Archiv | Dezember, 2017

Von Bäumen und Schlangen

31 Dez

Australien ist ja bekannt für seine Fauna, die sich teilweise nicht so gut mit der menschlichen Zivilisation verträgt. Nicht nur vor Krokodilen (Northern Territory) und Haien (vor den Küsten hier im Westen und Süden und überhaupt) nimmt man sich besser in Acht, sondern bekannterweise auch vor Schlangen. Diese sonnen sich gerne auf den Wanderwegen. Grundsätzlich geht man mal davon aus, dass sie giftig sind. In aller Regel veschwinden die Viecher auch artig, sobald ein Fussgänger auftaucht. Sie brauchen dafür jedoch einen Moment. Beim Wandern aufs Handy schauen ist beispielsweise eine schlechte Idee. Auch Trailrunning ist nicht ohne, da die Schlangen zu wenig Zeit haben den Weg frei zu machen. Doch Australien ist gross und es gibt genügend Platz für alle.

Ich habe ja bereits bei meiner ersten Australien Reise mit den Schlangen meine Erfahrung gemacht und vielleicht bin ich schon zu abgebrüht um grosse Gefühlsregungen bei deren Aufkreuzen zu verspüren. Genügend Abstand und Respekt hingegen sind gesund. Heute war besonders: beim Wandern bin ich einer Tiger Otter (Tigersnake) begegnet und sie hat besonders lange gebraucht um zu verschwinden, sodass ich sie mir gut merken konnte. Sonst sehen sie alle sehr ähnlich aus.

Viel mehr erfreut, hat mich jedoch die Begegnung mit einem Quokka. Dieses Exemplar ist, anders als seine Artgenossen auf Rottnest Island, ziemlich schnell im Unterholz verschwunden. Die Tiere hüpfen behende und bieten einen äusserst kuriosen Anblick.

Die Gegend hier im Südwesten besticht durch ihre einzigartigen Wälder mit sehr hohen Bäumen. So habe ich mich die letzten Tage an den Karri Bäumen erfreut. Heute tingle ich die Tingle Trees entlang des berühmten Bibbulum Track‘ ab. Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Eukalyptus Art und zeitweise liegt wiederum ein herrlicher Duft in der Luft. Die Bäume sind unten am Stamm besonders dick. Im Lauf ihres langen Lebens werden sie löchrig oder bilden oftmals gar Tunnels. Dies aufgrund von Pilzbefall und / oder Waldbränden.

Nach gut 20 km erreiche ich den Tree Top Walk. Eine besondere Attraktion, um den Wald in seiner vollen Pracht zu bewundern. Es handelt sich um einen 600m langen Steg, eine Stahl-Konstruktion, mit deren Hilfe man auf Höhe der Baumwipfel gelangt. Es gibt auch einen Stand mit Kaffee und sogar Glace und ich freue mich mal wieder riesig über die einfachen Dinge des Lebens. Die meisten Leute gelangen mit dem Auto hierher. Das ist gut so, denn somit stehen hier zahlreiche Rückfahroptionen für mich zur Verfügung. Ich gucke mir ein nette Familie aus Südafrika aus, die im Pickup zusammenrückt und mich nach Walpole mitnimmt.Ich bin hier für drei Nächte, denn das Hostel ist ausserordentlich günstig und die Gegend interessant. Danach werde ich mich dem Stirling Range National Park und seinen Gipfeln, auf denen es immerhin manchmal Schnee geben soll, zuwenden. (Nördlich von Denmark und Albany).

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Happy climbing Bushcampers

30 Dez

Landschaftlich wäre die Margaret River Region ein wahres Bijou. Leider ist das Gebiet diese Tage von Urlaubern aus Perth überschwemmt. Abgesehen von der Küste mit den Wahnsinnsstränden ist die Topographie hügelig. Die Strassen sind von schönen Bäumen gesäumt und zwischendurch erspäht man Weinreben oder beige Felder mit vertrocknetem Gras. Alle paar Kilometer lädt ein Weingut zu Kostprobe und zum Mittagessen ein. Hier wäre prima Rennvelo fahren.

Heute ist ‚Touri-Drive‘ und Camping angesagt und ich möchte eigentlich nicht wieder auf einem überfüllten Caravanpark landen. Die Fahrt nach Augusta ist wirklich ein Genuss. Doch der Ort ist selbst jetzt in der Hochsaison träge und langweilig. Das Cape Leeuwin hingegen ist ein Besuch wert. Hier kommen der indische Ozean und das Meer südlich von Australien (und nördlich der Antarktis) zusammen. Es gibt ausserdem einen Leuchtturm und allerhand Erzählungen dazu. Ich erstehe mal wieder ein Souvenir und fahre weiter – ab in den Wald.

Beim Beedelup Nationalpark decke ich mich mit Broschüren ein und besuche die Hängebrücke und die Wasserfälle (die sind hübsch, jedoch mikrig). Der ‚walk-trough-tree‘ ist dafür witzig. Ich entdecke einen hübschen grün-roten Vogel. Gerade möchte ich ihn fotographisch für Dich einfangen, da macht mir eine Horde laut schwatzender Asiaten, die des Weges kommt, einen Strich durch die Rechnung.

