Archiv | November, 2017

Ganz – und Teil des Ganzen

30 Nov

Schweren Herzens habe ich Broome vorgestern verlassen. Es ist mir schwer gefallen, weg vom Pool und meinen drei Aussie-Blokes. Sie arbeiten als Schiffsführer auf Schleppern im Hafen von Port Hedland und sind auf Weiterbildung. Sie verbringen die Tage im Simulator beim Training und müssen Prüfungen ablegen. Spätnachmittags sind sie dann plaudernd, lachend, Bier trinkend und rauchend im Pool anzutreffen. Es macht riesen Spass sich mit ihnen zu unterhalten. Wir reden über Sport und Outdoor Aktivitäten. Als das Gespräch aufs Klettern kommt, nimmt Steve (sieht ein bisschen aus wir Jesus mit Ray Ban Brille) seine obere Schublade (Zahnreihe) raus, bzw. die Prothese. Ich lach mich schief und als ich lapidar ‚Freakshow‘ daher sage, kringeln sich die andern zwei im Pool. Sie wollen mir Aussie Slang Ausdrücke beibringen und diskutieren dann aber ständig rum, was denn nun Aussie Slang Wörter sind. Aber bei den Begriffen ‚Sheila und Bloke‘ sind sie sich einig. ‚You’re a pretty good Sheila ey!‘ Danke & Grins. Neu ist ‚I have to see a man about a dog‘. Das ist eine praktische Redewendung um jemandem zu sagen ‚es geht dich nichts an wo ich hingehe und was ich da mache‘.

Es kann sein, dass ich mich da täusche, aber Ben (der Schöne) zieht ständig den Bauch ein, sobald er aus dem Wasser steigt. Tja er holt sich ab und an ein neues Bier. No further comment.

Wir haben ein hammermässiges Seafood Dinner, direkt am Meer. Dazu einen leckeren Sauvinon Blanc aus Südwest Australien ‚Beach Road‘. Besser kann etwas nicht passen (Name und Geschmack).

Ich gehe jeden Morgen am Meer Joggen oder Spazieren.

Meine schimmlige Matratze wird von Wicked Campers anstandslos ausgetauscht, Scheibenwischerblätter ersetzt und die Zeltabdeckung kann ich grad selber mit Tape flicken. So hab ich auch was zu tun. Die Typen hier von der Wicked-Autovermietung sind wirklich korrekt und extrem hilfsbereit (in Darwin ich ja den Upgrade bekommen, da hab ich nicht reklamiert wegen Kleinigkeiten, aber es kommt noch ganz dick). So bin ich also gut ausgerüstet um in südlichere und hoffentlich etwas kältere Gefilde aufzubrechen.

Der ‚Eighty Mile Beach‘ flasht mich beim ersten Anblick total! Türkies leuchtet der Ozean hinter dem roten Sand hervor, als ich über die Kuppe vor dem Campingplatz fahre. Wow, diese Farben! Als ich aus dem Wagen steige, erlebe ich eine sehr angenehme Überraschung: es weht eine schöne kühle Brise. Und die achtzig Meilen sind wirklich ernst gemeint. Der Ort ist hinreissend! Ich spaziere gleich mal zwei Stunden am Strand. Schritt, Schritt, atmen, Schritt, Schritt, atmen… Meditation pur. Ich kann das am besten beim Gehen und empfinde Zufriedenheit und Ruhe.

Da entdecke ich immer wieder neue, noch schönere Muscheln. Der ganze Strand ist voll davon. Man könnte sie beim Beach Poker als Zahlungsmittel nehmen: die grossen weissen sind die 10er, davon gibt es viele. Die flachen runden Dinger sind dann die 5er – ich nehm‘ nur die schönsten mit. Die dicken roten die 100er und so fort.

Oder ich setz mich hin und verkaufe sie an die Touristen.

Später kommen Schildkröten zum Eier legen an Land. Nicht eine, nicht zwei, es müssen Dutzende sein!

Beim Schildkröten im Sonnenuntergang schauen (ich kann es nicht glauben – es ist der Wahnsinn) knabbere ich Pistazien und hab nen kühlen Drink in der Hand. Ganz grosses Kino.

Dann kommt wieder ein Steve. Er ist Chauffeur von einem Roadtrain mit 4 Anhängern. Jetzt kann ich ihn alles fragen und er freut sich Auskunft zu geben: Sein Gefährt hat voll 195 Tonnen und leer 65t. Er hat 68 Räder und braucht einen Kilometer bis er still steht. Er wird mit vier Kameras getrakt. Als Chauffeur verdient er brutto über 160K Aussie Dollar Brutto im Jahr (120K Fr). Und ja – er bestätigt mir, dass es auf den einsamen Strassen in den Kimberlies und in West Australien durchaus üblich ist, dass man im Vorbeifahren zum Gruss die Hand hebt. Ich dachte ich seh‘ nicht richtig. Das spricht einmal mehr für die Abgeschiedenheit dieser Gegend. Man schätz es, wenn man einen Menschen sieht. Australien.

Ich überlege hin und her, ob ich diesen tollen Ort schon wieder verlassen soll um in die vermeintlich heisseste Stadt Australiens (Marble Bar) zu fahren. Schliesslich entscheide ich mich zum Bleiben. Ich hänge einfach ab, mal schauen ob ich das kann. Ich mache einen langen Strandspaziergang, atme und spiele mit Muscheln. Muschel-Tetris? Muschel-Sudoku? Achwas: Muschel-Solitär! Es gibt wirklich rein gar nichts zu tun hier, doch das ist angenehm. Musik hören was das iPad her gibt: Sheryl Crow best of, Saybia macht mich schläfrig, Kuba-Sound geht sehr gut, ein Wrap essen, denn es ist zu warm um zu kochen. Ein Nickerchen machen und hey – es liegen tatsächlich Sudokus rum.

Ich bin in Australien angekommen und ich liebe es! Schildkröten waren auf der letzten Reise im Südosten nicht zu sehen, auch keine Krokodile. Schlangen hingegen gab es sehr viele. Ich hab bisher nur eine winzige, gelb-braune am Rand eines Schwimmpools im Kakadu NP gesehen. Als ich die Felsen hinauf klettern wollte, hab ich fast drauf gegriffen, hab das Viech noch im letzten Moment bemerkt. Drei Emus und zahlreiche Känguruhs und auch Kakadus und sonst einen Haufen Vögel, Kröten, drei Lizards (grosse Echsen) und sogar einen ganz grünen Frosch. Es ist im Gegensatz zu Neuseeland der reinste Zoo hier.

