by Appenzeller Biber, hab auch ich in der letzten Portage (Dessert + 100 Hm) meinen Spass!

Auf zum grossen Finale! Ein rauschender Downhill, wiederum stilbefreit, durch verspurten Tiefschnee! Einfach Vollgas und oben auf den Ski bleiben! Huiiiiiuiui! Den brennenden Beinen zum Trotz, gleich noch in die Hocke und so schnell über ein flacheres Stück. Dann zum letzten Mal die Felle drauf und jetzt im Jogging-Tempo weiter, weiter, weiter, wieder Abfahrt! Hocke! Vorbei an einer gut besuchten Schneebar und rein ins steile Schlussstück! Mit einem Satz verlasse ich kurzzeitig sogar physisch den Boden, lande und brause weiter in Richtung Ziel!

Skirennen – ein klasse Wintersport – Glück fürs Sportlergemüt, das nachhaltig anhält!

Neue Bekanntschaften

15 Mrz

Tinder ist zum schiessen (=zum Totlachen)! Worum geht es? Um eine eine Hipsterbart-Feldstudie? Wenn ich richtig verstanden habe, geht es darum Menschen kennen zu lernen: einerseits für Sex und da darf es anscheinend kinky sein. Aber auch – dies scheint meistens der Fall zu sein – für gemeinsame Freizeitaktivitäten, Freundschaft oder um eine ernsthafte liebevolle Partnerschaft aufzubauen. Schön und gut.

Es ist durchaus unterhaltsam, sich auf dieser App einfach mit Wischen die verschiedenen Typen anzusehen und sich zu überlegen, was sich mancher Kerl überlegt haben muss, als er sein Profil erstellt hat:

Portraits mit Sonnenbrillen, auf denen man nicht sieht, ob einem der Gentleman gefällt, sind die Regel. Häufig stellt der Herr dann keine weiteren Details zu sich zur Verfügung und mir sich die Frage, wie smart der Typ wohl ist? Besonders ‚aussagekräftig‘ und die Steigerung der Sonnenbrille, sind die Profilbilder mit Skihelm, Skibrille und Skidress. Einziger möglicher Rückschluss: doof, hässlich und will niemand kennen lernen. W.t.f. machst Du auf dieser Plattform?

Dann gibt es die Studio-Jungs mit den Tattoos: Geschmacksache. Ich bin jedoch überzeugt, die finden ihre Zielgruppe. Das gleiche gilt für die Waschbrettbäuche.

Etwas fragwürdig, sind diejenigen welche ihren Nachwuchs in die Sache mit reinziehen. Profilbilder, mit Kindern sind keine Seltenheit. Frau ist dann zumindest informiert, dass er jedes zweite Wochenende beschäftigt ist und je jünger und zahlreicher der Nachwuchs (heisst je betreungsintensiver), nicht mehr in der Lage ist einen Satz gerade heraus zu bringen.

Dann gibt es die Hündeler. Ja, es gibt tatsächlich Zeitgenossen, die ihren Hund ablichten und dies als Profilbild wählen. Nein Danke! Um einen Hund zu finden, bin ich nicht auf Tinder! Wobei ich auch hier relativieren muss: Wenn das Hundebild nicht gerade als Profilbild verwendet wird, dann ist die Information durchaus brauchbar. Aber eben, wenn.

Naturbilder als Profil sind sind ebenfalls populär: Schneeberge, Palmenstrände, you name it. Oder Sprüche. Ausserdem sind Gruppenbilder beliebt. Die Botschaft her: ‚liebe Tinderella, rate mal…‘ Doch immer noch besser als einen Stinkefinger entgegen gehalten zu bekommen. Gibt es tatsächlich. Ernsthaft.

Willst Du so jemanden daten? Ich möchte auch keine Comiczeichnung und kein Bierglas (wahlweise gibts Kaffee oder Prosi) daten. Was überlegen sich diese Menschen bloss?

Besonderes humoristisches Schmankerl aus meiner Sicht, ist der Pilot, die sein Cockpit als Profilbild gewählt hat. Darauf steht garantiert jede Frau. Dann sind doch die Profilbilder mit den Booten, den Sportwagen und Motorrädern vielleicht doch erfolgsversprechender?

Liebe Rückseiten, liebe unscharfe Jugendbilder, liebe Vier-Streifen-Ärmel, liebe Ray Bans, Fesseltoys und liebe Skihelme, ich Danke Euch. Möged ihr finden wonach ihr sucht. Bis demnächst wieder …