Die Bäume hier sind ausserordentlich hoch, sehr beeindruckend. 60 Meter und mehr ist keine Seltenheit. Es sind Karri Bäume, eine Art Eukalyptus. Ich kann mich gar nicht satt sehen – so sehr gefallen mir die Riesen. Die nächste Attraktion ist der Bicentennial Tree. Allerdings tut mir der Anblick von Nahem im Herzen weh. Da er einst als Aussichtspunkt für etwaige Feuer auserkoren worden war, sind zu seiner Besteigung Armierungseisen in Form einer Wendeltreppe hinein gerammt worden. Der Begriff Treppe trifft es nicht ganz. Es ist eher eine Räuberleiter. Diese steht nun jedermann zur Besteigung offen. Ohne Sicherung. Die Tatsache, dass dies von den Behörden so toleriert wird ist das beliebteste Gesprächsthema der Besucher. In Europa wäre dies meiner Einschätzung zu folge nicht möglich. Hier funktioniert es, jedenfalls weiss niemand etwas von einem Zwischenfall.

Wie erhofft finde ich für heute Nacht meinen Cony-Moon in Form eines abgelegenen, wenn gleich gut besuchten, Bushcampingplatzes. Ich teile die noch freie Day-use-Area mit Surfer-Taylor und Dan. Die beiden müssen erstmal ihr riesen 4×4 Fahrzeug aufräumen. Sie haben neun (!) Surfboards dabei. Ich finde mich in Sachen Sportausrüstung die ich zu Hause habe auf einmal ziemlich bescheiden. Wir haben es gut, teilen sogar unser Futter und der Abend vergeht wie im Fluge.

Bevor mich die Müdigkeit entgültig übermannt, schaffe ich es gerade noch einen Plan für morgen zu schmieden: 10 km Joggen hier auf dem Trail, Raggadusche (=shower in the box), Pemberton ins Comestibles Geschäft, dann den Shannon NP Selfdrive mit Info via Autoradio, da gibt es noch einige Walkingtrails. Anschliessend nach Walepole, wo ich ein günstiges Zimmer reserviert habe. Welches ich wahrscheinlich verlängern muss. Es gibt nämlich viel anzuschauen und zu wandern in dieser Gegend.

So sehr ich bisher über Camping gemotzt habe, ich finde es unvergleichlich schön, morgens von Vogelgesang geweckt zu werden. Zum Glück hab ich auch einige wenige warme Sachen dabei.

Der Trail entpuppt sich als hügelig und anstrengender als vermutet. Dan und Taylor haben die monster Räuberleiter des Dave Evans Bicentennial Trees ebenfalls gemeistert und wir verabschieden uns herzlich. Wer weiss? Vielleicht kommen die ja mal im die Schweiz. Taylor als semi professionelle Surferin erinnert mich schwer an meine Gelitschirmzeiten. Die beiden Mates sind so lieb.

Die letzten 3 km des Trails verlaufen im Wald, einem Flüsschen entlang und sind dermassen überwältigend schön, dass ich gleich noch einmal zurück jogge und die Strecke wiederhole. Das ist mal wieder eine ordentliche Laufrunde! Ich schlage mir den Bauch mit Pumpernickel, Avocado (vom Stand hier mit dem Kässeli) und Mangochutney, gewürzt mit rattenscharfem Limechutney, voll! Dazu gibts noch Pistazien…. Damit es nicht ganz vegan ist, noch ein bisserl Weihnachtsschoggi. lecker. Whats next?

Ah ja Pemberton. Der Ort ist hübsch und es gibt sogar eine Eisenbahn. Das Gourmetgeschäft ist allerdings fast leer geräumt. So genehmige ich mir einen Café-Latte und fahre weiter in zum Shannon NP, Riesenbäume schauen. Die kürzeren Wanderungen sind zwecks Unterhalt gesperrt. Schade. Ich schaue mich jedoch noch einmal so richtig satt an den hohen, bis zu 300 Jahre alten, Bäumen und fahre nach Walpole zu meinem nächsten Etappenziel. Walpole liegt an der Südküste und der bekannte Weitwanderweg, der Bibbulum Track, führt hier lang.

Wo hört Perth auf und wo finde ich den Cony-Moon?

28 Dez

Nun, da ich Perth verlasse, verspricht die Wettervorhersage wieder Temperaturen nur knapp über 20 Grad und kühle Nächte. Dabei steht wieder Camping auf dem Programm.

Ich erlebe meinen ersten Stau in Australien! Es sind Schulferien und diejenigen Perther die nicht dem Boxingday-Shopping fröhnen, sitzen im Auto und fahren nach Süden. Genau wie ich. Ein erboster Autofahrer, der Reissverschluss nicht kennt, lässt die Scheibe runter und brüllt etwas in meine Richtung. Ja, beim Autofahren verstehen die OZs keinen Spass.

Die Margret River Region ist sehr populär und auf dem Caravan Park in Busselton bekomme ich zu verstehen, dass ich hätte reservieren sollen. Es ist jedoch noch ein Plätzchen frei. Ich erstehe ein Souvenir und unternehme einen gemütlichen Spaziergang auf der 1.8 km langen Jetty. Das Licht ist wunderschön und meine Stimmung wäre entspannt, wenn ich nicht gleich auf eine Gruppe mit Kerlen treffen würde. Die wollen eigentlich flirten, kommen mir aber schräg rein. So putze ich den mit dem grossen Maul ziemlich runter. Dabei wollte er mich wohl mit seinem holprigen Französischen Satz beeindrucken. Als ich fliessend antworte, schaut er blöd aus der Wäsche und wechselt zurück ins Englische. „Und nein, ich möchte auch nicht ins Wasser springen und schauen ob die Fische da sind. Ich mag nämlich kein Wasser. Spring doch selber oder traust Du dich nicht? Hast wohl bloss ein grosses Maul?“ (Der Typ ist aus Abu Dhabi und ist sich so etwas vermutlich nicht gewohnt). Aber seine Kumpels lachen sich fast schief. Doch mir nicht mehr ganz wohl bei der Sache. Auf dem Rückweg komme ich noch einmal dort vorbei und man kann also auch normal mit dem reden. Ich verschwinde mit der Ausrede, dass meine Leute auf mich warten. Aber hey – das war eines der wenigen Male im Leben, wo ich nicht lieb und nett war. Das ist irgendwie gut. Und der Typ träumt wohl jetzt von mir… hehe