Mein Plan steht: Morgen geht es sehr sehr früh los. Die Fahrt via Marble Bar (ein Brocken Jaspis im Outback) zum Karijini NP soll anregend sein, teils geht es wieder über Outbackstrassen, insgesamt etwa 500km. Dann nach Tom Price und danach zurück an die Küste zum Ningaloo Reef.

Doch erstens kommt es anders und zweitens als Du denkst:

Es ist morgens um 07:30, ich hatte einen Powerbar zum Früstück, kalten Pulverkaffee und gedörrte Aprikosen, ich fahre auf der Sandpiste durch die Pilbara und bin hingerissen von der Landschaft. All die Farben, Felsformationen und Pflanzen. Ab und zu ist ein Sandbett da und die Piste hat ein gewisses ‚Steckenbleib-Potential‘. Zum Glück ist es knochentrocken. 90 km vor Marble Bar kassiere ich einen Platten.

Ich weiss theoretisch wie es geht und ich weiss, dass ich ein Rad wechseln kann, wenn es sein muss. Also dann jetzt mal ausprobieren. Wagenheber raus, unter den Rahmen und mit umständlichem Gedrehe hebt sich der Wagen schliesslich. Ich hab schon mal die Turnschuhe angezogen um auf den Schraubenschlüssel zu steigen. Ich krieg sie aber nicht auf. Da hilft nicht mal springen, nicht mit ganzer Kraft. Es scheisst mich jetzt wirklich an. Die letzten 2 h hab ich 3 Autos gesehen, kein Natelempfang nur ein Airfield 3.5km weiter zurück. Das kann gut sein oder auch nicht. Ich packe Wasser, den GPS Sender und das Mobile ein und laufe los. Es gibt nichts dort und so gehe ich zurück zu, Auto. Es bleibt mir nur übrig erstmal abzuwarten. Einen Notruf wegen eines Platten abzusetzen geht nicht. Es ist kein Notfall. Ich wünsch mir einen Bloke herbei mit starken Armen oder gutem Werkzeug oder am besten mit beidem.

Erstmal werfe ich eingrosses Müesli-Frühstück ein (ich hatte schon kein Abendessen und könnte echt was vertragen). Kaum ist die Müslischale abgewaschen, kommen zwei Pick ups. Das erste mit Pferdeanhänger fährt vorbei (huch! Panik), aber macht Zeichen. Im zweiten sitzt David, ein Automechaniker!!! Er kann die Schrauben auch nicht aufdrehen, hat aber Gear dabei und nach 15 Minuten bin ich wieder ‚on the road‘. Der Reifen ist zerfetzt und ich muss wohl einen neuen kaufen. Ohne Ersatzrad rum brausen, dafür hab ich keine Nerven. Also schnellstens zu einem Pneuhaus. Es ist nur 380 km weit weg in Newman. In Marble Bar mach ich den Tank voll und fahre weiter nach Süden. Auch hier grösstenteils über ungepflasterte Strassen. Unterwegs treffe ich ein Aussie Paar mit dem selben Ziel, sie helfen mir beim Überholen eines Roadtrains in der Staubwolke. Ich darf ihnen nachfahren und sie kommunizieren mit dem Chauffeur via Funk und er meldet, falls Gegenverkehr kommt. Gegenverkehr kommt dann erst nach 200 km. Hier liegen die Minen von Newman.

So bin ich in Newman gelandet. Hab zwei neue Reifen, weil bei einem zweiten schaute schon die zweite Lage Drahtgewebe raus (danke Wicked Campers) und das ist jetzt echt sicherheitsrelevant. Das Geld werd ich dann mal wieder eintreiben am Schluss der Miete.

Dafür hab ich jetzt Wifi, ein grosszügiges ‚all you can eat Dinner Buffet‘ (Zielgruppe hardworking Blokes), Frühstücksbuffet, eine Dusche und ein Zimmer mit grossem Bett für 135$ (das sind 100 Fr.) und man darf sich vom riesen Frühstücksbuffet noch ein Lunchpaket machen. 

Und einen Blick auf Gebiet mit Tagebau hab ich auch werfen können. Das reicht alles zusammen für heute. Es ist gut.

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Roadtrip Part II – Kimberly Crossing

26 Nov

Nach 10km ist die 4×4-Piste zu den Bungle Bungles überflutet und für jedes Fahrzeug ohne Schnorchel ist hier Schluss. Stecken bleiben ist keine Option. Es gibt keinen Mobile-Empfang, keine anderen Leute im Umkreis von 120km, möglicherweise Krokodile und es wird 40 Grad. Apropos: Joda

Meine Stimmung ist nicht gut. Ich bin traurig und planlos. Zu gerne wäre ich wandern gegangen bei diesen Felsformationen, die aussehen wie Schicht-Torten. Doch die Kimberly Region ist gigantisch gross. Vielleicht kann ich mich ja einer Tour dorthin anschliessen und es gibt bestimmt noch andere coole Dinge zu entdecken hier.

Die Frau vom Café in Halls Creek nennt mich schon wieder ‚Darling‘. Ist üblich hier und ich weiss nicht was ich davon halten soll. Anscheinend machen das die älteren Ladies mit den Jüngeren im Outback. ‚Gell Schätzli‘. Aber – sie spendiert mir einen Kaffee. Die Bezeichnung für Frauen hier im Outback ist ‚Sheila‘ und für Kerle ‚Blokes‘. Ist aber im normalen, modernen Englisch etwas anrüchig und widerspiegelt die Abgeschiedenheit der Gegend.

Bis das Tourist Office öffnet, kurve ich unmotiviert die Duncan Road runter (soll neben der Gibb und der Tananami eine der 4×4 Pisten durch das Outback sein). Ich besuche die spärlichen Überreste Old Halls Creek (Friedhof) sowie ein Wasserloch 30km südlich: „if it has no tubes and tyles, dont swim in it“ sagen die Locals. Ich verspeise eine riesen Mango im Schatten.

Zurück in Halls Creek erfahre ich, dass es wirklich nichts mehr gibt hier. Ausser zwei Tankstellen: Eine mit Shop und eine mit Mechanic. Ich checke mit meiner neuen Lieblings Automechanikerin den Reifendruck, Öl und Wasser und brause 300 km weiter. Eigentlich hätte ich unterwegs gerne ein Glace und eine kalte Cola. Aber es gibt nichts. Nichts. Die Fahrt nach Fitzroy ist ziemlich öde. Dort erfahre ich, dass die Flussüberquerung zur Windjana Gorge mit meinem Gefährt wohl nicht machbar ist und ich entschliesse mich ziemlich lustlos im Resort/Caravan Parking nach einem günstigen Zimmer zu fragen. Die Zimmerpreise sind horrend! Dann campiere ich halt für 20$. Ich texte die Frau an der Rezeption zu (sie spricht Deutsch, hat anscheinend nichts dagegen und mein Redeschwall muss raus, so nach zwei Tagen hinter dem Steuer).

Ein ‚black Fellow‘ will mir ein Kunstobjekt anhängen. Nein Danke, echt nicht. Ich bin gar nicht gut aufgelegt im Moment. Er hätte mir Essen anbieten sollen, was Richtiges, so ein halbes Känguruh, denn ich sterbe vor Hunger. Nach Aufbau des Zelts, nach einer Dusche, nach netter Unterhaltung mit richtigen Menschen beim Dinner (ein Stück Känguruh – free range – yumm!) und einer Runde im Pool, bin ich versöhnt mit dem Tag und dem Leben. Hier im Camping-Park ist es wunderbar. Total friedlich. Dutzende kleine Känguruhs (oder sind es Wallabies?) düngen den Rasen. 😉

Am nächsten Tag schau ich mir das Gebiet bei der Geiki Gorge näher an und bin ziemlich happy, als ich mich nach 09:00 h ins klimatisierte Auto verziehen kann.

…. später dann…

Gerade bin ich bem Aufstellen des Dachzelts vom Auto gefallen. Aua! Da kommt Ranger Henry vorbei um nach dem Rechten zu sehen. Ich bin draussen im Windjana National Park. Über die ‚legendäre‘ Gibb bin ich gefahren. Es ist ein Campingplatz im Bush (mit Dusche und warm Wasser 😜) und ausser dem Ranger, gibt es keinen Menschen hier. Henry ist einer der wenigen, die bei meinen Vorhaben Daumenhoch macht und ‚go Girl‘ meint.

In den Visitor Centers sind sie allgemein ganz hilfsbereit und gut informiert, haben es aber wohl des Öfteren mit ‚Rüben-Touristen‘ zu tun, die sich so allerhand einfallen, lassen wie sie Kopf und Kragen riskieren können. Deshalb raten sie einem auch hier von allem ab und spielen die Spassbremsen (wie viele Ersatzräder hast Du dabei? Wenn es regnet kommst Du da nicht mehr raus – Ätsch.) Ich mag es ganz und gar nicht wenn man mich bremst.

Jaja, das nächste Mal schliesse ich mich sicher einer 100 köpfigen Gruppe an…..

Ein Beispiel ist das Befahren der Gibb River Road: die Piste ist teils sogar asphaltiert (ich kenne nur die ersten 120km ab Derby). Bei trockenem Wetter, ist der Streckenabschnitt hier her eine sehr einfache Angelegenheit. Idiotensicher würde ich gern schreiben. Doch eben genau das ist es nicht. Denn wenn man ein Idiot ist und mit über 100 Sachen die wenigen Kurven hier auf dem Kies ausfahren will, dann krachts.

Selber hab riesen Respekt vor Furten. Deshalb hab ich 200 km Umweg gemacht. Doch einen Bushcamping für sich alleine zu haben und obendrauf noch die schönsten Boab Trees der ganzen Kimberlys am Wegrand aufgestellt zu sehen, ist es Wert. Als das Licht so ab Mitte Nachmittag schön genug gewesen ist, haben sich alle vorgedrängelt und wollten fotographiert werden. Ich bin vor lauter Fotostops kaum mehr voran gekommen mit fahren. Leider hab ich nicht alle geschafft. Doch es entsteht eine nette Sammlung.

Auch die Termiten Hügel sind bemerkenswert. Anders als noch im Northern Territory: Sie sind nicht so spitz und hoch, sondern eher gedrungen und wulstig.

Ausserdem gibt es dunklen, festen Kalkfelsen (Limestone) der jedes Klettererherz höher schlagen lässt (ich bin am Überbeissen deswegen). Doch 1. kein Gear und kein Partner dabei, 2. ist hier wiedermal alles heilig (Aboriginal Kultur) und es wäre wohl eh verboten.

So bleibt der kühle Tunnel Creek (es riecht nach Fledermaus) und die Windjana Schlucht mit kleinem Spaziergang. Dort soll man kleine Krokos beobachten können (Ranger Henry schwärmt nur so davon). Morgens erwache ich wieder um 04:30 und beobachte grad zwei boxende Känguruhs. Wow!

Natürlich will ich die grad fotografieren und bezahle meinen ‚Blutzoll‘, da gerade aus dem Zelt gekrochen und ohne Insektenspray unterwegs. Auch eine Ameise knabbert an mir (schon wieder), es zwickt ganz komisch. Ich kann es nicht glauben, es ist schon das zweite Mal hier. Die Viecher knabbern tatsächlich! Tja, niemand da zum Jammern (smile).

Ich jogge zum Airstrip, frühstücke und mache mich auf den Weg in die Gorge. Ranger Henry hat gemeint es gäbe da 100erte kleiner Süsswasser Krokos. Ich sichte aber gerade mal eines!

Jetzt ab unter die Dusche, Abmelden beim Ranger und nach Broome ins Hotel. Es ist 42 Grad, morgens um 11 h.

Nachtrag: Sonnige Grüsse aus Broome, hier bleibe ich ein paar Tage zum Erholen und Waschen…

< img src=“https://corneliavoigt.files.wordpress.com/2017/11/lrg_dsc00516.jpg“>&lt; img src=“https://corneliavoigt.files.wordpress.com/2017/11/lrg_dsc005231.jpg“&gt;

Roadtrip Part I (Kimberly)

23 Nov

Nach einer erholsamen Nacht auf dem Camping Platz bei der Katherine Gorge, packe ich bei Tagesanbruch zusammen, dusche und bin vor 08:00 in Katherine. Hungrig auf ein grosses Frühstück mit Eggs Beni und Toast. Ich bestelle wie immer die Vegi Variante, diesmal mit Spinat und Pilzen und wie immer ist viel zu viel Hollandaise drüber. Es schmeckt so extrem lecker, dass ich nicht bemerke als ich satt bin und erst an der Grenze zum Platzen den Rest für später einpacken lasse.