Zurück inmitten der Camper kommt ein Hund vorbei. Diesmal ist er nur wenig grösser als ein Meerschweinchen. Ich mag aufdringliche Hunde nicht, doch den hier kann ich nicht ernst nehmen und ich muss insgeheim schmunzeln. Schon gestern war so ein scheiss Köter immer hinter mir her und hat es also zweimal geschafft meine Beine abzulecken (es war nicht der vanillefarbige Labrador, der war wohlerzogen). Pfuiteufel! Der Besitzer meinte nur ‚er tut nichts‘. Ich finde das einfach nur eklig und solche Aussagen ignorant. Ich scheine eine magische Anziehungskraft auf die Tiere auszuüben. Gestern hätte ich mir wohl mit meinem Pfefferspray einige Sympathien verspielt und das Tier kann ja nichts dafür… jaja Stadt-OZies und ihre Köter ist ein spezielles Thema.

Obwohl der Campingplatz gerammelt voll ist, ist es nachts ruhig. Doch kalt ist es. Die sind wohl alle eingefroren? So gönne ich mir zwei Nächte auf einem Weingut. Ich freue mich und ich nehme mir vor viel Wein zu probieren.

Auch der Nachbarort Dunsbrough platzt aus allen Nähten. Von Darwin in der Wet Season kommend, bin ich mir anderes gewohnt. Obwohl ich eine gewisse böse Vorahnung hatte, gleicht das hier Ferien in Lloret de Mar oder Rimini. Auch auf dem Parkplatz des Nationalpark Cape Naturaliste muss man sich anstellen. Ich werde mich die nächsten zwei Tage wohl nebst dem Wandern, vor allem dem Wein widmen.

Auf diesem Weingut (Barnyard 1978) haben sie ansprechenden, speziellen Chardonnay. Speziell, weil eher trocken. Die Küche ist mediterran, bis auf das Brot, das machen sie dunkel. Ich schlage mir so richtig den Bauch voll und putze das Öl, den Basilikum-Feta Dip und die Chilli Sauce mit Brot weg! Mehr schaffe ich nicht. Kein Nachtisch. Der Service gibt mir mehrmals mit Nachdruck zu verstehen, dass sie im Fall um fünf schliessen. So probiere ich halt kein drittes Glas Wein.

Es ist vier Uhr nachmittags und ich möchte mich am liebsten hinlegen. Stattdessen schubse ich mich mit meinem vollen Bauch auf einen Verdauungs-Spaziergang und entdecke einen Surferstrand mit wilden Wellen höher als ein Mann. Respekt, was die Gentlemen in dieser Waschmaschine zeigen. Für einmal ist selbst das Zuschauen aufregend.

Am folgenden Tag erkunde ich den Wanderweg der Küste entlang (Cape to Cape Track). Dorthin zu gehen, wo man nicht mit dem Auto hinkommt, ist vermutlich ein guter Trick dem Trubel zu entfliehen. Denn manche OZs scheinen etwas bewegungsscheu und gehen nicht gerne zu Fuss. Nach 5 Minuten nimmt mich ein Surfer mit. Er fährt allerdings nur 5 km weit und ich steige auf ein Pickup um. Vorne ist voll, so nehme ich die Ladefläche. Als die Strasse dann bumpy wird, meinen die Jungs ich solle mich doch vorne rein quetschen. Sind ganz liebe. Dieses Surfertaxi bringt mich zum Strand und zum Track. Eine ideale 20 km Wanderung zurück. Der Weg ist ziemlich gut zu finden, doch verläuft häufig im Sand. Ich kenne das schon. Man muss einfach viel Zeit einplanen um die Schuhe auszuziehen oder sie vom Sand zu befreien. 20 km sollten also genügen. Tatsächlich sind kaum Leute unterwegs. Nur einige Strände sind gut besucht. Die Küstenlandschaft fantastisch und abwechslungsreich. Ganz am Schluss der Wanderung gibt es den ersten Schlangenkontakt. Sie erschrickt aber vor mir und ist schneller weg, als ich mein kleiner Schreckensquieker. 2 km später erreiche ich meine Unterkunft.

Ich fahre nach Margaret River. Nicht ohne unterwegs noch ein zweites Weingut für ein kleines Winetasting zu besuchen.

OZ Christmas for Coni

25 Dez

Da! Da ist es!

Es ist der 25. Dezember und wir sind auf der Fahrt zu Hans‘ Christmas Sause. Das erste Mal ‚Wham!‘ diese Saison. Nachdem ich wegen Rebis Watsapp-Nachricht mit “Feliz Navidad“ schon ganz sentimental geworden bin und das Lied nicht mehr aus mir raus kriege. Wenigstens hat es ‚let it snow‘ verdrängt. Dieser Song hat mich gestern verfolgt.