Ich freue mich total auf die bevorstehende Fahrt nach Kununurra. Endlich wieder das australische Roadtrip-Feeling, das sich beim letzten Trip vor zwei Jahren nachhaltig in mir festgesetzt hat. 500 km für heute.

Noch darf ich hier aber nicht los. Ich muss tanken und viel wichtiger den PLB GPS Notfallsender kaufen und wenn möglich eine Lösung finden, wie ich Musik bekomme. Weil es wahr ist: ,a roadtrip without music sucks!‘

Im ersten Fishing, Camping & Riffle Laden blitze ich gleich ab. Einen PLB verkaufe hier niemand, alle bestellen im Internet. Höchstens noch Johnny 500m die Strasse runter. Der Laden ist schwer zu finden. Es sieht eher gebrauchten Auto-Hifi Handel aus und Mangos verkauft er auch. Der Laden entpuppt sich aber als wahrer Glücksfall: Johnny ist ein alter Thailänder und er hat nicht nur einen Originalverpackten neuen PLB (für einen Kunden bestellt, der ihn dann nicht wollte), sondern auch einen FM Transmitter. Dies ist ein fast genauso lebenswichtiges Gadget: Es hat einen Aux-Anschluss und streamt dann vom Smartphone via Radio auf die Anlage vom Auto. Und es funktionniert!

Die ersten Takte AC/DC steigern meine Vorfreude ins Unermessliche! Ich bin entzückt!

Es geht los: der Soundtrack für die ersten Kilometer kommt stilgetreu von INXS, Judas Priest, Duran Duran und Ja eben AC/DC. Das so perfekte Outlaw-Feeling, haben ja die Macher von Mad Max bereits erfolgreich umgesetzt. Und es geht wirklich um Sprit und Wasser und den Ride den du fährst. Und mich fasziniert die Kulisse.

Der Himmel hängt mit regenschweren Wolken voll. Die Kilometer vefliegen nur so. Auf dem Mittelstreifen sitzt ein lebensmüder Lizard (40 cm grosses Reptil). Und schon wieder Mad Max. Sorry, dich überfahr ich jetzt nicht.

Meine Cola ist alle und ich verdrücke noch den Rest vom Frühstück. Auf einmal fahre ich durch ein Buschfeuer. Unheimlich, aber nix passiert. Ich hoffe es gibt Regen und wird gelöscht ohne, dass grösserer Schaden entsteht.

Dis Landschaft ist abwechslungsreich und führt über weite Geländeterraseen hinunter an den Victoria River und das gleichnamige Roadhouse. Tankstopp.

Die Musik wechselt, U2 und Metallica und der Song Jersey Girl da regen sich Emotionen. Ich lasse meine Gedanken schweifen und denke an Leute. Spin Doctors und Ugly Kid Joe bringen mich zum Lachen und bei Jucke Box Hero muss ich Headbangen…..

Mit Entzücken entdecke ich den ersten Flaschenbaum (Boab Tree). Die Landschaft wird trockener und ist mit extrem schönen roten Felsgraten gesäumt.

Ich erreiche Kununurra früh genug und im YHA ist noch Platz im klimatisierten 4er Frauen Zimmer. Es sei nur eine Lady da. Ich entdecke eine verwahrloste alte Frau in der Ecke des Gartens und sie müsste mir leid tun (ja tut sie auch, aber sie hats versaut und was ich jetzt dann schreibe gib ganz schlechtes Karma).

Wie sich herausstellt reicht die eine auch! Sie ist eine verwirrte Pennerin. Die Haare verfilzt, die obere Schublade (Zahnreihe) nicht mehr da. Die Haut gelblich, faulig. Sie kann nicht sagen wo sie her ist, redet wirr. Furchtlos beziehe ich das Zimmer. Alles nur Vorurteile. Bewerte den Menschen nicht nach seinem Äusseren. Genau deshalb habe sie ja im Mittelalter Hexen verbrannt. Darüber sind wir doch hinweg, oder?

Shawn aus Südafrika lädt mich ein mit ihnen zu feiern und bietet mir herzlich ein Bier an. Sein nonverbales Feedback als ich ihm erzähle, dass ich mit der Pennerin im Zimmer bin ist, sagen wir mal, speziell. Irgendwo zwischen ‚woah furchtlo, Anerkennung und ‚uuuuiiii‘ Mitleid. Er meint er hätte Angst mit der in einem Zimmer. Ich geh früh ins Bett um am nächsten Tag früh abzuhauen. Frühstück auf dem Aussichtspunkt im Park vor dem Ort. Die Alte kommt zwei Stunden später, raschelt mit Plastiksäcken, schmeisst die Klimaanlage an und baut sich im Zimmer auf. Schlurft hin und her und führt 90 Minuten ein ‚bi-verbales‘ Selbstgespräch. Welches zu 80% aus ‚Shit‘ und zu 20% aus ‚Freaks‘. Ich rufe ‚Schschsch…‘ aber es hilft wenig. Ich beruhige mich, die ist so klapprig, die kann mir gar nix tun. Jaaaaaa Zombies sind auch klapprig. Egal, ich hau ja schon bald hier ab und in den SAC Hütten ists manchmal auch nicht besser.

Als ich dann nach 4 h morgens abhauen will, giesst es als vollen Kübeln. Die Alte ist ruhig, aber ich will die sicher nicht mehr sehn. 4 h ist hier in West Australien nicht gar so früh, um 4:30 wird es hell. Nach einer ausführlichen Morgentoilette warte ich noch ab, aber der Regen hört erst auf der Fahrt zum Lake Argyle, einem riesigen Stausee hier, auf.

Ich miete mir ein Kayak und paddle über den See. Es riecht wieder so phantastisch nach warmem Holz und es ist nicht zu heiss. Kurz kommt etwas Wind auf, ich muss kräftig paddeln und hab schon Angst um meine Gadgets. Obwohl dIe in Plastiksäcklein stecken. Nach 2 h tut mir der Hintern weh. Als ich am Mittag dann bereits genug habe, beschliesse den Roadtrip in Richtung Bungle Bungle Range fortzusetzen. Dieser Park schliesst nächsten Sonntag. Sollte jedoch gemäss Touristinfo noch passen.

Die Landschaft im Licht des fortgeschrittenen Nachmittags ist überwältigend schön. Riesige rote Boulder, auch gleich haufenweise, rote Felsgrate am Horizont mit grünen Planzen bewachsen, blauer Himmel, hohes gelbes verdorrtes Gras und Bäume. Ab und zu diese imposanten Boab Trees und da, ein Schwarm weisser Kakadus!Müdigkeit und die Roadtripmusik tun ihren Teil dazu, ich vermisse Patrik.