Abgesehen von den über 30 Grad und dem wolkenlosen Himmel, ist OZ Christmas ähnlich wie Weihnachten bei uns in Europa. Auch hier grassieren Konsumwahn und Festtags-Obsession sowie die ‚eine riesige Esstörung‘ Das grosse Fressen (danke Renato Kaiser). Ein wenig gekünstelt mutet die winterliche Schneedekoration und der Weihnachtsmann im Wintergewand an. Mit ein bisschen Kreativität liesse sich eine authentische OZversion etablieren: Wie wärs mit Santa in Shorts, Shirt und mit Flipflops? Die Rentiere würden durch Kängurus ersetzt? Oder lasst ihn uns gleich auf ein Surfbrett stellen oder ihn einen rechten 4li4 mit Trailer fahren?

Hans mag Weihnachten nicht sonderlich. Er legt sich aber gleichwohl schwer ins Zeug. Er backt einen Schoko-Kuchen nach traditionellem Rezept und ist den ganzen Vorabend nervös wegen des 4,5 kg Roastbeefs. Er brät es über Nacht im Ofen bei Niedertemperatur und als es am Morgen rauskommt sieht es sehr viel versprechend aus. Jedenfalls bin ich gespannt, wie seine Leute feiern. Ich erwarte eine bier- und weinselige, wild rauschende Geschenke-Auspackschlacht.

Tatsächlich gibt es einen Weihnachtsbaum in der herausgeputzten Stube in einem wunderbaren Haus auf dem Land, inklusive vanillefarbigem Labrador. Rund um den Baum stapeln sich allerlei Geschenke und jede Menge Süssigkeiten locken Schleckmäuler wie mich. Es ist richtig lustig und ein sehr angenehm-freundlicher Trubel. Ich werde mit Schokolade überhäuft. Von Hans bekomme ich ein cooles Büchlein mit Slang Ausdrücken geschenkt. So von allen Seiten verwöhnt, bin ich ja schön froh, dass ich mich nicht an die Regel ’no presents‘ gehalten habe. Die Leute sind extrem nett und es macht Spass sich mit ihnen zu unterhalten. Als dann alle am Tisch sitzen, werden mit dem Tischnachbarn übers Kreuz, die Knallbonbons gezerrt. Sie enthalten Papierkronen, kleine Spielzeuge oder Zettelchen mit Witzen. Ein sehr nettes Feature. So ein schönes Weihnachtsfest. Wir bleiben den ganzen Nachmittag lang dort. Als wir schliesslich die 200 km Rückfahrt in Angriff nehmen leuchtet die Hügellandschaft im Licht des frühen Abends. Ein ganz besonderes Weihnachtsfest.

Morgen heisst es Abschied nehmen. Der 2. Teil des Roadtrip nach Südwest Australien startet!

Happy Perth-Day

22 Dez

Vom Sonnenschein zeitig aufgeweckt und eine grosse Ladung starken Kaffee intus, begebe ich mich zu einer morgendlichen Joggingrunde dem Swan River entlang. Dabei geniesse ich die Aussicht auf die Skyline. South Perth ist chic! Die Strecke führt mich vorbei am fast fertigen, neuen ‚Perth Stadium‘. Dieses ist nicht nur an einem schönen und gut zu erreichenden Ort (nur ÖV und zu Fuss erreichbar) errichtet worden, es ist ausserdem ein bauliches Meisterwerk und wird im Januar eröffnet. Besonders stolz sind die Leute auf die fancy Beleuchtung.

Perth Stadium, News

Full Lightshow Thunderstroke

Nach der Laufrunde brauche ich eine Stärkung in Form eines Latte. So erquickt komme ich auf die Idee, den Tag mit einer Bootsfahrt noch zusätzlich zu verschönern. Auf dem Boot ist es dermassen entspannend, dass ich gleich ein kleines Nickerchen halte. Die Ufer des Swan River sind fast restlos mit Wohnhäusern zugebaut. Gegen Ende der Fahrt erreicht die Fähre dann ein Container Hafengelände. Wir nähern uns dem Meer und dem Ziel der Fahrt, Fremantle.

Ich gehe den dortigen Knast anschauen, der zusammen mit anderen Convict Sites in Australien ‚Weltkulturerbe‘ ist. Hmmm, mal sehen was da dran ist.

‚Freo‘ ist so ziemlich der einzige Ort auf meiner bisherigen Reise, der über ein Zentrum mit alten Gebäuden verfügt – D.h. solche die über 100 Jahre alt sind. Dutzende reizende Shops und Restaurants laden zum Bummeln ein. Hier kommt richtig Ferien Stimmung auf.

Die Frau an der Kasse des Gefängnisses fragt mich, ob ich irgendwelche Karten für Vergünstigungen hätte. Wirklich keine Studentcard? Ijaaa, das nehme ich ja so gerne mit, you made my day!

Zusammen mit anderen ‚Convict Sites‘ in Australien, steht das Gefängnis für eine Epoche der ‚Zwangsmigration‘ von England nach Australien im 18. und 19. Jahrhundert. Die Inhaftierten mussten dieses hier ab 1850 gleich selber errichten. Die hiesigen Siedler der Swan River Kolonie wollten es eigentlich ohne Gefangene schaffen, da sie mit dieser Politik nicht einverstanden waren. Sie änderten jedoch ihre Meinung, stellten aber Bedinungen: keine Gewaltverbrecher, keine Frauen, kein politischen Gefangenen. Nur wegen leichter Vergehen Inhaftierte.