Ich fülle den Tank an einem ruinös teuren Roadhouse nach und der Tankwart ermutigt mich nicht gerade, was meinen Plan betrifft mit meinem Disco-Suvi in den Nationalpark zu fahren. Es hätte Regen gegeben und auch einfach so auf einem Rastplatz das Zelt aufzuschlagen, findet er nicht gut.

Ich schlinge mein Essen runter und verkrieche mich ins Zelt. Es gibt hier erfreulicherweise deutlich weniger Fliegen und auch die Mozzies (Mücken) sind nicht mehr da. Dafür machen die Zikaden, Vögel und Kröten einen Krach. Irgendetwas wird grad gefressen. Ich werd mal wieder die Ohrstöpsel bemühen. Der Pfefferspray wäre auch zur Hand (blöder Tankwart).

Und morgen gehe ich mal schauen, ob das mit den 50 km Offroad zum Visitor Center des Purnululu NP (Bungle Bungle) klappt. Sonst dreh ich halt um.

So überwältigend schön die Landschaft ist, so atemberaubend auch das Firnament. Was für ein beflügelnder Gedanke, dass ich Teil des Ganzen bin.

Ich freu mich soooo auf morgen.

Nachtrag: Wie ich von Adrian aus dem Mad Max Museum in Broken Hill (Australien 2016) weiss, ist der letzte Mad Max Streifen in Namibia gedreht worden. Australien war zu grün…

Nachtrag 2: kein Bungle Bungle NP für mich. Keine Touren, keine Heliflüge….

Buschfeuer

Pfeiljagd

21 Nov

Nitmiluk NP (bedeutet Nitmi=Zikaden, luk=Platz) soviel zur Geräuschkulisse hier 😃

Da bin ich also jetzt an der Katherine Gorge (ein Canyon mit Fluss). Leider ist das Befahren mit dem Kayak nicht möglich. Der Wasserstand des Flusses hat bereits angefangen zu steigen und so ist es möglich, das Krokodile ins Gebiet vorgedrungen sind. Die Temperaturen tagsüber sollen hier bei 40 Grad oder mehr liegen.

Fürs erste kundschafte ich einen kleinen Rundweg aus und unternehme eine Bootsfahrt mit Badestopp in einem höher gelegenen Felspool (free from – smile) Touri-Bootfahren ist diiiie Psychohygiene.

Den etwas längeren Walk verschiebe ich auf morgen. Start 04:30h, vor dem Bio-Vogelwecker, mit meiner brandneuen superduper Stirnlampe. Die alte hat nun entgültig den Geist aufgegeben und ‚das Geländewagenteam‘ vom letzten Blog hat mir dort auf dem Camping schon eine ausgeliehen. Morgen also ein längerer Walk. Darüber, was es bedeutetet bei diesen Temperaturen zu wandern, habe ich ja bereits die letzten Tage eine Ansage gekriegt. Den Rückweg verkürze ich deshalb per Shuttleboot. So bleiben 18km. Kommt wiedermal drauf an wie der Weg ist. 18 km können sehr, sehr weit sein, wenn man den Weg suchen und über Steine klettern oder durch Sand laufen muss.

Auf dem Ausflugsboot entdecke ich einen Typen, der sich im Visitor Center vor mir nach Wanderungen erkundigt hat. Er war ausserdem im gleichen Hotel in Katherine. Ich habe zwar wirklich keine Lust ihn anzuquatschen (ehrlich, er ist zu schön), doch jemanden in der Wildnis dabei zu haben, bedeutet Sicherheit. Miguel, so heisst er, ist sofort motiviert. Allerdings stimmen ihn die Spassbremsen im Visitor Center dann wieder um. Von wegen Temperaturen und Wegfindung. Ich geh halt mal schauen, nur dann weiss ich wie es ist. Höchste Zeit für mich, so einen PLB (personal locator beacon, GPS Notfallsender) zu kaufen.

Gerade habe ich mein Dachzelt hervor geholt und bin in den Pool gehüpft, als eine Sturzflut vom Himmel herunter kommt. Nach 20 Minuten ist der Spuk vorbei und ich gehe nachschauen, ob es meinen Schlafsack herausgespült hat…. Die Temperatur ist jetzt sehr angenehm. Ich werfe den Kocher an und geniesse den Abend mit einem wirklich leckeren indischen Fertiggericht. Nachdem ich all meine juckenden Mückenstiche verarztet hab, leg ich mich hin und schlafe sofort ein.

Frühmorgens geht es los. Der Weg ist einfach zu finden. Ab und zu flattert etwas durch die Dunkelheit, die Luft riecht schwer und holzig und vermittelt Frieden und Geborgenheit. Es ist schön.

Ich verstehe jetzt besser, weshalb ein Teil der Wege zu ist. Auch hier sind zwischendurch riesengrosse Pfützen, die man nur mit einem Abstecher in den Busch trockenen Fusses überwinden kann. Auch das gelingt mir nicht immer. Ich stehe mit beidem Füssen im Matsch (im Dunkeln, bäh!) und kriege feuchte Füsse. Der kurz darauf folgende Sonnenaufgang tröstet mich darüber hinweg. Bald schon ist die Abzweigung zum Lilys Pond erreicht, meinem heutigen Ziel.

Der Weg wird nun anspruchsvoller. Das heisst, ab und zu verschwindet er ganz, ist überwuchert oder verläuft auf Felsplatten. Man folgt den Pfeil-Markierungen, wenn man sie findet. Dies scheint ein Kinderspiel, doch hat meine GPS App hat mich heut drei Mal gerettet! Der Weg führt über ein Feld mit widerspenstigem Gras, Sträuchern, einigen Bäumen und Felsen hinunter zu einem Flüsschen. Es ist trotz der Hitze ziemlich grün. Dies ergibt mit dem blauen Himmel und der roten Erde je nach Licht ein atemberaubendes Farbenspiel. Weiter dem Flüsschen entlang, mit kleinen Klettereinlagen, an den Rand der Katherine Gorge. Der Blick hinunter in den Canyon ist prächtig. Es gefällt mir besser hier oben, als gestern auf dem Boot.