Doch stell dir vor: England befand sich in der Industrialisierung und zahlreiche Menschen strömten aus den Dörfern in die Städte. Anstatt Arbeit und ein besseres Leben, erwartete sie Dreck, Hunger, Krankheit und Armut. So mancher wurde aus purer Verzeiflung in die Kriminalität getrieben. Essen stehlen war ein weit verbreiteter Gesetzesbruch. Wer erwischt worden ist, wurde drakonisch bestraft. Für Lebensmittel Diebstahl gab es 7 Jahre. Die Gefängnisse waren so voll, dass man die Inhaftierten auf Schiffe auslagerte. Gleichzeitig hatten die Siedlungsgebiete in Australien ‚Personalprobleme‘ bei der Errichtung der Infrastruktur sowie der Ausweitung der Siedlungen. Gleichzeitig war die Kolonie in Amerika abtrünnig geworden und Frankreich schielte ebenfalls nach Australien. So war es ein logischer Schritt, mit der Entsendung von Schiffen mit Inhaftierten, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Vergleichsweise spät, nämlich ab Mitte des 19. Jh auch nach WA. Jeder 5. oder 6. verstrab bereits während der Überfahrt. Wer es schaffte, erhielt zur Begrüssung 12 kg schwere Fussfesseln.

Die Schiffe wurden im Falle von Fremantle Prison, gleich als Baumaterial verwendet, da man nur die ältesten Kähne für diese Überfahrten nutzte und es ohnehin ‚oneway‘ war. So erinnert die Gallerie im dreistöckigen Innenhof tatsächlich an ein Schiff.
Die Haftbedinungen waren übel. Die Erhaltung der Arbeitskraft stand an erster Stelle. Die Insassen wurden isoliert, es gab keinen Speisesaal und Sprechen war verboten. Entsprechend waren dann auch die Erfolgsquoten nach der Entlassung. In den unverputzten Kalksteinwänden hauste Ungeziefer, jeder hatte einen Scheisskübel und eine 2×1 m Zelle in der er ausserhalb der Arbeitszeit eingesperrt war.

Ausbrecher wurden mit der 9-schwänzigen Katze ausgepeitscht. Im Gegensatz zu den Gefängnissen im übrigen Australien, lebenserhaltend. Das heisst, die Nierengegend und die Region am Naken mit wichtigen Blutgefässen wurden abgedeckt. Wenn der fehlbare Häftling nach ungefähr 20 Hieben schwer genug verletzt war, desinfizierte man die Wunden mit Salz. Danach brachte man ihn für einige Wochen ins Spital. Um die Prozedur so oft zu wiederholen, bis die 100 Hiebe erfüllt waren.

Die letzte solche Bestrafung fand 1943 an einem eigens dazu aus New South Wales verlagerten Häftling statt. Auch mehrere Wochen oder Monate dauernde Isolationshaft (Licht, Schall, Kontakte) bei Wasser und Brot und Todesurteile durch Erhängen wurde hier, noch bis weit ins letzte Jahrhundert hinein, vollstreckt.

Besonders kritisiert wird auch, dass Kinder und Jugendliche, nur ungenügend getrennt von Gewaltverbrechern hier eingesperrt waren. Die einzig hier je exekutierte Frau heisst Marta. Sie hat drei ihrer Stiefkinder misshandelt und schliesslich zu Tode gequält, indem sie ihre Kehlen mit Säure verätzt hat. Das hat ausgesehen wie Diphterie. Schliesslich sind die Kinder eins nach dem anderen qualvoll an Unterernährung gestorben, da sie nicht mehr essen konnten. Marta trieb ihr Unwesen über Jahre, das letzte Kind entkam zu seiner Mutter, der der Vater die Kinder weg genommen hat, um mit der neuen Frau zu leben. Diese Geschichte verfolgt mich ziemlich. Der Knast, lange berüchtigt für die prekären Haftbedingungen, ist erst 1991 geschlossen worden. Der Besuch ist zwar von der gruseligen Sorte, doch richtig interessant. Nicht zuletzt wegen Ian, dem Guide und begnadeten Erzähler.

Ein Bärenhunger treibt mich in die nahe gelegene Markthalle. Es gibt ein umgangreiches Angebot an Delikatessen aus aller Welt, ab und zu mit australischer Modifikation: Känguruh- oder Krokodil Trockenfleisch und Würste. Sie haben all dieses Organic-Zeug hier worauf ich stehe. Gefährlicher Ort bei Heisshunger. Ich schnappe mir Vegi Samousas und Rohkost (Randen-Rüeblisalat und Zucchetti Nüdeli mit Basilikum-Rahmsosse) und erinnere mich immer wieder, dass ich mit dem ÖV hier bin, alles tragen müsste und zudem zum Dinner verabredet bin. Ich erstehe ein richtiges Vollkornbrot und flüchte.

Hinter Hans‘ Haus steht ein Zitronenbaum mit haufenweise reifen Früchten. Für mich der Wahnsinn, ich darf mir Limonade daraus machen soviel ich will und Hans hat erst noch Stevia. So geht das volle Coni-Verwöhnprogramm weiter.

Am Abend geniesse ich mit Simon ein Apéro in einer klasse Kellerbar mit Rockmusik. Und anschliessend ein noch klasseres Sushi und eine weitere Steigerung ist jetzt schlicht nicht mehr möglich.

http://perth.sushia.com.au/

Perth – ankommen und ein bisschen bleiben

20 Dez

5 Wochen – 8350 km – 9 National Parks – 3 kg Müesli – 7.5 dl Sonnencreme – 11 FB Freundinnen – was für ein Trip!

Der grosse Vorteil, solo unterwegs zu sein liegt darin, dass man tun und lassen kann, was man will. Eine Voraussetzung dafür ist, erst einmal zu wissen was man will. Insbesondere für den seltenen Fall eines Stimmungstiefs, ist es essentiell sich selbst und ein Mittel zu kennen, dass einem wieder froh macht. Es gibt nicht immer einen wirklichen Grund für miese Laune. So können es mitunter banale, einfach zu behebende Störfaktoren sein: es ist zu kalt, es regnet oder Hunger ist auch ganz schlecht. Bei mir kommt in solchen Fällen schleichend Unzufriedenheit auf, die sich zu mieser Stimmung und Frust weiterentwickelt. Diese Tage so geschehen. Mir war langweilig und kalt. Ausserdem hab ich erst nach einem imensen Picknick bemerkt, dass ich so richtig hungrig gewesen bin.

In Jurien Bay bin ich dann noch in die Laufschuhe geschlüpft und habe eine phantastische Strecke dem Meer entlang gefunden. Das Wetter war garstig: windig und zwischenzeitlich Regenschauer. Doch es hat sich grossartig angefühlt sich wieder einmal zu verausgaben. Hinzu ist bald der Entschluss gekommen, gleich am nächsten Tag nach Perth zu Hans zu fahren.

Ich freue schon lange auf den Besuch und wollte die Vorfreude noch ein bisschen aufsparen. Hans ist ein waschechter Australier (jaja, er besitzt auch ’nen richtigen OZ-4×4 mit Schnorchel, kein Disco-SUV) mit Schweizer Wurzeln, den ich vor zwei Jahren in Tasmanien getroffen habe. Mitten auf der Strasse. Beide wollten ein Foto vom gleichen Sujet machen. Herrlich!

Ich bin seit 04:30 auf den Beinen und jage Regenbogen in der Pinaccle Desert. Die Landschaft mit den vielen kleinen und grösseren Steintürmen und dem gelben Sand, ist bei diesem Wetter besonders hübsch anzuschauen. Der Gedanke, dass dies wohl eine versteinerte Christbäume sind, entlockt mir ein Schmutzeln und ist wohl saisonbedingt. Ausserdem bekomme ich bei der Kälte heimatliche Gefühle. Regengüsse, starker Wind und Sonnenschein. Aprilwetter im Dezember.

Klettern verboten! Bäh, sind eh zu klein. Aber ein bisschen rumturnen geht immer

Die Weiterfahrt zum Yanchep NP kommt mir trotz der schönen Landschaft ewig vor. Ich bin extrem müde. Warum bin ich nur so früh los? Ich fahre einen 12 km Umweg für den scheusslichsten Kaffee von ganz Westaustralien. Been there, done that, wäre jetzt abgehakt.

Vom Auto aus sind immer wieder weisse Wanderdünen im dunkelgrünen Buschland zu sehen. Die sehen fast aus wie Schnee. Auf einer stakst ein Emu herum. Dies ist nun also ein Wandervogel. Es gibt auch Grasbäume und Büsche mit hübschen orangen Blüten. Eine wilde, aber malerische Gegend.

Der anschliessende Spaziergang den See im Yanchep Nationalpark weckt . meine Lebensgeister wieder. Stellenweise trieft die Luft schier vor Eukalyptus Duft und irgendeinen Gewürz, das an Green Curry erinnert. Ich werde fast süchtig danach und inhaliere ihn beinahe. Jedesmal erfasst mich Bedauern, wenn eine Windböe den Wohlgeruch stört. Nach einer Höhlenbesichtigung, bei der ich die einzige Besucherin bin, schlendere olfaktorisch stimuliert durch eine neue Eukalyptus-Duftwolke und fotografiere Koalas. Die haben ein wirklich zufriedenes Dasein: sie fressen und schlafen eigentlich nur. Also wenn ich in einem meiner nächsten Leben, bedingt durch möglicherweise unanständiges Verhalten irgendwelcher Art, als Tier wiedergeboren werden würde, dann wär Koala Bär durchaus eine valable Option. Ich könnte mir vorstellen, dass sich so ein Viech weder viel Hirn, noch viele Sorgen im Leben macht. Ideale Voraussetzungen also für Zufriedenheit.

Eat – Sleep – Repeat. Das Leben kann so unkompliziert sein

Schliesslich fahre ich die letzten 30 km nach Perth. Ich schaffe es einfach nicht mit leeren Händen bei Hans aufzukreuzen. Sodass ich mindestens noch ein kleines Dessert organisieren muss. Welch herzlicher Empfang! Eine ganz ganz dicke Umarmung! Ich kriege ein wunderschönes sonniges Zimmer, eine warme Dusche und das Nachtessen ist schon fertig! Unglaublich. Die Krönung ist der Teddy in meinem Bett. Endlich mal wieder jemand zum kuscheln, haha! Es läuft das ‚Coni-Verwöhnprogramm‘. Ich hoffe ich kann mich auf die eine oder andere Art irgendwann revanchieren.