Nach einem Picknick mache ich mich vor 08:00 auf den Rückweg. Mein Plan ist zu zwei weiteren Lookouts zu wandern, ebenfalls auf Busch-Wegen. Schliesslich werde ich dann am Felspool vom Boot abgeholt. So organisiert. Klappt. Deshalb und wegen der grösser werdenden Hitze, muss ich mich an meinen Zeitplan halten. Bis 09:00 ist es angenehm, ab 10h wir man erbarmungslos gegrillt. Hat was mit den 40 Grad.

Als ich zurück zum Campingplatz komme, will ich nur noch in den Schatten und in den Pool. Ich bin erledigt. Ich hab Kopfschmerzen und verziehe mich ins klimatisierte Visitorcenter. Dort schlafe ich auf dem Sofa ein. Heute wünsche ich mir ein kühlendes Gewitter. Der Strom ist seit über einer Stunde weg mal sehen ob sie gleich angetaute Eiscreme verschenken. Leider nein und leider auch kein Gewitter.

Endlich finde ich ein Ibu in meinem Zeug und mache die Kopfschmerzen weg. Ich freue mich auf morgen. Auftanken und Einkaufen in Katherine. Vielleicht ein Wifi? Und dann 500km Roadtrip nach Kununurra.

Life is good.Pfeiljagd

Drive – Walk – Eat – Sleep – Repeat

18 Nov

Diskussion am Pool in Katherine

Ich: ‚why do you have so many tattoos?‘

Der australische Samichlaus: ‚because I am cool‘

Ich: ‚I am not, but I don’t care‘

Schallendes Gelächter. Das ist John und sein Mate Scotty. Die beiden halten Flugsicherungs Anlagen in Schuss, stellen Antennen auf und sind beruflich unterwegs. John hätte auch Hells Angel Member sein können, da hab ich ja nochmal Glück gehabt!

Das Motel hier in Katherine ist wohl überteuert, dafür ist die Stimmung gut. Ich gönne mir nach einigen Tagen Camping zwei Nächte im Hotel. Gestern war ich in Pine Creek in einem schicken Railway Boutique Hotel. Alle Gebäude mit verbauten alten Eisenbahnwaggons, hübschen Veranden und einem schönen Pool.

Pine Creek liegt am südlichen Ende des Kakadu National Parks (NP) den ich in den letzten vier Tagen entdeckt habe. Es soll mal einen Goldrausch gegeben haben in der Gegend. Aktuell gibt es nebst ein paar Unterkünften einen Laden mit Tankstelle. Nach meinem Einkauf dort, hat es in Strömen gegossen. Die anwesenden ‚Black- Fellows‘ und ich wollten nicht nach Hause und so warten alle unter dem grossen Vordach. Als mich ein grosser Alter anquatscht und Geld zeigt, wechsle ich den Posten zum anlehnen. Sauber ist der sicher nicht. Über was der will, kann ich nur spekulieren? Ich süffle mein Diet-Gingerbeer und schaue den wilden Kindern beim herumrennen zu.

Ein weiteres Highlight von Pine Creek ist ein witziges Pub: das ‚lazy Lizzard‘. Der Besitzer tut so, als müsse man ihn kennen (sorry?), es gibt Pub-Food, aber auch raffinierte Vegi-Gerichte. Der Koch mag wohl lieber den Pub-Food – genau wie die Mehrheit der anwesenden Gäste. Ich habe selten eine so grosse Zahl von Frauen und Männern mit BMI über 35 oder 40 gesehen. Ü40 mal anders.

Der Kakadu NP besticht durch seine landschaftliche Schönheit: grüne, lichte Wälder, wechseln mit Grasflächen und Gesteinsformationen. Zu den Attraktionen wie Felsmalereien und Badepools sind Wanderwege angelegt bzw bestehen Markierungen und eine Spur, der man folgt. In dieser Jahreszeit füllen sich die Creeks und die Gewässer dehnen sich aus. Dadurch kommen auch die aggressiven Salzwasserkrokodile ins Landesinnere und die Ranger sind in Alarmbereitschaft. Deshalb und aufgrund der Temperaturen über 30 Grad, kombiniert mit hoher Luftfeuchtigkeit, sind die langen Wanderwege gesperrt und die Campings fast leer. Trotzdem gibt es 5-10 km lange Wanderungen, die man kombinieren kann und die gar nicht immer einfach sind. Denn sobald der Weg verschwinded und man nur noch nach Markierungen läuft oder der Untergrund sandig wird oder man längere Strecken über Felsbrocken klettert, ist das Zeitraubend genug. Auf jeden Fall macht es richtig Spassden ganzen Tag draussen zu sein! Eigentlich ist es ideal, um sich einzugewöhnen. Ich muss mir dingend einen PLB / Epirb kaufen gehen. Es ist ein GPS Rettungssender, den man im Notfall aktivieren kann. Vorallem dann für später. In den Kimberleys ist es dann noch einsamer.

Eine Nacht habe ich auf einem Platz übernachtet (Maguk) der nur über eine 10km lange 4×4 Piste zu erreichen ist: Der Platz ist einfach, ohne Dusche und verfügt über einen lauschigen, krokodilfreien Felspool (in der sog. ‚Crocodile-Managmentzone‘ dort holen sie Krokodile mit Fallen raus). Bei der Einfahrt zur Zufahrtspiste ist mir ein grosses Geländefahrzeug entgegen gekommen, dem ich gerne den Vortritt gewährt habe. Perfekt für mich, denn jetzt habe ich jemand der mir durch die Dips vorausfährt. Macht noch Spass der ‚Scheiss‘ 🙂

Die Geländewagentruppe kommt aus Indien, England, Deutschland und Frankreich. Ich könnte mir keine besseren Nachbaren wünschen. Die einzigen, denn die Gegend ist komplett verwaist.

Obwohl es nur sehr wenig geregnet hat, habe ich es fertig gebracht, mein Nachtlager nass zu machen. Ich habe den Reissverschluss vom Zelt offen gelassen. :-/ Des Nachts fallen grossen Früchte von den Bäumen. Ich bin mir fast sicher, dass ich meine Behausung wohl platziert habe. Zeit, wiedermal im Hotel zu übernachten.

Granatapfel? Jedenfalls fallen sie wie Granaten von den Bäumen

Edith Falls – krokodilfrei

Gleich wird es nass

Kakadu NP

16 Nov

Mittwoch 15.11.

Momentan prasselt der Regen derart lautstark auf das Zeltdach, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Hinzu kommt die latent vorhandene Sorge (ich arbeite an den Sorgen, s. letzter Blogeintrag), das Zelt könnte doch nicht dicht sein. Dabei hat es die ganze letzte Nacht zu 95% gehalten – und es hat gegossen wie aus Kübeln.