Am nächsten Morgen bekomme ich guten Kaffee á discretion, ein superduper ÖV-Briefing sowie eine private Stadtführung. Perth ist ein guter Ort, sehr progressiv und straight forward. Nebst einem wirklich modernen ÖV, gibt es drei sechs Sterne Hotels und für ‚Coni-Normalverbraucher‘ eine schöne nette Fussgängerzone mit Anschluss zum Wasser am Elizabeth Quay, an den Swan River. Der Kings Park und der Botanische Garten sind ideal um sich die Füsse zu vertreten und die vergangenen Wochen botanisch noch einmal Revue passieren zu lassen. Es gibt sogar zwei Boab Trees. Zum Dinner gibt es ‚Fi Chi‘ (Schnipo auf australisch, Fish’n Chips), bis fast platze. Es ist schön hier zu sein

Elizabeth Quay in Perth

BAUEN nicht einfach, sie bauen SCHÖN

Der Brot-Himmel, die Camping Realität und das Warten auf Ben

17 Dez

Kalbarri entpuppt sich immer mehr als wahrer ‚Place-to-be‘. Hauptsächlich wegen seiner Naturschönheiten. Es gibt ausserdem zahlreiche gemauerte Häuser hier und einige hübsche ‚Lädeli-Lädä‘, wenn man möchte, aber noch mehr. Heute werde ich dennoch weiter reisen. Bevor es losgeht, besuche ich die kostenlose Pelikanfütterung gleich 300m von meinem Motel am Strand. Zwei kompetente, vitale Senioren, kommen pünktlich um 08:45 mit zwei kleinen Kübelchen mit kleinen Fischen daher. Daran und dass sie die gleichen Shirts mit Aufschrift tragen, erkennt man, dass sie die Offiziellen sind. Die Pelikane und die Touristen sind bereits da. Der Gentleman erzählt auf unterhaltsame und humorvolle Weise über die Tiere. Dabei versäumt er es nicht seine Kollegin, ebenfalls eine flotte ältere Dame, zu necken.

Pelikane, bekannt für ihren grossen Beutel am Schnabel, der rund 10 Liter fasst, sind faszinierende Vögel. Sie verbringen den Grossteil des Tages zu Wasser und schlafen an Land. Ihr Nest sei sehr unordentlich. Mein Motel heisst ‚Pelican’s Nest‘, ist aber tiptop. Dann und wann werden die Vögel von Fernweh geplagt und um Abhilfe zu schaffen, reisen sie mit einer Flughöhe von 1000m und einer Maximal-Geschwindigkeit von über 50 km/h, rund 24 Stunden ohne aufzutanken…

Lieben Sushi

Nach dieser interessanten Vorführung spreche ich kurz mit den ‚Schweizern des Tages‘ und freue mich.

Jetzt muss ich Tanken und Vorräte auffüllen. Im Supermarkt entdecke ich zu meinem Entzücken, etwas versteckt Pumpernickel. Bekannterweise ist Brot ja kein Grund nach Downunder zu reisen. Jetzt hab ich! Als nächstes steht ein schönes Frühstück auf dem Programm: und Überraschung – es kommt mit Sauerteig-Ruchbrot mit Rinde daher. Ich kann es fast nicht glauben, das Beweisfoto ist hier. Es stammt aus der lokalen Bäckerei!

Das Sonntagsfrühstück am Samstag

Jetzt aber los! Ich habe heute ein volles Programm. Als nächstes möchte ich den lokalen Schnorchel-Spot besuchen. Gestern war mir die See zu wild. Heute ist es nur wenig besser. Die Strömung ist stark und es gibt nur wenig Fische. Nach 15 Minuten sitze ich wieder im Auto. Ich bin auf dem Weg zu einem, laut Empfehlung aussichtsreichen Wanderweg. Er verläuft 8 km weit, oberhalb der Klippen entlang. Ich habe ihn gestern bereits in Augenschein genommen. Leider war der Nachmittag bereits fortgeschritten und niemand mehr da, der mir einen ‚Lift‘ zum Ausgangspunkt gegeben hätte. Heute habe ich mehr Glück. Ich darf bei einer Familie aus China einsteigen. Die Wanderung ist zauberhaft und sehr entspannend. Dank des Windes ist es auch nicht zu heiss. Nebst der schönen, wilden Klippenlandschaft kreuzen dann und wann Seevögel auf, die aussehen wie kleine Falken.


Zurück beim Auto verspeise ich die restlichen Pommes von gestern Abend (ja – ich hasse Foodwasting) und fahre in Richtung Süden. Meine vorletzte Station für heute ist der Pink Lake. Er sei gar nicht so einfach auszumachen. Ein weisser Salzsee taucht auf. Er ändert tatsächlich die Farbe. Allerdings wird er lila, dann pastellblau und schliesslich ganz leicht rosa. Eine BASF Niederlassung (Chemiewerk) verdeckt die Sicht. Ob die Farbe des Sees in Tat und Wahrheit mit BASF in Zusammenhang steht? Offiziell sondern im See lebende Bakterien eine Substanz ab, die das Wasser je nach Sonneneinstrahlung, rosa erscheinen lässt. Vom anderen Ufer her betrachtet, ist der See dann tatsächlich ein bisschen rosa. Alles gut.

Pink Lake

Die Landschaft wird hügelig und besteht aus angemähten Feldern oder ist mit riesigen Flächen vertrockneten Gras‘ bedeckt. Der Horizont ist weit. Die Gegend lässt wohl das Herz eines jeden Landwirt höher schlagen. Ich denke an ‚meine‘ drei ‚Swissblokes‘ die in der Zwischenzeit schon weit im Osten, in Kalgoorlie sind. Richtig gute Leute, sehr sympathisch! Die kurvenreiche Strasse führt mich im hübschen Ort ‚Northhampton‘ wieder auf die den Highway.