Das Wetter ist heiss und feucht und deshalb entladen sich Nachmittags bis in die späte Nacht hinein die Gewitter. Im Moment regnet es ‚Katzen und Hunde‘ – frei aus dem Englischen übersetzt. Der Regen ist jedoch nicht unangenehm, sondern sorgt für Abkühlung. Dies macht das Schlafen angenehmer. Alles in allem ein schönes Naturspektakel, bei dem auch Blitz und Donner nicht fehlt.

Heute ist sowieso ein spannender Tag gewesen. Morgens um Vier, auf dem Weg zur Toilette, ist eine grosse Fledermaus durch den Lichtkegel meiner Stirnlampe geflattert. Ein wahres Prachtsexemplar und das jederzeit in einem Dracula-Streifen hätte mitspielen können. Aber zu schnell unterwegs um ein Foto zu machen 🙂

Ich bin mutterseelenallein hier draussen auf einem Campingplatz und kann mir anhand der freien Felder ausmalen, was in der kühleren Jahreszeit hier los ist. Schon der Weg zum Startpunkt meiner Wanderung ist der Hammer. Er verläuft durch lichte tropische Vegetation mit palmenartigen Sträuchern, Eukalyptus und hohen Borsten-Gräsern, zwischen schönen Felsformationen. Diese sind rötlich oder dunkel und ragen in den blauen Himmel. Ein hübsches Farbenspiel.

Beim Restaurant kaufe ich ein Ticket für die Bootstour um 15h. Ich hoffe man sieht auch noch etwas anderes als Krokodile. Die machen hier schon einen rechten Hype um diese Viecher. Mir gefallen sie nicht.

Im Anschluss nehme ich meinen ersten Bushwalk dieser Australien Reise in Angriff. Der Ranger hat mir diesen Tip gegeben. Etwa 13 km sollen es sein. Mir scheint dies eher kurz, doch die längeren Routen sind alle geschlossen. Je länger ich hier bin, desto besser verstehe ich auch weshalb. Etwas vom Wanderweg entfernt ist eine Aussichtsplattform, nur wenige Meter über dem Fluss. Man sieh eine Furt für Autos, die ins Arnhemland führt. Einem immens grossen Gebiet, reserviert für Aboriginies. Ich stehe so da und schaue und staune schon nicht schlecht, als ich vier oder fünf Krokos ihre Bahnen ziehen sehe, während nebenan Autos durch die Furt fahren. Anscheinend sind auch schon Leute gefressen worden, deren Wagen im zu tiefen Wasser stecken geblieben ist. Gruselig. Und ich denke wieder einmal für mich: in Australien vermasselt man es nur einmal. Deshalb nehme ich die Krokodil Warnschilder jetzt ganz fest ernst.

Und schon warnt das nächste Schild: Büffel. Büffel? Büffel! Soll ich jetzt wirklich an Büffel glauben? Und was ist mit Schlangen? Spinnen? Skorpionen? Ich wandere so vor mich hin und komme kaum nach mit staunen und Fotos knipsen, da trifft ein Gestank meine Nase. Es könnte tatsächlich Büffelkacke sein. Und die Spur, die ich gerade vor mir auf dem Wanderweg im Sand entdecke, lässt keinen Zweifel mehr zu. Ja. Büffel gibt es auch hier. Ich nehme das so zu Kenntnis.

Ich gehe weiter und geniesse die Landschaft mit den phantastischen Felsgebilden. Der Fels heisst Sandstone, ist aber hart und wäre schön zum Klettern. Aber bestimmt ist hier jeder Stein heilig und man darf nicht (wie bei Ayers Rock). Die Landschaft wechselt, ich komme an Billabongs vorbei (stehende Tümpel). Hier leben verschiedene Vögel. Auch Kakadus sind da, bunte kleinere Arten, verschiedene Reier und grössere Raubvögel. Leider kann ich die nicht benamsen. Vielleicht finde ich das noch heraus.

Auf einmal verläuft sich der Weg in der Vegetation. Ich stakes ein kurzes Stück durch kraziges Gras und Baumstämme, aber der Track lässt sich nicht wieder finden. So drehe ich schweren Herzens um und mache mich auf den Rückweg. Vielleicht kann ich es ja morgen früh noch einmal versuchen?

Nach einer kurzen Mittagspause beginnt dann schon meine Touri-Bootstour. Die Anlegestelle ist bis auf zwei fischende Aboriginies wie ausgestorben. Kurz nach 15h kommt der Guide. Ich bin tatsächlich der einzige Gast. Die Tour ist gemütlich und interessant, die Flusslandschaft hübsch. Es gibt tatsächlich viele Krokodile hier und die Büffel seien also ganz ganz böse (wie die in Afrika) Der Typ macht mir Angst und bemitleidet mich, weil ich alleine unterwegs bin. Alleine beim Wandern, alleine im Auto, alleine auf dem Camping. Er findet das anscheinend nicht gut und mich nervt das. Ich denke für jemand aus Europa ist alleine sein wirklich mal ein Luxus. Die Ängste die damit verbunden sind, macht man sich selber oder lässt sie sich einreden.

Trotzdem beschliesse ich die Wanderung morgen nicht noch einmal von der anderen Seite zu versuchen. Schade. Aber einem Büffel möchte ich nicht ausserhalb eines Safari-Fahrzeugs begegnen.

Gut erholt von der Pause auf dem Boot, spaziere ich nach Ubirr. Einem Ort mit Felsmalereien und einem Aussichtspunkt zu oberst auf einem Felsen. Der Himmel verdunkelt sich von Minute zu Minute. Angesichts der Tageshitze ist mir das egal. Doch kaum oben angelangt, bricht ein Gewitter los und innert zehn Sekunden bin ich nass bis auf die Haut. Ich komme gerade noch dazu mein Mobile in einen Platiksack zu stecken. Der Ranger von der Auskunftsstelle ist auch da und bringt gerade seine Leute in Sicherheit. Schnell weg vom höchsten Punkt, denn wer sich nicht von Krokodilen und Büffeln töten lässt, soll doch nicht etwa durch Blitzschlag sterben, oder? (Hehe, ich glaub ich schreib mal einen Beitrag ‚how to die in Australia‘)

Duschen und Kleiderwaschen hat sich erledigt. Ich bekomme einen Lift zurück zum Camping und freue mich über eine warme Dusche und trockene Kleider. Eine coole Family aus Melbourne, die bis Ende Januar auf einer ähnlichen Route nach Perth reist. Die sehe ich bestimmt wieder.

Es pisst wieder die ganze Nacht und das Zelt ist zu 92% dicht. Ein unerfreulicher Trend? Heute morgen (16.11.) – ich bin gerade drei Wochen weg aus meinem Job – bücke ich mich ohne Linsen über das Waschbecken und erkenne etwas. Huch! Rasch die Brille wieder aufgesetzt. Und fast gleichzeitig staune ich, wie mich der fette Käfer im Abfluss kalt lässt (und auch der Frosch auf der Klobrille). Ich wechsle einfach zum anderen Waschbecken. Mit einem Grinsen ziehe ich insgeheim Vergleich mit unangenehmen Meetings bei der Arbeit. Wenn mich die nur auch so kalt lassen würden, hihi….

Egal, schweisstreibendes Abbrechen des Dachzelts steht an und dann fahr ich zurück nach Jaibiru und stelle das hier online. Bis bald, Coni

Die erste Nacht in freier Wildnis

14 Nov

Nach einer kleinen Aufwärmrunde mit Turnübungen im Park in Darwin am frühen Morgen, wird es spannend: Ich darf meinen Mietwagen abholen. Wieder einmal mache ich mir unnötigerweise zu viele Sorgen, es klappt nämlich tiptop mit der Kreditkarte. Ja – ich bekomme sogar einen Upgrade! Ich kriege einen 4×4! Yeeeesssss! Das ist wirklich ultimativ! Auto und Camping Equipment sind ziemlich versifft, jedoch funktionstüchtig.

Ich nehme mir vor, mir das ‚unnötigerweise Sorgen machen‘ bis zum Ende der Reise abzugewöhnen (so wie letztes Mal) – das hilft fürs Leben.

Jetzt Gepäck und Essen einladen, Volltanken und Wasser kaufen (28l) und es gehts los. Es ist ein Wagen mit Gangschaltung. Also Fahren links und links Schalten, blinken rechts. Wer beim trockenen Wetter mit eingeschaltetem Scheibenwischer an der Abbiegung steht, outet sich als Tourist, hihi.

Nach einer guten Stunde erreiche ich den Litchfield National Park. Fest steht, die Karre säuft Sprit wie blöd. Nach 100km der Rank schon zu 1/4 aufgebraucht (Dachzelt und Klimaanlage).

Als ich im Park ankomme plagt mich wieder einmal grosser Hunger. Ständig vergesse ich zu Essen und es erwischt mich dann in einem unpassenden Moment, sodass ich es dann wieder verschiebe. Eine Glace und ein paar Cracker müssen reichen. Denn die Termiten Gebilde und die Wasserfälle warten auf mich. Die Abkühlung ist herrlich und ich gehe zu Fuss zu den Florence Falls weiter. Hier ist viel Betrieb, doch der kleine Walk ist phantastisch. Leider bleibt mir nicht allzuviel Zeit, denn es ist bereits später Nachmittag. Es gilt noch meinen Übernachtungsplatz finden und möchte bei Tageslicht noch das Dachzelt rausholen.

Eigentlich könnte ich zum 4×4 Camp fahren. Diese Fahrzeug lässt mir unerwarteten Spielraum, den ich auszukosten gedenke – yeah! Trotzdem werde ich keine extremen 4×4 Sachen fahren mit meinem Disco-Jeep. ZB Furten möchte ich vermeiden.

Ungewollte Aufregung veschafft mir ein kleines, suizidales Känguruh, dass mir vor die Räder kommt. Ich trete voll in die Eisen! Neiiiin! Owehhh! Und das bei Tageslicht? Es gibt keinen Aufprall! Ufff! Ich hoffe wir beide sind noch einmal davon gekommen.

Mein heutiger Übernachtungsplatz ist bei den Wangi Falls. Um diese Zeit ist der Platz fast menschenleer. Wir sind nur 4 Partien hier, was sehr wenig ist für sie beliebteste Attraktion des Parks.

Der Himmel zieht zu und ich hole mein Zelt raus. Es ist ein ziemliches Gebastel und Gelotter und ich hoffe es hält dicht. Jetzt fängt es nämlich an zu regnen. Ich schaffe es gerade noch das versiffte, schmutzige Geschirr zu waschen und unter dem Vordach den Kocher anzuschmeissen. Die Resten vom Asiaten vom Vortag schmecken unsäglich lecker. Zusammen mit ein paar Nüssen passt das gut.

Der Regen lässt auch schon wieder nach. Das Zelt hält so wie es ist nicht dicht, sodass meine Küchenpapierrolle zum Einsatz kommt. Danach finde ich aber zum Glück heraus wie es geht mit dem Aufspannen… Fazit: mehr Kraft anwenden.

Beim Einschlafen höre ich nebst dem Regen, dem Wind und dem Wasserfall auch Tiere. Der Schrei eines Kauz‘ durchbricht die anderen Nachtgeräusche und Wallabies sind rund ums Zelt. Das hört sich an, als ob jemand fein ein Kissen ausklopft. Natürlich schlafe ich unruhig, aber das ist egal. Bezüglich Tiere und Schlafkomfort habe ich ja bei meinem letzten Autralientrip bereits meine Erfahrungen gemacht (ohne Zelt). Die Geräusche ängstigen mich nicht mehr im geringsten. Ich wundere mich nur, was die Viecher gerade anknabbern da draussen. Es hört sich fast an wie das Zelt. Grrrrrr.

Im der Morgendämmerung erkenne ich später, dass sich Wallabies (kleine Känguruhs) an den Sträuchern neben dem Parkplatz zu schaffen machen.

Ich mache mir Frühstück, bin tiefenentspannt und freue mich über das Wallabie mit Baby im Beutel, das gerade vorbeikommt. Es ist wie in einem grossen Tierpark hier: Vögel zwitschern, weisse Kakadus schwingen sich streitend durch die Luft und eine sanfte, kühle Briese streicht durch die Bäume. Jetzt auf den Schwumm beim Wasserfall und danach ist dann sicher mein Zelt trocken und die Reise kann weitergehen.

Nachtrag: aus dem Schwimmen ist aufgrund einer Krokodil Warnung leider nichts geworden. Dafür konnte ich den 4×4 grad mal auf einer Dreckstrasse testen, hehe.

Und: Internet ist Glückssache und dieses hier eine Bambusleitung. Deshalb kommen ev keine Bildeli mit. Schaaaad