Die Dichte an richtig ernsthaften 4×4-Fahrzeugen mit Schnorchel und ‚mit scharf und alles‘, hat markant abgenommen und korreliert umgekehrt mit den Spritpreisen. Nicht ganz logisch. Dafür hat der Anteil normaler PWs und auch derjeniger, der Disco-SUVs erheblich zugenommen. Die Roadtrains sind verschwunden. Die Lastwagen haben jetzt maximal zwei Anhänger. Weniger als vor einigen Tagen, nur ab und zu, hebt noch ein Autofahrer den Finger zum Gruss. Ja, ich nähere mich den Städten Geraldton und Perth.

Die Anfahrt zum Coronation Beach ist wunderschön. Hinter den Hügeln erscheint das Meer. Die Strasse verläuft in Kurven und sogleich sind schon die ersten bunten Kites im sanften Licht des fortgeschrittenen Nachmittags auszumachen. Wohl aufgrund der Stadtnähe ist der Coronation Beach gut besucht. Es ist noch einmal Camping angesagt, da die Kite Surf Schule gleich hier ist. Ben, mein neuer Kitesurf-Meister meint, das wird was morgen. Er kommt aber erst um Halbelf oder um Elf. Hmm.

Nach einigem Suchen, finde ich noch einen freien Platz. Ein ziemlich geschwätziger Alter hat mir schon angeboten, mein Dachzelt neben seinem Van aufzubauen. Lieber nicht, sehr freundlich, danke. Ich manövriere hin und her. Der auserwählte allerletzte freie Platz ist schräg und erneut kommt ein alter Kerl daher und meint ich solle doch neben ihm. Nein Danke, zu liebenswürdig. Ich möchte aber den schrägen Platz, weil er besser vor Wind geschützt ist. Die Infrastruktur hier ist basic basic, bestehend aus Plumpsklos, Abfalleimern und Pavillons mit Tischen und Sitzbänken. Wasser muss man selber bringen: hab ich. Es gibt eine Kabine in der man mit dem eigenen Wasser Duschen kann. Duschsack? Hab ich. Die 7$ werden sich positiv auf mein Übernachtungsbudget auswirken. Der Wind bläst gar nicht so stark. Mal schauen wie es sich hier schläft.

Kann mir mal jemand verraten, weshalb man sich für die Einfachheit des Camper Lebens entscheidet und dann Gear im Wert von Zehntausenden Dollar oder Franken, egal, an Orte karrt, wo Dutzende Gleichgesinnter sind? Also nix Einsamkeit, Ruhe und Natur pur, sondern Geschwafel, Generatoren, Kindergeschrei und Köter? Will heissen nicht nur die Ausrüstung spazieren fährt, sondern den Stress auch noch gleich mitbringt? Digital Detox allein kann es ja nicht sein und zum Saufen gibts wunderbare Pubs. Also was ist es? Kommentare erwünscht.

Wahrscheinlich hab ich gerade einen kleinen Kulturschock und bin ich deshalb ein bisschen ‚abgelöscht‘. Hier sind grad plötzlich zwanzig Mal mehr Leute als am Surferstrand in Gnaraloo. Wo viele Leute sind, hat es halt den einen oder die andere ‚Asi‘ (drei Plätze sind mit Anhängern oder einem zu verkaufenden Bus belegt, aber nicht bewohnt, Dauercampen ist ausdrücklich nicht erwünscht hier), Quasselstrippe oder schrägen Vogel. Ist so. Immerhin halten die Leute den Ort frei von Abfall.

Ich hänge über dem Gaskocher und warte bis mein dritter Kaffee endlich fertig wird. Die Nacht war okay. Es hat stark gewindet und das Zelt hat deshalb Lärm gemacht, doch diesmal ohne Geschüttel, so dass ich schlafen konnte. Heute Morgen sind schon zwei Regenfronten durch und obwohl sich auf der Rückseite die Sonne zeigt, finde ich es arschkalt. Ich bin von Kopf bis Fuss eingepackt. Kitesurfen im Wasser? Ich bin mir gar nicht mehr so sicher, ob ich das will. Das Meer ist aufgewühlt. Aber es ist erst 08:00 h und bis Ben kommt kann es noch besser werden. Um 09:00 scheint die Sonne, das Dachzelt ist versorgt, ich wäre parat. Warten auf Ben. Der Wind bläst kräftig mit gut 40 km/h vom Meer her. Es ist nach Elf, wo bleibt Ben? Er taucht nicht auf, aber sein Mitarbeiter ist zum Kiten da. Er versucht ihn zu erreichen und meint, sie hätten halt gestern eine Geburtstagsfeier gehabt. Das wusste er schon bevor er mit mir abgemacht hat. Gestern hat er noch rum gejammert wie beschäftigt er sei, bla, bla bla…

Mein Plan B für heute führt mich nach Geraldton, der grössten Stadt zwischen Perth und Darwin. Ich werde das Western Australian Museum besuchen, denn das Wetter ist dementsprechend. Danach werde ich weiter bis nach Jurien Bay fahren. Dort könnte ich morgen entweder einen Bootsausflug zu den Seelöwen machen, Fallschirmspringen gehen, Höhlen anschauen und/oder ganz früh raus um die Pinaccles Dessert im Morgenlicht zu erleben.

Herrliche Ausblicke bei der Küstenwanderung

Spektakuläre Küste im Süden von Kalbarri